Zinstief, Regulierung, Digitalisierung Die 3 wichtigsten Themen der Bafin im Jahr 2017

Bafin-Präsident Felix Hufeld

Bafin-Präsident Felix Hufeld

Die deutschen Finanzwächter starten mit drei Themen ins neue Jahr, die schon seit geraumer Zeit auf ihrer Agenda stehen: Bafin-Präsident Felix Hufeld benannte in seiner Ansprache auf dem Neujahrspresseempfang „Niedrigzinsen“, „Regulierung“ und „Digitalisierung“ als die drei Kerngebiete, um die sich die Bafin 2017 kümmern will.

Schwieriges Zinsumfeld

Auch wenn Lebensversicherer, Pensionskassen, Bausparkassen und auch Banken unter der Zinssituation leiden: Die Kapitalausstattung deutscher Institute sei vergleichsweise gut, stellte Hufeld fest. „Noch“, wie er betont – denn die Anbieter müssten sich unvermindert anstrengen, um auch auf lange Sicht profitabel zu wirtschaften.

Nicht vernachlässigen sollten Banken und Versicherer dabei auch das Zinsänderungsrisiko, mahnte Hufeld. Da Banken ihren Kunden immer mehr langfristige Kredite einräumten und Versicherer zunehmend in lang laufende Anlagen investierten, seien wieder steigende Zinsen für sie nicht allein eine Erleichterung, sondern forderten sie auch heraus.

Angemessene Regulierung

Viele Banker klagen über ein vermeintlich zu hohes Maß an Regulierung. Die Regeln seien seit der Finanzkrise 2008 jedoch zurecht verschärft worden, wirbt Hufeld um Verständnis für das Wirken seiner Behörde. Banken sollten handlungsfähig bleiben, das gesamte Bankensystem müsse stabil und widerstandsfähig gehalten werden. Das sichergestellt zu haben, betrachtet Hufeld auch als  Verdienst der Finanzaufsicht: Die Bankenregulierung habe in der Zeit nach der Finanzkrise Stabilität und Widerstandkraft befördert, betonte Hufeld.

Der Bafin-Präsident nahm auch Stellung zu Vorwürfen, die Finanzmarktregulierung schieße mit zu eng gestrickten Maßnahmen an vielen Stellen über ihr Ziel hinaus. Bei jeglicher Regulierung wolle man immer auch die Verhältnismäßigkeit im Blick behalten, versprach Hufeld. Für kleinere Geldistitute, forderte der Bafin-Prasident, sollte der Regulierungsrahmen weiter gefasst sein als für systemrelevante große Banken.

Neben Mitarbeit an Regelwerken für Banken und Versicherungen wie Basel III und Solvency II sehe es die Bafin jedoch auch als ihre Aufgabe, Verbraucher zu schützen. Hufeld erinnerte an die 2016 erfolgten Interventionen der Bafin bei Bonitätsanleihen und CFDs. Im ersten Fall habe die Selbstverpflichtung der Finanzwirtschaft bereits Wirkung gezeigt. Die Bafin sehe sich mit ihren Eingriffen auf einem richtigen Weg.

Kritischer äußerte sich Deutschlands oberster Finanzaufseher über die Finanzmarktrichtlinie Mifid II, die bis Mitte des Jahres in deutsches Recht umgesetzt sein soll: „Wir laufen möglicherweise Gefahr, in der Verhaltensregulierung eine Regelungsdichte und Komplexität zu schaffen, mit der die flächendeckende Versorgung mit Finanzprodukten fraglich werden könnte“, warnte Hufeld und stieß damit ins selbe Horn wie viele Kritiker, die eine vermeintlich überbordender Regulierung von  Finanzprodukten bemängeln. Hufeld räumte ein, dass sich die Regulierer auf einem schmalen Grat der Angemessenheit bewegten.

Herausforderungen durch Digitalisierung

Digitalisierung und Big-Data-Analyse wirkten auf Finanzdienstleister sowohl schöpferisch als auch zerstörerisch, so Hufeld. Etablierte Anbieter könnten mithilfe der Datenmenge passgenauere Angebote für ihre Kunden stricken. Gleichzeitig bedrohe eine Fülle neuer Finanztechnologieanbieter das Geschäftsmodell der etablierten Akteure. Dabei gehe die Gefahr, die der klassischen Finanzindustrie drohe, nicht nur von eindeutig spezialisierten Fintech-Unternehmen aus: Auch große Unternehmen außerhalb der Finanzbranche könnten ihre Chance wittern: „Was hindert diese Datenriesen daran, Finanzdienstleistung als Anhängsel nebenherlaufen zu lassen?“, fragte Hufeld und spielt damit auf Unternehmen wie Amazon und Co. an, die ihr Geschäftsmodell gleich von Beginn an im Internet aufgezogen haben.

Als wichtiges Thema benannte Hufeld in seiner Rede auch die Datensicherheit im Internet. Finanzdienstleister sollten das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen, mahnt der Bafin-Chef.

Die Behörde

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz Bafin – wurde 2002 eingerichtet. Als Anstalt des öffentlichen Rechts beaufsichtigt sie Banken und Finanzdienstleister, Versicherer und den Wertpapierhandel. Sie finanziert sich dabei aus Gebühren und Umlagen der beaufsichtigten Institute und Unternehmen. Ihr aktueller Präsident Felix Hufeld steht der Behörde seit März 2015 vor.