10 Jahre Lehman-Pleite Nach der Finanzkrise ist vor der Finanzkrise

Marc Friedrich (li.) und Matthias Weik. Die Finanzvermittler und Bestsellerautoren haben  | © Christian Stehle, Asperg

Marc Friedrich (li.) und Matthias Weik. Die Finanzvermittler und Bestsellerautoren haben Foto: Christian Stehle, Asperg

Vor zehn Jahren erschütterte die Lehman-Krise die Grundfeste unseres Finanzsystems und läutete offiziell die Finanzkrise ein. Ihre massiven Auswirkungen sind bis heute zu sehen und zu spüren. Seitdem wurde – entgegen den Behauptungen seitens Politik und Notenbanken – die Krise jedoch nicht gelöst, sondern mit fragwürdigen Mitteln in die Zukunft verschoben. Auch liegt das Schlimmste nicht hinter uns und die Erholung ist auch nicht geschafft. Obendrein wurden die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft nicht hinter Schloss und Riegel gebracht, nein, man hat es geschafft, dass der dumme Bürger auch noch für „die Krise“ bezahlt.

Hier tickt eine Zeitbombe

Laut den Zahlen, die die Bundesregierung kürzlich erstmals herausgegeben hat, wird die Finanzkrise die Steuerzahler in Deutschland wohl mehr als 68 Milliarden Euro kosten. Hier sind die potenziellen Risiken der tickenden Zeitbombe Hypo Real Estate und der Kursverlust der staatlichen Commerzbank-Anteile noch nicht einmal berücksichtigt. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die nächste Krise wieder ausbricht. Und diese wird wesentlich heftiger als 2008!

Wir erinnern uns sicherlich alle an den 5. Oktober 2008, es war ein Sonntag, als unvermittelt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück live vor die Kamera traten, um uns unsere Einlagen und unser Erspartes zu versichern. Jedem mündigen Bürger war in diesem Moment klar: Es brennt gewaltig! Die Absicherung der Ersparnisse durch die Bundesregierung war eine Beruhigungspille für die Bürger, um einen Banken-Run zu verhindern, der nämlich schon im Gange war. Zu groß waren die Verwerfungen und dadurch entstehenden Unsicherheiten seit September - Lehman Brothers, AIG, Hypo Real Estate, Merrill Lynch, Barclays et cetera.

Weltweit wankte der Finanzsektor bedrohlich, und die Notenbanken sahen sich gezwungen neues Terrain zu betreten. In einer historisch einmaligen, koordinierten Aktion der Notenbanken wurde über Nacht massiv interveniert und Gesetze ad acta gelegt, um das Finanzsystem zu reanimieren. Das Versprechen, dass unser Geld von der Regierung gesichert sei, ist weder in ein Gesetz gegossen noch finanziell stemmbar.

Die Finanzkrise war kein Unglück!

Die Finanzwirtschaft und Politik haben es tatsächlich geschafft, uns die Finanzkrise als ein Unglück zu verkaufen. Doch das ist vollkommener Unsinn! Ein Hauptirrtum ist, zu meinen, Geld an sich wäre ein Wert. Aber Geld hat überhaupt keinen Wert. Wert haben nur Güter und Dienstleistungen. Da wir ständig aufs Geld starren, schieben wir einen Geldstau, einen virtuellen Liquiditäts-See, vor uns her, bei dem wir so tun, als ob er real wäre. Das offenbart jede Finanzblase, bei der mit betrügerischen Manipulationen Illusionswerte generiert werden, die die Menschen dann als reale Werte betrachten. Und was passiert, wenn alle Menschen gleichzeitig an ihr Geld heranwollen? Das System bricht zusammen.

Mehr noch: Die Finanzkrise selbst war eine einzige Illusion. In Wirklichkeit handelte es sich schlicht um Kreditbetrug! Man lieh Menschen Geld für Ramsch-Immobilien, die sie sich nicht leisten konnten. Diese faulen Kredite wurden – zusammen mit ein paar werthaltigen – sodann in faule Papiere für reiche Anleger und dumme Bankmanager umgetütet. Als sie geplatzt waren, machte man aus einem Kreditbetrug eine „Finanzkrise“– und flugs wurden aus Tätern Opfer. Jeder Metzger, der 800 Gramm frisches mit 200 Gramm vergammeltem Hackfleisch mischen würde, käme geradewegs ins Gefängnis. Wenn das aber mit Geld, mit „verbrieften“ Papieren, bewerkstelligt wird, dann wird das zur Krise erklärt – und der Staat darf einspringen, um angeblich „systemrelevante“ Banken vor dem Bankrott zu retten.

Die Musik spielt wieder

Noch immer ist die Rede von vermeintlich systemrelevanten Banken. Wir sagen: dass ist Unsinn. Banken sind nicht systemrelevant, sie sind das System! Dank des billigen Geldes boomen die Aktien- und Immobilienmärkte. Abermals haben sich gigantische Blasen gebildet, die noch weiter aufgepumpt werden.

Was wurde im Zuge der Finanzkrise vonseiten der Politik nicht alles versprochen: eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, Banken zu zerschlagen, so dass kein Institut mehr die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds bringen kann. Im erneuten Rausch wurde alles vergessen oder verdrängt, denn die Musik spielt wieder und es muss getanzt werden. Zwar wurden die Bankerboni in Europa, jedoch nicht in den USA, begrenzt. Banken müssen heute eine höhere, aber immer noch zu niedrige Eigenkapitalquote vorweisen. Dennoch ist die Macht der Puppenspieler aus der Finanzbranche ungebrochen. Heute sind manche Institute in den USA sogar noch größer und mächtiger als 2008 und eine Pleite der Deutschen Bank könnte problemlos dafür sorgen, dass bei uns die Lichter ausgehen.