Zocken, aber richtig: Checkliste zum Kauf von Hebelprodukten

Quelle: Fotolia

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1. Wie errechnet sich der Wert eines Optionsscheins? „Die beiden Komponenten innerer Wert und Zeitwert ergeben den handelbaren Optionsscheinpreis“, erklärt Heiko Weyand, Abteilungsdirketor, Zertfikate-Marketing, HSBC Trinkaus. Beide Komponenten werden vom Markt laufend neu bewertet. Der innere Wert ist der Betrag, den der Anleger bei sofortiger Ausübung des Optionsscheins erhalten würde. Weyand weiter: „Ein Optionsschein besitzt dabei umso kleinere Hebel, je größer der Innere Wert ist.“ Der Zeitwert ist der Anteil des Optionsscheinpreises, der nicht durch den Inneren Wert abgedeckt wird. Dabei gilt folgende Formel: Zeitwert = Optionsscheinpreis – Innerer Wert. Der Zeitwert unterliegt einem zunehmenden Wertverfall. Er sinkt mit abnehmender Restlaufzeit und beträgt am Ende der Laufzeit Null. 2. Welchen Einfluss hat die erwartete Volatilität auf den Wert des Optionsscheins? „Nimmt die Volatilität zu, profitieren Optionsscheine. Das gilt sowohl für Calls als auch für Puts“, so Weyand. Der Grund: Steigt die erwartete Volatilität, steigt für den Anleger auch die Chance, dass sich der Basiswert in die gewünschte Kursrichtung bewegt. Damit führen steigende erwartete Volatilitäten zu einem steigenden Optionsscheinpreis. Sinkende erwartete Volatilitäten wirken genau entgegengesetzt. Sie haben einen sinkenden Optionsscheinpreis zur Folge. Weyand: „Aktuell – auf einem relativ hohen Niveau an erwarteten Schwankungsbreiten – kann eine rückläufige implizite Volatilität eventuelle Gewinne aus der richtigen Kursantizipation des Basiswertes wieder kompensieren.“ 3. Inwiefern hat die Laufzeit eines Optionsscheins Einfluss auf dessen Preisentwicklung? Der Zeitwert eines Optionsscheines baut sich während der Laufzeit ab und erreicht bei Fälligkeit des Optionsscheines den Wert Null. Damit verliert der Optionsschein bis zum Ausübungstag jeden Tag ein wenig an Wert. 4. Was passiert, wenn während der Laufzeit eines Optionsscheins Dividenden ausgeschüttet werden? Grundsätzlich wird der Preis von Optionsscheinen auch durch die gezahlten Dividenden beeinflusst – sofern während der Laufzeit Dividenden auf den Basiswert gezahlt werden. „Es findet keine Anpassung der Ausstattungsmerkmale statt, denn die erwartete Dividendenzahlung wird bereits bei Emission im Preis eines Optionsscheins berücksichtigt“, so Weyand. „Insofern haben Dividendenausschüttungen, die bei Ankündigung im Rahmen der Erwartungen lagen, keine Auswirkungen auf den Optionsscheinpreis.“ Fällt die Dividende am Tag der Bekanntgabe allerdings höher oder niedriger aus als erwartet, wird die Aktie zum Zeitpunkt der Ausschüttung um den Betrag an Wert verlieren beziehungsweise gewinnen, der nicht einkalkuliert wurde. Entsprechend würden Calls am Tag der Bekanntgabe einer Dividendenerhöhung an Wert verlieren, vorausgesetzt alle weiteren Einflussparameter bleiben konstant. Puts hingegen würden in diesem Szenario grundsätzlich an Wert gewinnen. Entsprechend umgekehrt verhalten sich Optionsscheine bei einer Dividendenreduzierung. Für Anleger wichtig: Dieser Effekt wird sich umso stärker auswirken, je weiter der Kurs des Basiswerts von der Knock-out-Schwelle entfernt notiert. 5. Kann es bei Optionsscheinen zu einem Totalverlust kommen? Ja. Es gibt Situationen, in denen ein vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals eintreten kann. Weyand: „Ein Totalverlust kommt immer dann zustande, wenn der Kurs des Basiswertes zum Ausübungszeitpunkt unterhalb (Call) oder oberhalb (Put) des Basiskurses notiert. Zu diesem Zeitpunkt besitzt der entsprechende Optionsschein weder einen inneren Wert noch einen Zeitwert.“ Der Optionsschein besitzt einen inneren Wert von Null, wenn der Optionsschein aus dem Geld notiert. Aus dem Geld sind Optionsscheine, wenn der Kurs des Basiswerts unterhalb des Basiskurses notiert (Call) beziehungsweise umgekehrt (Put). Da am Laufzeitende der Zeitwert aufgebraucht ist, errechnet sich der Wert eines Optionsscheins dann nur noch durch den inneren Wert. Beträgt dieser jedoch auch Null, kommt es zu einem Totalverlust.