Zinswende Bert Flossbach: Renditevorsprung von Aktien gegenüber Anleihen immer noch hoch genug

Unternehmens-Co-Gründer Bert Flossbach managt den Flaggschiff-Fonds seines Hauses FvS Multiple Opportnunities | © Jürgen Bindrim

Unternehmens-Co-Gründer Bert Flossbach managt den Flaggschiff-Fonds seines Hauses FvS Multiple Opportnunities Foto: Jürgen Bindrim

Vier Zinserhöhungen hat die US-amerikanische Notenbank von Dezember 2015 bis heute vollzogen. In der kommenden Woche tagt der Offenmarktausschuss der Federal Reserve erneut.

Nach dem extremen Zinstief betrachtet Notenbankchefin Janet Yellen die US-Konjunktur mittlerweile als reif für höhere Leitzinsen. Keine übereilten Steigerungen, sondern eher sanfte. Eine zu schnelle Rückkehr zu Zinsniveaus, wie es sie etwa vor der Finanzkrise gegeben hat, könnte das Land in Bedrängnis bringen: Private und öffentliche Schuldner hätten eine immense finanzielle Last zu schultern. Eine zu schnelle Zinsanhebung könnte Investitionen verhindern und die eben noch geldpolitisch angeschobene US-Wirtschaft wieder ausbremsen. Dementsprechend vorsichtig geht Janet Yellen vor.

Diesseits des Atlantiks stehen die Zeichen weiterhin auf Vorsicht, wenngleich sich auch in Europa eine zaghafte Trendwende ankündigt: Zentralbankchef Mario Draghi könnte sein milliardenschweres Anleihenkaufprogramm auslaufen lassen, vermuteten Marktbeobachter nach Draghis Auftritt während der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra. Noch ist unklar, ob die EZB ihr Quantitative Easing im Herbst nicht noch einmal verlängert, dann möglicherweise in kleinerem Umfang.

Erste Andeutungen über einen möglichen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik haben in Anlegerkreisen jedenfalls Wirkung gezeigt: Sie haben eine neue Nervosität ausgelöst. Könnte eine Zinswende die lange Rally an den Aktienmärkten beenden – immerhin profitieren die Aktienmärkte stark von den Dauer-Niedrigzinsen. Werden bei rentierlicheren Anleihezinsen die Anleger verstärkt in Zinsanlagen strömen und durch Verkäufe die Aktienmärkte zum Einstürzen bringen?

Aktien mit deutlichem Renditevorteil

Kein Grund zur Panik, sagt Bert Flossbach, Mitgründer und Chef der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, in einem aktuellen Kapitalmarktausblick: Aktien haben vor Anleihen einen ganz deutlichen Renditevorsprung. Während Aktienindizes wie der S&P 500 oder der MSCI Emerging Markets im ersten Halbjahr ein Plus von 9 beziehungsweise 9,5 Prozent eingefahren haben, lag der Rentenindex REXP – er bildet den Gesamtertrag aus Kurs und Zins deutscher Bundesanleihen ab – mit minus 1,0 sogar leicht im negativen Bereich.

Und auch für die absehbare Zukunft gibt Flossbach Entwarnung: Die Zinsen der Eurozone, aber auch Japans und der USA würden auf absehbare Zeit gezwungenermaßen sehr niedrig bleiben. Der deutliche Renditevorteil von Aktien vor festverzinslichen Anlagen mit guter Bonität werde sich insofern noch eine ganze Weile fortsetzen – selbst angesichts moderat steigender Anleiherenditen, ist Flossbach überzeugt.

Als Reaktion auf Mario Draghis Andeutungen in Sintra schnellte Ende Juni die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, des Gradmessers für Anleihen in Deutschland, aber auch in Europa, immerhin von 0,28 auf über 0,5 Prozent nach oben.

Für Bert Flossbach alles ein Sturm im Wasserglas. An schnell steigende Zinsen mag der Investor nicht glauben. Wenn EZB-Chef Draghi den Euro erhalten wolle, müsse er die Leitzinsen tief halten, - auch um die Konjunktur und Wettbewerbsfähigkeit einiger EU-Länder durch einen zu billigen Euro nicht zu gefährden, schreibt Flossbach in seinem Marktausblick.

Und auch die Fed agiere nicht im luftleeren Raum: Wenn die europäische und die japanische Notenbank weiterhin an Nullzinsen festhielten, sei auch die US-Notenbank gezwungen, die Zinsen auf niedrigem Niveau zu belassen – angekündigter Umschwung hin oder her.

So legt der FvS Multiple Opportunities an

Auch kleinere Veränderungen an den Renditen von Bundesanleihen könnten dem Aktienmarkt langfristig nichts anhaben, so Flossbach. Ob die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nun bei 0,5 Prozent oder bei einem Prozent stehe, spiele für langfristige Aktieninvestoren keine Rolle. Denn: Zinsniveaus von unterhalb zwei Prozent flössen im Allgemeinen nicht in die langfristigen Bewertungen am Aktienmarkt ein, versucht der Profi-Investor die Gemüter zu beruhigen.

Flossbach selbst setzt im Flaggschiff-Fonds des Hauses FvS Multiple Opportunities derzeit auf einen Mix aus 8 Prozent Anleihen, 11 Prozent Gold, 20 Prozent Cash und 60 Prozent Aktien.