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15 Jahre Riester-Vorsorge Riester-Rente: „Scheitern sieht anders aus“

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Die Allianz zählt aktuell pro Werktag 150 neue Riester-Kunden – darunter viele junge Kunden. Das Durchschnittsalter bei den Neuabschlüssen liegt bei 33 Jahren, heißt es vom Versicherer. Und der Versicherer die Bayerische hat zusammen mit Joachim Haid, seines Zeichens Riester-Experte und Geschäftsführer des Software-Unternehmens Softfin, sogar die Initiative „Pro Riester“ gegründet. Ziel der Initiative ist es, mit typischen Fehlinformationen über das Produkt aufzuräumen. „Die Riester-Rente als gescheitert zu bezeichnen ist absurd“, sagt Bayerische-Vorstand Martin Gräfer. Mit derzeit 16,5 Millionen Riester-Verträgen sei nach aktuellen Branchenzahlen fast die Hälfte der Förderfähigen erreicht. „Das ist in der relativ kurzen Zeit des Bestehens der Riester-Rente eine hohe und erfolgreiche Durchdringung – wohlgemerkt auf freiwilliger Basis der Bürger“, so Gräfer.

Garantie muss lockerer werden

Gleichwohl geht es der Initiative auch darum, die eiterentwicklung des Produkts voranzutreiben. Gräfer: „Ein ganz wichtiger Punkt ist die Herabsetzung oder Individualisierung der Bruttobeitragsgarantie.“ Ohne eine Anpassung des Gesetzgebers könnte es sonst nämlich bald nicht mehr möglich sein, bei kürzeren Laufzeiten überhaupt noch eine Riester-Vorsorge anzubieten. Der Grund: Wegen der niedrigen Zinsen reicht die Zeit dann schlicht nicht aus, um die Garantie ausreichend aufzubauen.

„Eine Möglichkeit, die Riester-Rente noch attraktiver zu gestalten, wäre es, die Riester-Förderung an die gestiegenen Einkommen und den höheren Vorsorgebedarf anzupassen“, schlägt WWK-Mann Ansgar Eckert als weitere Stellschraube zur Verbesserung vor. Christoph Schmallenbach, Vorstandsvorsitzender der Aachen-Münchener, hält es außerdem für sinnvoll, den Kreis der Förderfähigen zu erweitern. „So sind Selbstständige von der Riester-Rente derzeit ausgenommen“, sagt er. „Warum Bäcker, Frisöre oder Handwerker nicht auch in den Genuss einer staatlich geförderten Riester-Rente kommen, erschließt sich nicht zwingend.“

Bei der Ergo schlägt man vor, mit Blick auf Geringverdiener die Anrechenbarkeit auf eine staatliche Grundsicherung abzuschaffen. „Das ist in der Altersvorsorge eine Motivationshürde für Menschen mit niedrigem Einkommen“, heißt es aus Düsseldorf.

„Babylonische Verwirrung“ statt Transparenz

Diese Idee wabert bereits in den Köpfen der Politiker herum. Geplant ist hier ein Freibetrag von 200 Euro. Sowieso ist das Thema Rente und Altersvorsorge – inklusive Diskussion über die Riester-Rente – im Wahljahr zum Wahlkampfthema herangewachsen. Eine gute Entwicklung? „Wir sehen das eher kritisch“, sagt Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands des Axa-Konzerns und zuständig für das Ressort Vorsorge. „Die Zukunft unserer Rente ist extrem wichtig. Die in eine fundierte Diskussion einzubeziehenden Aspekte sind komplex. In Wahlkämpfen geht es hingegen in der Regel um das Runterbrechen auf einige griffige, auch populistisch aufbereitete Punkte“, sagt er. Das berge die Gefahr, dem Thema nicht wirklich gerecht zu werden.

Ein Beispiel dafür ist der Vorstoß der Politik, die Riester-Rente über Produktinformationsblätter (PIB) für Kunden auf das Wesentliche herunterzubrechen und die Vergleichbarkeit unter den Kategorien zu erhöhen. Schaffen sie das? Nein, meint Riester-Experte Joachim Haid: „Die neuen PIB schaffen keine zusätzliche Transparenz, sondern eher eine babylonische Verwirrung.“ Während Angebote von Versicherern nämlich bei der Effektivkostenquote die biometrischen Kosten der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos bereits in der Ansparphase enthalten, fehlen sie bei Riester-Sparplänen. Haid: „Grund dafür ist, dass diese erst beim Übertritt in die Rentenphase entstehen. Die Berücksichtigung dieses Aspekts wurde bei den Vorgaben der PIB schlicht vergessen.“ Die Folge: Riester-Sparpläne weisen nun fälschlicherweise eine deutlich niedrigere Effektivkostenquote aus als Riester-Rentenversicherungen.

Infografik zur Riester-Vorsorge >>

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