Zinskommentar von Dr. Klein So wirken sich die Entscheidungen von EZB und Fed aus

Häuschen im Grünen: Die Zinsen für Bauherren und Hauskäufer bleiben niedrig. | © Pixabay

Häuschen im Grünen: Die Zinsen für Bauherren und Hauskäufer bleiben niedrig. Foto: Pixabay

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde mit deutlich weniger Spannung verfolgt als die der US-Notenbank in Washington. „Ich habe von der EZB-Sitzung keine nennenswerten Neuigkeiten für die Eurozone erwartet”, sagt Michael Neumann von Dr. Klein Privatkunden. „Das derzeitige Anleihekaufprogramm läuft bis mindestens September 2018 weiter. Es sieht vor, dass im kommenden Jahr nicht nur Anleihen im Wert von bis zu 30 Milliarden Euro pro Monat zusätzlich gekauft werden, sondern darüber hinaus jeden Monat weitere knapp zehn Milliarden auslaufende Anleihen verlängert werden”, so der Vorstand des Vertriebs von Finanz- und Versicherungslösungen. „Damit ist der ‚natürliche Rückfluss‘, also die Reduzierung der Bestände der EZB, de facto außer Kraft gesetzt. Der Anleihen-Bestand der Zentralbank steigt somit jeden Monat netto um 30 Milliarden Euro.”

Mario Draghi, Chef der EZB, hatte seine expansive Politik unter anderem damit begründet, dass die Wirtschaft in der Eurozone nicht ausreichend stabil sei und dass zunächst eine weiter reichende Erholung einsetzen müsse, ehe er die Intervention der EZB weiter reduziere. Als Indiz dafür führte Draghi immer wieder die europäische Inflation an, die ohne konjunkturfördernde Maßnahmen nachhaltig nicht hoch genug sei. Der Zielwert der EZB liegt bei 2 Prozent. Im Oktober 2017 betrug sie 1,4 Prozent. Auch die Löhne stiegen laut Draghi nicht in ausreichendem Maße.

Janet Yellen, Chefin der amerikanischen Notenbank (Fed), erhöhte zum dritten Mal in diesem Jahr die Zinsspanne. Der Leitzins steigt um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 1,25 und 1,5 Prozent. Da sie damit ihrem eingeschlagenen Weg folgte, reagierten die Märkte allerdings kaum. Die Zinserhöhung war bereits eingepreist. „Yellen kann ihrem europäischen Kollegen vorauseilen, weil in den USA genau die Parameter eingetreten sind, die Draghi so gerne sehen möchte: Die Wirtschaft wächst kontinuierlich, die Inflation liegt höher als in der Eurozone – im Schnitt 2017 bei 2,1 Prozent“, so Neumann. „Die Anhebung des Zinses entspricht der Kommunikationsrichtlinie der Fed. Weitere Veränderungen hatte ich nicht erwartet – zumal Yellen in weniger als zwei Monaten von ihrem Nachfolger abgelöst wird.“

Die Auswirkungen auf die Baufinanzierungszinsen sind dementsprechend gering. Die Zinsen sind nur minimal gestiegen „Im vergangenen Monat sind die Zinsen für Baudarlehen um zehn Basispunkte gestiegen. Dabei handelt es sich um übliche Marktschwankungen“, so Neumann. „Für das kommende Jahr rechne ich weiterhin mit einem günstigen Zinsumfeld für Bauherren und Hauskäufer – auch wenn die Talsohle hinter uns liegt.”