Das Analysehaus Ascore hat den aktuellen Jahrgang des Unternehmens-Scorings in der Lebensversicherung veröffentlicht. Von insgesamt 59 bewerteten Anbietern erhalten zwölf die höchste Bewertung. Im Vorjahr waren es zehn aus 62 Gesellschaften.

So funktioniert die Scoring-Bewertung

Die Verteilung der Punkte erfolgt dabei wie bisher nach dem „relativen Scoring-Verfahren“. Dafür werden laut Ascore die Benchmarks der einzelnen Kennzahlen wie jedes Jahr an die Marktentwicklung angepasst und diese in einen Vergleich zum Markt gesetzt und bewertet, wobei eine positive Wertung mit einem halben oder ganzen Punkt erfolgt. Die letztlich erreichte Gesamtpunktzahl wird dann auf sechs Wertungsklassen umgelegt und in Ascore-Kompassen ausgegeben. Auf eine direkte Gewichtung der einzelnen Kriterien verzichten die Analysten. Mehr zur Methodik gibt es hier.

Die Bewertung umfasst 16 Bilanz- und Solvabilitäts-Kennzahlen aus den Bereichen „Erfahrung“, „Sicherheit“, „Erfolg“ und „Bestand“. Zusätzlich fließen 24 nicht-bewertungsrelevante Kennzahlen sowie sechs ergänzende Info-Kennzahlen in die Analyse ein. Um Schwankungen auszugleichen, werden hierbei die meisten Kennzahlen über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahre gemittelt. 

Änderungen im aktuellen Ratingjahrgang

Im Ratingjahrgang 2023 wurde das Ratingverfahren in Bezug auf die bewerteten Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahr einigen Anpassungen unterzogen. Gegenüber dem Scoring vom Vorjahr wurden neben der Aktualisierung der Benchmarks, Änderungen am Bewertungsraster vorgenommen. So wurde die Kennzahl „Überschuss-Quote nach MindZV“ (aus dem Segment „Erfolg“), die seit dem Ratingjahrgang 2019 „außer Konkurrenz“ mitgeliefert wird, nun bei der Bewertung berücksichtigt. Die Kennzahl „Sicherungsbedarfsquote“ wurde aufgrund gestiegener Zinsen bei der Bewertung im aktuellen Jahrgang nicht mehr berücksichtigt.

 

Trotz des starken Rückgangs einzelner Kennzahlen wie zum Beispiel der Bewertungsreserve-Quote, der Nettoverzinsung sowie insgesamt eines deutlich niedrigeren Neugeschäfts hat sich die durchschnittliche Bewertung der Lebensversicherer in dem aktuellen Jahrgang im Vergleich zum Vorjahr verbessert, so Ascore.

Trotz positiver Zinsentwicklung bleibt Zurückhaltung im Neugeschäft

„Einige Versicherer hatten schon für das Jahr 2023 ihre laufende Überschussbeteiligung erhöht. Nutzen die Gesellschaften das frei werdende Kapital aus dem Abbau der Zinszusatzreserve, um die Verluste aus Realisierungen der stillen Lasten bilanziell auszugleichen, so erhöht sich künftig durch Neu- und Wiederanlagen die Ertragskraft ihrer Kapitalanlagen, wovon wiederum die Versicherten profitieren werden. Bei den Neugeschäftszahlen erwarten wir im Geschäftsjahr 2023 aufgrund andauernder Inflation jedoch keine Verbesserung.“ sagt Maryna Bibik, Teamleiterin Unternehmensanalyse bei Ascore.

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Fünf neue Gesellschaften in Top-Gruppe

Folgende zwölf Unternehmen erreichen die Höchstbenotung von sechs Kompassen: Allianz, Baloise, Continentale, die Bayerische, Ergo, Europa, Hannoversche, LV 1871, LVM, Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig, Universa und Volkswohl Bund. Dabei zählen fünf Unternehmen zu den Aufsteigern. Nicht mehr zu den Anbietern mit der Bestnote gehören Alte Leipziger, Condor und Württembergische. 22 weiter Unternehmern erhalten fünf Kompasse. Mit der Credit Life wird lediglich ein Unternehmen nur „ausreichend“ benotet. Eine schlechtere Bewertung gibt es nicht. Die Gesamtübersicht ist hier einzusehen.

Quelle: Ascore

Fragwürdiges Benotungssystem

Anzumerken ist, dass die Skalierung sehr anbieterfreundlich gestaltet ist. Selbst drei Kompasse und damit nur die viertbeste von sechs Noten bedeuten noch ein „Gut“ im Scoring. Für Vermittler und Kunden dürfte diese Vorgehensweise schwer nachzuvollziehen sein. Bei der Vielzahl von vermeintlich „herausragenden“ und „ausgezeichneten“ Tarifen, gehören „sehr gute“ und „gute“ Produkte, zumindest bei Ascore, somit schon zu den vergleichsweise schwächeren im Markt. Dies ist erfahrungsgemäß den eigenen Vermarktungsabsichten der Untersucher geschuldet. Von Ascore ausgezeichnete Versicherer können kostenpflichtige Siegel zu Marketing- und Vertriebszwecken erwerben.