Zinskommentar von Kurt Neuwirth Bye bye, Great Britain

Die britische Jugend demonstriert vor dem Palace of Westminster gegen den Brexit. Viele fühlen sich von den Alten um ihre Zukunft gebracht. Foto: Getty Images

Die britische Jugend demonstriert vor dem Palace of Westminster gegen den Brexit. Viele fühlen sich von den Alten um ihre Zukunft gebracht. Foto: Getty Images

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Brexit! Oder doch nicht?

Eine Online-Petition konnte bis Montag bereits mehr als 3,5 Millionen Unterschriften für eine neue Abstimmung sammeln. Die Insulaner scheinen sich ihres Handelns nicht bewusst gewesen zu sein. Besonders bei den Nichtwählern- rund 28 Prozent der britischen Bevölkerung, saß der Schock tief am nächsten Morgen. Denn besonders sie und viele Resteuropäer sind von einem sicheren Sieg des „In“-Lagers ausgegangen.

Die Erfolgschancen für ein zweites Referendum halten Wahlforscher für äußerst gering. Dennoch ist die Abstimmung rechtlich nicht bindend. Die Financial Times betitelte die Abstimmung als eine „glorifizierte Meinungsumfrage“. Doch ob sich das britische Abgeordnetenhaus gegen den Volkswillen stellt, hängt besonders von der Ernüchterung der Bevölkerung ab.

De facto ist Großbritannien immer noch Teil der EU

Erst die Inanspruchnahme von Artikel 50 der Lissaboner Verfassung setzt einen kontrollierten Austritt in Gang. Dieser sieht vor, innerhalb von zwei Jahren ein Austrittsabkommen mit der britischen Regierung auszuhandeln. Die Leitlinien für die Verhandlungen werden unter Ausschluss des Vereinigten Königreiches festgelegt. Kommt kein Abkommen zustande, würde Großbritannien nach dem Einreichen des Austrittsgesuchs ungeregelt aus der EU ausscheiden.

Aufgrund der Verflechtungen der britischen Wirtschaft mit Resteuropa ist nicht mit einer „schmutzigen“ Scheidung zu rechnen. Dennoch sollte sich die britische Regierung auf harte Verhandlungen einstellen. Der Ausritt wird nicht spurlos an der Bevölkerung vorbei gehen. Inwiefern das englische Portmonnaie in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, illustriert eine Grafik der BBC.

Die langfristigen Folgen am Kapitalmarkt sind nur schwer einschätzbar


Der Absturz der britischen Währung auf den tiefsten Wert seit über dreißig Jahren, lässt nur erahnen wohin der Weg führen wird. Besonders in Mitleidenschaft gezogen werden auch Finanzintermediäre wie Banken und Versicherungen. Die Deutsche Bank Aktie verlor am Freitag um mehr als 14 Prozent an Wert. Auch die Zinsen für deutsche Staatsanleihen sanken für fast alle Laufzeiten ins Negative.