11,54 Euro je Aktie

Europas Konzerne planen 2014 so viel Dividenden wie nie

Wenn sie die Wahl haben zwischen der Ausschüttung von Dividenden an Investoren oder Investments in das eigene Geschäft, entscheiden sich viele europäische Finanzchefs für das erstere.

Unternehmen im Stoxx Europe 600 Index werden in diesem Jahr wohl 11,54 Euro je Aktie an Dividenden ausschütten - das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2002, belegen Analysen von Bloomberg News.

Gleichzeitig dürfte der Cashflow des operativen Geschäfts mit 37,45 Euro je Aktie so hoch ausfallen wie seit 2011 schon nicht mehr. Die Aktienkurse in der Region haben sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), versprach, alles Notwendige zum Schutz des Euro tun zu wollen.

Die europäischen Unternehmen haben ihre Barreserven laut Bloomberg-Daten auf 2 Billionen Euro ausgeweitet - der höchste Wert seit mindestens 2003.

Zwar bewegt sich Europa seit dem vergangenen Jahr aus der schlimmen Rezession heraus. Doch Unternehmenschefs sind mit Blick auf die Erholung der Eurozone weiter skeptisch und wollen die Auswirkungen der Geldpolitik abwarten. Das erklärte Stewart Richardson, Investmentchef bei RMG Wealth Management, im Interview mit Bloomberg News.

“Geld ist vorhanden. Aber Unternehmen wollen nicht in große, kapitalintensive Programme investieren”, sagte Richardson. “Sie sind sich nicht sicher, von wo das Wachstum herkommen wird. Und es gibt einen großen Fokus beim Unternehmensmanagement darauf, die Bilanzen und Kurse zu festigen.”

Mit seiner Einschätzung ist er nicht allein. Kollegin und Investmentmanagerin Veronika Pechlaner von Ashburton ist der Meinung, dass es wohl noch länger dauern könnte, bis die Kapitalausgaben sich wieder einpendeln: “Wir könnten potenziell eine Beschleunigung bei den Kapitalausgaben in etwa zwei Jahren sehen, noch aber nicht. Es gibt noch immer einen starken Fokus darauf, die Dividenden zu erhöhen.”

Von Bloomberg News befragte Analysten erwarten, dass die Wirtschaft der Eurozone 2014 um 1,1 Prozent wachsen wird. Es wäre das erste Jahres-Plus seit 2011.

Offiziellen Statistiken der Europäischen Union zufolge konnte die Eurozone im zweiten Quartal vergangenen Jahres die bislang längste Rezession seit Start der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 hinter sich lassen.

Ein Anstieg bei Fusionen und Übernahmen könnte derweil ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Unternehmen in der Region davon entfernen werden, Barreserven für Aktienrückkäufe und Dividenden zu nutzen - und stattdessen anfangen, ihr Geschäft wachsen lassen. Das erklärte Aktien-Manager Herbert Perus von Raiffeisen Capital Management in Wien.

“Die meisten Firmen sitzen auf riesigen Geldbergen”, sagte er. “Wir versuchen, den Fokus von Dividenden-zahlenden Unternehmen auf M&A-Unternehmen zu verschieben. Wir würden uns darüber freuen, wenn sich Unternehmen dazu entschließen, mehr ins Geschäft zu investieren.” M&A ist eine englischsprachige Abkürzung für “Fusionen und Übernahmen”.

Die seit Jahresbeginn in Westeuropa verkündeten Fusionen und Übernahmen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 71 Prozent auf 234,4 Milliarden Dollar gestiegen. Das zeigen Daten, die Bloomberg News zusammengetragen hat.

Lafarge und Holcim hatten erst in dieser Woche verkündet, dass sie zusammengehen wollen. Bei der Fusion dürfte der weltgrößte Zementkonzern entstehen. Zudem erklärte sich die französische Vivendi bereit, die Telekommunikationstochter SFR an Altice zu veräußern.

“Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem davon ausgegangen wird, dass sich Europas Konjunktur verbessert”, sagte Andrew Parry von Hermes Sourcecap. “Investoren wollen, dass die Unternehmen ihre Barmittel einsetzen, um mit dem eigenen Geschäft zu expandieren oder Übernahmen anzugehen. Das Auszahlen von Dividenden ist eine defensive Strategie.”

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