Seit Jahresanfang dürfen Arbeitnehmer, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei dazuverdienen. Das scheint auch notwendig, denn das gesetzliche Rentensystem kann den Lebensstandard im Ruhestand immer weniger gut decken. Anders als sein Nachbarland schafft es Deutschland nicht unter die Top 10 der besten Rentensysteme weltweit. Dennoch sorgt nur eine Minderheit in Deutschland privat vor.

Die Deutsche Bank hat in Kooperation mit der DWS nun einen „Altersvorsorge-Report 2025“ veröffentlicht. Hier sind die zehn wichtigsten Erkenntnisse.

1. 80 Prozent der Befragten glauben nicht an die Grundsicherung

Ein Großteil der in Deutschland lebenden Menschen glaubt, dass das Rentensystem auf lange Sicht nicht mehr zuverlässig funktioniert und sich nur noch als Grundsicherung eignet (80 Prozent). Der Anteil der Bedenkenträger ist in den vergangenen sechs Jahren um 29 Prozentpunkte gestiegen. 83 Prozent der Befragten misstrauen laut Umfrage im Jahr 2025 dem Rentensystem. 2019 waren es nur 54 Prozent. Offen bleibt allerdings, ob die Befragten den Totalausfall der Rente befürchten oder ebenfalls ein Rentenniveau in Höhe der Grundabsicherung.

2. Weniger als die Hälfte lassen sich zur Altersvorsorge beraten

Obwohl sich 56 Prozent mehr Hilfe bei privater Altersvorsorge wünschen, haben sich 61 Prozent der Befragten noch nie hierzu beraten lassen. Anlässe, sich mit dem Aufstocken der gesetzlichen Rente zu beschäftigen, sind vor allem der Berufseintritt (30 Prozent), die erste Renteninformation (17 Prozent) oder die Geburt eines Kindes (7 Prozent). Jedes zweite Gespräch führt jedoch laut Umfrage zum Erfolg: 59 Prozent der Kunden würden nach der Beratung auch ein Vorsorgeprodukt abschließen.

3. Sicherheit als wichtigstes Anlagekriterium

Für 57 Prozent der Sparer ist Sicherheit das wichtigste Kriterium bei der Produktauswahl, während die Rendite für nur 26 Prozent entscheidend ist. Entsprechend dominieren konservative Anlagen wie die Lebensversicherungen (51 Prozent) und Riester-Verträge (34 Prozent). Obwohl 62 Prozent der Befragten bereit wären, für mehr Rendite auch mehr Risiko einzugehen, rangieren ETF-Sparpläne mit 27 Prozent noch hinter Riester-Verträgen. Lediglich bei Jüngeren zeichnet sich ein Trend zu Aktien und Fonds ab.

4. Jeder Dritte legt nichts für die Rente zurück

Jeder Dritte (31 Prozent) spart gar nicht für den Ruhestand. Weitere 23 Prozent legen monatlich maximal 50 Euro zurück. Das bedeutet: Praktisch die Hälfte der Bürger sorgt kaum oder gar nicht privat vor. 54 Prozent haben keine klare Vorstellung von ihrer späteren Rente. 

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5. Mehr als jeder Zweite ist für eine private Vorsorgepflicht

58 Prozent der Befragten befürworten grundsätzlich eine verpflichtende private Altersvorsorge. Sie wollen der Furcht vor Altersarmut entgegenwirken. Nur ein Drittel der Befragten fühlt sich finanziell so gut abgesichert, dass sie den Lebensstandard im Alter halten können. 54 Prozent der Befragten sagen: „Das Thema Altersvorsorge macht mir Angst.“ 

6. Hilfe existiert, wird aber kaum genutzt  

Die digitale Rentenübersicht der Deutschen Rentenversicherung listet alle Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge auf. Nur 37 Prozent der Befragten kennen dieses Angebot. Lediglich 13 Prozent nutzen es. 

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7. Neue Ideen wie die Frühstart-Rente kommen gut an

60 Prozent der Befragten begrüßen die geplante Frühstart-Rente. 10 Euro pro Monat gehen als Altersvorsorge an den Nachwuchs im Alter von 6 bis 18 Jahren. 84 Prozent der Familien mit einem Kind sind bereit, privat zuzuzahlen. Bei zwei Kindern sind es sogar 89 Prozent. 

8. Ruf nach mehr Generationengerechtigkeit

Mehr Fairness zwischen den Generationen wünschen sich 74 Prozent der Befragten. Rund ein Drittel bejaht eine Mindestrente (35 Prozent) oder das Einbeziehen von Selbstständigen und Beamten in die gesetzliche Rente (32 Prozent). 78 Prozent lehnen dagegen ein höheres Renteneintrittsalter von 70 Jahren ab. Die von der Bundesregierung geplanten Aktivrente wird von Experten auch kritisch gesehen.

9. Frauen im Nachteil

Weil Frauen öfter in Teilzeit arbeiten oder für die Familie beruflich pausieren, erhalten sie im Schnitt deutlich geringere Renten als Männer. In absoluten Zahlen bekommen Frauen im Schnitt 1.394 Euro. Die Rente von Männern beträgt dagegen durchschnittlich rund 1.809 Euro. Diese Zahlen teilte die Deutsche Rentenversicherung Ende des Jahres 2023 mit. 

Diese Lücke setzt sich bei der privaten Vorsorge fort: 23 Prozent der Frauen sorgen laut der Umfrage gar nicht privat vor. Beim anderen Geschlecht sind es nur 19 Prozent. Zudem wählen sie eher konservative Anlageprodukte. Nur 19 Prozent der Frauen nutzen ETFs, während es bei den Männern 35 Prozent sind. Frauen legen in der Kapitalanlage unter Umständen einen anderen Schwerpunkt als Männer.

10. Im Landesvergleich sind Rheinland-Pfälzer am optimistischsten

Im Bundesländervergleich blicken die Menschen in Rheinland-Pfalz am zuversichtlichsten in ihre finanzielle Zukunft im Alter (38 Prozent). Am skeptischsten sind die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg (jeweils 24 Prozent). Generell zeigen sich die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern pessimistischer als im Westen. 

Über die Umfrage

Im Auftrag der Deutschen Bank und der DWS hat das Meinungsforschungsinstitut Civey vom 25. August bis 5. September insgesamt 3.200 Bürger im Alter von 18 bis 65 Jahren online befragt. Um eine repräsentative Abbildung der Bevölkerung zu gewährleisten, wurden die Ergebnisse nach soziodemografischen Merkmalen gewichtet. Durch jeweils 200 Interviews in jedem Bundesland sind auch regionale Vergleiche möglich.