Zinshäuser: Teurer Boom einer Branche

Ein Berliner (li.) und ein Hamburger Zinshaus. Gerade in der Hauptstadt boomt das Geschäft mit den Zinshäusern enorm.

Ein Berliner (li.) und ein Hamburger Zinshaus. Gerade in der Hauptstadt boomt das Geschäft mit den Zinshäusern enorm.

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Jürgen Michael Schick muss umdenken. Jahrelang erklärte der Berliner Makler und Vizepräsident des Maklerverbands IVD potenziellen Käufern, warum sie unbedingt ein Zinshaus in der Hauptstadt erwerben sollten. Nun stehen die Käufer Schlange, und Schick muss Immobilienbesitzern klar machen, warum jetzt der geeignete Zeitpunkt ist, ihr Mietshaus zu verkaufen. Gründe findet er durchaus. Auf den Punkt gebracht lauten sie: „Wann denn sonst? Beim Dax-Stand von 10.000 Punkten würde ich eine Siemens- Aktie auch als langfristiger Anleger verkaufen“, schreibt Schick im Newsletter „Berliner Zinshäuser“, die sein Maklerbüro Michael Schick Immobilien und die Dr. Zitelmann PB herausgeben.

Allerdings geht Schick aufgrund des Nachfragedrucks und Angebotsmangels davon aus, dass die Mietpreise in der Hauptstadt weiter steigen. Und er kenne auch niemanden, der einen deutlichen Marktrückgang erwartet – sodass es ebenso gute Gründe für eine Investition gibt. „Berlin ist im Höhenflug. Gerade auch bei ausländischen Investoren ist die Hauptstadt gefragt wie nie“, so Schick.

12 Milliarden Euro für Zinshäuser


Berlin ist mit Abstand der größte und aktivste deutsche Zinshausmarkt. Ein Drittel des Transaktionsvolumens entfällt allein auf die Spree-Stadt. Der IVD zählte an 50 deutschen Standorten rund 13.000 Zinshaus-Transaktionen im Wert von 12 Milliarden Euro – eine Steigerung von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Wohn- und Geschäftshausbericht von Engel & Völkers weist 10.000 Transaktionen mit einem Gesamtwert von etwas über 10 Milliarden Euro aus.

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Im Schnitt wechselte ein Zinshaus also für rund eine Million Euro den Besitzer. „Etwa 50 Prozent der Häuser werden jedoch für 500.000 Euro und weniger verkauft“, so Carsten Rieckhoff, Research- Leiter bei Engel & Völkers. Dabei bezieht sich das Immobilienunternehmen auf Wohn- und Geschäftshäuser mit mindestens vier Einheiten, der Anteil der gewerblichen Flächen – etwa ein Geschäft im Erdgeschoss – an den Mieteinnahmen darf maximal 20 Prozent ausmachen.

Der Handel von großen Wohnungsportfolios unter institutionellen Investoren ist hier nicht enthalten. Der hat 2012 wieder stark angezogen und dürfte nach Schätzungen des Immobilienunternehmens Patrizia dieses Jahr ein Volumen von mehr als 10 Milliarden Euro erreichen. Nicht nur in Berlin haben die Preise angezogen. In allen großen Metropolen, den A-Standorten, hat die verstärkte Nachfrage seit der Finanzkrise die Kaufpreise kräftig nach oben getrieben.