Zinspolitik der USA Was uns der Dot Plot über die Zukunft der Zinsen verrät

US-Notenbank-Chef Jerome Powell gestern auf der Pressekonferenz, auf der er die aktuelle Geldpolitik der USA erklärte | © Getty Images

US-Notenbank-Chef Jerome Powell gestern auf der Pressekonferenz, auf der er die aktuelle Geldpolitik der USA erklärte Foto: Getty Images

Paul Flood, Multi-Asset Income Portfoliomanager bei Newton Investment Management:

Die Fed hat die Leitzinsen erwartungsgemäß um 0,25 Prozent angehoben, hat aber gleichzeitig signalisiert, dass in diesem Jahr wohl nur noch zwei weitere Zinsschritte folgen werden. Dies hat den US-Dollar unter Druck gesetzt, da Anleger eigentlich mit vier Zinserhöhungen 2018 gerechnet hatten.

Jerome Powell, der neue Vorsitzende der Fed, deutete zwar an, dass der Zinsanstieg 2019 und 2020 steiler ausfallen könne – allerdings nahm der Markt davon keine Notiz. Denn Trumps Handelsbarrieren, die das Wirtschaftswachstum dämpfen könnten, bereiten der Fed (und dem Finanzmarkt) Kopfzerbrechen. Aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes in den USA erwartet die Fed zudem einen Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten.

Andrew Wilson, Co-Leiter der Teams für globale Anleihen und Liquidität bei Goldman Sachs Asset Management:

Wie erwartet hat die Fed die Zinsen erhöht, obwohl der Fokus des gestrigen Meetings über den Zinsentscheid selbst hinausging. Das als „Dot Plot“ bekannte Punktdiagramm der Fed, das der Markt als zentralen Aspekt für die Entscheidungsträger betrachtet, deutet weiterhin auf insgesamt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr hin. Die Fed räumte jedoch ein, dass sich die „wirtschaftlichen Aussichten in den letzten Monaten verbessert haben“. Wir bleiben diesbezüglich zurückhaltend und sehen weiterhin Spielraum für vier Zinserhöhungen in diesem Jahr.

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank:

Eigentlich konnte der neue Chef der amerikanischen Notenbank Fed, Jerome Powell, in seiner ersten Sitzung nicht viel falsch machen. Er setzte den geldpolitischen Kurs seiner Vorgängerin fort – und das war gut so.

Doch die Zeiten, in denen sich quasi mit Zirkel und spitzem Bleistift am Reisbrett ausrechnen ließ, wie viele Zinserhöhungen noch folgen werden, sind vorbei. Das Fahrwasser für die Fed verändert sich: Die Aktienhausse ist weltweit brüchig geworden. Auch mehren sich die Anzeichen für eine Abschwächung des weltweiten Konjunkturaufschwungs.

US-Präsident Trump verfolgt zwar die im Wahlkampf vorgezeichnete Linie, diese wird allerdings in vielen Kreisen wirtschafts- und außenpolitisch als problematisch eingestuft. Außerdem geht weltweit das größte geldpolitische Experiment der letzten 50 Jahre – die quantitative Lockerung – zu Ende. Und das bedeutet für Notenbanker und Finanzmarktakteure risikoreiches Neuland.

Die US-Notenbank muss sich auf diese veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Insofern überraschen ihre vergleichsweise klaren Aussagen von heute. Eigentlich täte sie besser daran, sich möglichst flexibel zu äußern und sich bezüglich der Anzahl der Zinsanhebungen alle Optionen offen zu halten.