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Wassereffizienz in der Industrie als ESG-Faktor

1 Liter Bier – sechzigmal so viel Wasserverbrauch

Cédric Lecamp, Pictet AM

Langsam aber sicher wird der Welt klar, dass sie die Umwelt für künftige Generationen schützen muss. Die Senkung der Kohlenstoffemissionen ist ein Schritt in die richtige Richtung – und hierfür werden Unternehmen zunehmend zur Verantwortung gezogen, sei es durch Regulierungsbehörden, Verbraucher oder Aktionäre. Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem wir etwas unternehmen müssen: Die Wassereffizienz ist ein weiteres entscheidendes Thema im Kampf für Nachhaltigkeit.

Grafik 1: Wasser wird knapp
Globale erneuerbare Süßwasserressourcen pro Kopf (Kubikmeter)

Quelle: Our World In Data, Weltbank

Die Messung und der Vergleich der Wassernutzung in den verschiedenen Branchen hat oberste Priorität. Ein Ausgangspunkt ist das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen. Das legt Schwellenwerte für die neun schädlichsten Umweltphänomene fest, die unseren Planeten gefährden, von Klimawandel und Süßwasserverbrauch bis hin zu Verlust der Biodiversität und Landnutzung. 

Dem Modell zufolge, das vom Stockholm Resilience Center entwickelt wurde, können wir nachhaltig bis zu 4.000 Milliarden Kubikmeter Süßwasser pro Jahr verbrauchen – das entspricht laut Schätzungen im Großen und Ganzen der aktuellen Nutzung. Bis 2030 soll aber der globale Wasserbedarf auf 6.900 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Das übersteigt bei Weitem das zugängliche und gesicherte Angebot, kalkuliert 2030 Water Resources Group, eine Public-Private-Partnership, zu der Konzerne und die Weltbank gehören.

Rund ein Fünftel des Wasserverbrauchs geht auf die Industrie zurück, das heißt, Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen, die Nutzung und Aufbereitung dieser wertvollen Ressource zu überdenken. Damit die Welt die nachhaltigen Grenzen nicht überschreitet, dürfen die Unternehmen Studien zufolge nicht mehr als 52.915 Kubikmeter Wasser pro erwirtschaftetem Umsatz von 1 Million US-Dollar verbrauchen.

Unternehmen, die ihren Verbrauch auf diese Weise beschränken, werden mit Kosteneinsparungen und einer geringeren Anfälligkeit für Wasserschocks belohnt. Außerdem dürften sie in der Gunst der zunehmend umweltbewussten Verbraucher und Regulierungsbehörden steigen.

Gerechter Vergleich

Beim Engagement zur Reduzierung des Wasserverbrauchs spielen Investoren eine entscheidende Rolle: Zum einen geben sie Unternehmen einen Impuls, in Wassereffizienz zu investieren, zum anderen suchen sie sich gezielt Unternehmen aus, die in dieser Hinsicht besonders innovativ und fortschrittlich sind.

Ceres, eine Forschungsgruppe und Interessenvertretung für Nachhaltigkeitsthemen, hat ein Toolkit entwickelt, um Investoren zu helfen, Wasserrisiken zu verstehen und in den Prozess der Portfolioallokation einzubeziehen. Dabei sind die verschiedenen Branchen entsprechend ihrer Anfälligkeit gegenüber wasserbezogenen Bedrohungen gekennzeichnet. Die in Boston ansässige Gruppe empfiehlt auch, dass Investoren durch Ausübung ihrer Rechte als Anleger gezielt Einfluss auf das Wasserrisiko der Unternehmen nehmen.

Die Vereinten Nationen haben die Initiative „CEO Water Mandate“ ins Leben gerufen und fördern über ihre Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) den universellen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen. Große Unternehmen wie Coca-Cola, Nestlé, Unilever und Siemens beteiligen sich an diesen Initiativen. Investoren haben es in der Hand, die Unternehmen, in die sie investieren, dazu zu bewegen, diesem Beispiel zu folgen. 

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