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20 Jahre Gemeinschaftswährung „Der Euro wird zur Weichwährung“

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EZB-Politik ist die Lebensversicherung des Euro

Draghis Rettungsversprechen ist die Lebensversicherung für den Euro. Zumindest für eine Weile noch. Die Schulden steigen immer weiter, die öffentlichen und die privaten gleichermaßen. Ohne Niedrigzinsen wären sie dauerhaft kaum zu finanzieren.

Sparappelle verhallen ungehört

Dass irgendwann das große Sparen einsetzt, ist wohl kaum zu erwarten. Nehmen wir Frankreich als Beispiel. Dessen Verschuldung wächst rasant. Erstaunlich, dass die Franzosen bislang weitgehend verschont geblieben sind von der Kritik an den maroden Haushalten einzelner Eurostaaten. In den Fokus werden stattdessen stets die Griechen und Italiener gerückt, eine Zeitlang auch Iren und Portugiesen. Was glauben Sie, würde ein italienischer Regierungspolitiker, der über ein wenig ökonomischen Sachverstand verfügt, wohl sagen, wenn man ein Defizitverfahren gegen sein Land anstrengen würde? Er verwiese mit Recht auf die Franzosen und darauf, dass er es sich zweierlei Maß nicht bieten lassen würde. Anders ausgedrückt: Die Italiener brauchen kein Defizitverfahren zu fürchten. Denn wer wie Frankreich im Glashaus sitzt, wird auf andere nicht mit Steinen werfen.

Deutschland spart sich seine Zukunft kaputt

Sparen – das tun stattdessen nur die Deutschen. Und wir sind mächtig stolz darauf. Die „Schwarze Null“ tragen wir wie eine Monstranz vor uns her. Wie die Schulmeister inmitten von ungehörigen Pennälern. Dabei ist es völlig naiv zu glauben, dass unsere Haltung irgendwann mehrheitsfähig werden würde. Zu sparen ist sicherlich löblich, aber der Effekt verpufft, wenn alle anderen das Gegenteil tun. Am Ende wird es sogar zum Schaden sein – zum Schaden künftiger Generationen. Während die anderen in Infrastruktur, in Bildung investieren, spart sich Deutschland seine Zukunft kaputt.

Anleger sollten investieren wie gute Kaufleute

Dabei weiß jeder Unternehmer, dass er zunächst investieren muss, ehe er die Früchte in Form von Gewinnen ernten kann. Für den Staat ist die Investition von heute das Steuersubstrat von morgen. Die Schwarze Null darf deshalb niemals nur Selbstzweck sein. Unsere internationalen Partner schütteln schon lange die Köpfe ob der deutschen Obsession. Das gleiche gilt in diesem Zusammenhang für das Klagen der deutschen Sparer über die niedrigen Zinsen. Andernorts würde man ihnen sagen: „Freut euch doch! Nur vier von zehn haben bei euch eine eigene Immobilie – jetzt ist die Gelegenheit. Raus aus dem Sparbuch, rein in Sachwerte!“ In die selbstgenutzte Immobilie. In erstklassige Aktien.

Den Sparzwang des deutschen Finanzministers und die Liebe des Sparers zum Sparbuch versteht heute niemand mehr, außer den Deutschen selbst. Unsere überkommenen Denkmuster sind das Problem. Es ist an der Zeit sie zu ändern.

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