Zurück in Brasilien Sollte man nun wieder in den führenden Markt Lateinamerikas investieren?

Die Zeichen auf dem brasilianischen Markt stehen auf positiv, sagt Portfolioberater Ian Simmons. Foto: Getty Images

Die Zeichen auf dem brasilianischen Markt stehen auf positiv, sagt Portfolioberater Ian Simmons. Foto: Getty Images

// //

Nach einer Rally von 25 Prozent seit den Tiefständen im März fragen sich die Anleger in Brasilien, ob das Land letztendlich die Trendwende geschafft hat. Das Land ist der einzige bedeutende Schwellenmarkt, der die Tiefs des Jahres 2008 erneut getestet hat und bleibt nach vier Jahren frustrierenden Wachstums und politischem Missmanagement allgemein untergewichtet.

Allerdings lösten sich einige der gewichtigeren Probleme in den letzten Wochen und der Markt begann seinen Aufschwung früher als erwartet. Zu diesen Problemen gehörten:

Der sogenannte „Autowäsche-Skandal“ bei Petrobras
Petrobras hat seine Ergebnisse für das Gesamtjahr mit Verzögerung veröffentlicht und dadurch einen teuren technischen Ausfall seiner Kredite vermieden. Abschreibungen von insgesamt 51 Milliarden brasilianischen Real aufgrund von Korruptionsvorwürfen und Wertminderungen bei Investitionsprojekten sind zumindest in ausreichender Höhe und dürften weitere große unerwartete Verluste ausschließen. Der Korruptionsskandal ist natürlich eine Schande auf die Corporate Governance in Brasilien (auch aus diesem Grund sind wir in Bezug auf Unternehmen in Staatsbesitz skeptisch). Es folgten massive Straßenproteste und der Druck auf Präsidentin Rousseff in ihrer Regierung aufzuräumen und das Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln stieg. Das kann sich langfristig nur positiv auswirken.

Die drohende Rationierung von Wasser und Strom
Die Stromversorgung Brasiliens hängt zu 75 Prozent von der Wasserkraft ab. Nach einer besorgniserregenden Phase relativer Trockenheit haben die jüngsten Regenfälle die Reservoire vor der jährlichen Trockenzeit wieder aufgefüllt.

Schlechte Wirtschaftspolitik

Am wichtigsten sind die Ernennung des marktfreundlichen Joaquin Levy zum Finanzminister und die Rückendeckung durch Rousseff für ihn. Er engagiert sich stark dafür, dass Brasilien sein Investment Grade behält. Er setzte viele der Veränderungen die Anleger erhofft hatten um, um den für 2015 angestrebten Primärüberschuss von 1,2 Prozent zu erreichen. So ist es nun weniger wahrscheinlich, dass Präsidentin Rousseff ihre nicht gegenfinanzierbaren populistischen Bestrebungen wie Benzin-Subventionen und günstige Finanzierungen für bestimmte Branchen fortsetzen kann. Jedes Mal, wenn er Ausgaben oder Subventionen kürzen konnte, gewann der Markt an Zuversicht, dass er die Finanzen sanieren kann. Dies zeigt sich in den Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen - sie sanken in den letzten Wochen von 13,5 Prozent auf 12,5 Prozent. Dieser Trend könnte sich fortsetzen (die Renditen waren noch vor der Wahl im letzten Jahr bei 11 Prozent) und würde die Entwicklung am Aktienmarkt begünstigen.

Makroökonomischer Hintergrund
Während die bisher genannten Risiken zurückgegangensind, verzeichnete die Währung eine signifikante Anpassung. Zum Tiefstpunkt hatte den brasilianischen Real seit der Wahl (Oktober 2014) ein Drittel seines Wertes gegenüber dem USD verloren. Dies veranlasste ausländische Anleger dazu, sich doch nochmal umzusehen. Wir haben eine Reihe von versuchten Delistings erlebt, weil internationale Muttergesellschaften wie zum Beispiel British American Tobacco „Value“ in ihren lokalen Tochtergesellschaften erkennen. Eine schwächere Währung gilt zudem als Konjunkturprogramm für Brasilien, da sie dazu beiträgt, die Handelsbedingungen neu zu gewichten, das Leistungsbilanzdefizit zu senken und die Importe (und damit die ausländischen Konkurrenzprodukte) zu verteuern.

Die von Minister Levy eingesetzten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen sind eine schmerzvolle Notwendigkeit in einem Land, in dem das Wachstum bereits auf unzureichende Niveaus gesunken ist. Tatsächlich soll das BIP 2015 um 1 Prozent sinken. Wir erwarten einen abschließenden Rückgang der geschätzten Unternehmensgewinne, da der fiskalische Anpassungsprozess auf das Konsum- und Wirtschaftswachstum durchschlägt. Dies geschieht, während wir diesen Bericht erstellen. Sollte sich der Markt analog zu den Gewinnen abschwächen, wäre dies für uns ein klares Signal, das Land erheblich positiver zu bewerten. Kurzfristig steigen Arbeitslosigkeit, Zinsen und Inflation. Dagegen verharren das Vertrauen und die Investitionen auf vieljährigen Tiefs, während die Untersuchungen der Korruption im Bausektor andauern. Sollte Rousseff jedoch Levy gestatten, diesen Weg weiter zu gehen, werden sich die Anleger wohl im 4. Quartal oder Anfang 2016 auf Zinssenkungen und eine positive BIP-Entwicklung freuen. Wir können dann allmählich das schwierige erste Halbjahr 2015 hinter uns lassen.