Zinswende Umlaufende Winde voraus

Der Spreebogen in Berlin: Eine Zinswende ist zwar vorerst nicht zu erwarten. Eine klare Richtung ist an den Anleihemärkten aber auch nicht zu erkennen. Flexibilität ist darum das Gebot der Stunde.

Der Spreebogen in Berlin: Eine Zinswende ist zwar vorerst nicht zu erwarten. Eine klare Richtung ist an den Anleihemärkten aber auch nicht zu erkennen. Flexibilität ist darum das Gebot der Stunde.

Einstieg in den Ausstieg oder doch bloße „Verbalerotik“, wie Robert Halver es nennt? Der umtriebige Kapitalmarktexperte der Baader Bank ist überzeugt, dass auch die Ankündigungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Zinsen nach sechs erfolgten Anhebungen schrittweise weiter erhöhen zu wollen, keinesfalls mit einer echten Zinswende zu verwechseln seien.

Nun ist Halver bekannt für seine pointierten Aussagen. Derzeit allerdings ist er nicht allein mit seiner Analyse. Auch Bert Flossbach kommt zu einem ähnlichen Schluss: „Wir sollten uns darauf einstellen, dass es zumindest in der Eurozone keine Zinswende geben wird“, schreibt der unabhängige Vermögensverwalter in seinem aktuellen Kapitalmarktbericht – Titel: „Forever low“. Ein Anstieg der Renditen, der den Namen Zinswende verdiente, sei trotz aller Unkenrufe nicht zu erwarten: „Unseres Erachtens kann man von einer Zinswende sprechen, wenn der Zins wieder auf Niveaus zurückkehrt, die wir vor dem Ausbruch der Finanzkrise gesehen haben. Das würde aber einen Anstieg auf deutlich mehr als 4 Prozent für langlaufende Bundesanleihen bedeuten. 400 statt 30 Basispunkte“, so der Vermögensverwalter.

Das hätte entsprechende Folgen für Anleihen der Peripherie-Staaten wie beispielsweise Italien. Bei marktüblichen Renditeaufschlägen wären für Langläufer des Landes dann etwa 5 Prozent fällig. Flossbach sieht darin „ein Zinsniveau, das den Staatshaushalt sprengen würde“. Innerhalb der Währungsunion wären auch Spanien und Portugal von einem spürbar steigenden Zins überfordert. Damit spricht sehr viel dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Großen und Ganzen an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten und allenfalls das Anleihekaufprogramm maßvoll zurückfahren wird.

Die US-Notenbank Fed ist zwar sechs Schritte weiter als die EZB – mittlerweile liegt der Leitzins in den USA mit 1,75 Prozent wieder deutlich über der Nulllinie, und der Bilanzabbau ist längst in Gang, doch die Realverzinsung dümpelt auch in den Vereinigten Staaten weiterhin auf der Nulllinie. Ende April erfolgte jedoch ein Paukenschlag, den viele Investoren fürchteten: Erstmals seit Ende 2013 erreichte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen die magische Marke von 3,0 Prozent. Als Grund dafür gilt vor allem die Erwartung steigender Inflation. Ist der 30-jährige Bullenmarkt der Anleihen nun vorbei, wie es etwa Bond-König Jeffrey Gundlach, Chef von Double Line Capital, vorhersagt? Das hätte auch Auswirkungen auf die restlichen Rentenmärkte der Welt. Denn die 10-jährigen Treasuries gelten als Richtungsgeber für den insgesamt rund 108 Billionen Dollar schweren globalen Rentenmarkt.