20 Jahre Sauren Global Growth „Wir wünschen uns mehr erfolgreiche Wettbewerber“

Freut sich auf künftige Herausforderungen: Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren. | © Sauren

Freut sich auf künftige Herausforderungen: Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren. Foto: Sauren

20 Jahre Sauren Global Growth – herzlichen Glückwunsch. Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an den Start des Fonds zurückdenken?

Eckhard Sauren: Nachdem das im Frühjahr 1998 in Kraft getretene Dritte Finanzmarktförderungsgesetz die Möglichkeit bot, Dachfonds aufzulegen, war uns klar, dass dies die moderne Form der Fondvermögensverwaltung mit vielen wesentlichen Vorteilen darstellt. Und wir waren von Beginn an überzeugt, hier als Pionier eine tragende Rolle einnehmen zu können. Daher sind wir sofort an die Arbeit gegangen und haben uns eine Depotbank gesucht, um mit einem der ersten Produkte am Markt zu sein.


Dachfonds galten bis in die 90er Jahre hinein als Teufelszeug – mit dem „Fund of Funds“ von
Bernie Cornfeld hatten Anleger in den 60er Jahren viel Geld verloren. Wie haben Sie damals den Sinneswandel erlebt?

Sauren: Die Aufsichtsbehörden waren, was den Neustart anging, sehr offen. Man hatte aus den Fehlern des Cornfeld-Betruges gelernt.

Warum hat es trotzdem fast ein Jahr lang gedauert, bis die ersten Fonds auf den Markt kamen?

Sauren: Es gab damals keine abgestimmten Musterprospekte, da Dachfonds komplett neu waren. Wir mussten daher den Prospekt mit unserem Partner, der DZ Bank, gemeinsam erarbeiten und diesen sowohl in Luxemburg als auch in Deutschland zur Vertriebsberechtigung bringen.

Sie selbst hatten damals eine fondsgebundene Vermögensverwaltung mit 113 Anlegern …

Sauren: … von denen nach der Auflegung 112 in den Dachfonds gewechselt sind. Den Anlegern waren die Vorteile schnell klar und sie waren davon überzeugt, dass wir unsere Philosophie "Wir investieren nicht in Fonds – wir investieren in Fondsmanager" mit Dachfonds hervorragend weiterführen können. Schlussendlich haben sie den Schritt nie bereut und können heute gemeinsam mit uns auf eine erfreuliche Historie zurückblicken.

Mit der seit März 1999 durchschnittlich erzielten Rendite von 6,25 Prozent pro Jahr sind Sie zufrieden?

Sauren: Ja, denn es waren in den vergangenen Jahren einige Herausforderungen wie die Finanzkrise zu meistern. Wenn Sie sich anschauen, mit wem wir vor 20 Jahren im Wettbewerb konkurriert haben und wen es heute davon noch gibt, dann können wir behaupten, dass unsere Investmentphilosophie eine der wenigen ist, die nachhaltig über 20 Jahre funktioniert hat. Besonders beachtenswert finden wir, dass wir nach Kosten 1,9 Prozent pro Jahr erfolgreicher waren als ein global anlegender Indexfonds von Vanguard. Auf Sicht von 20 Jahren macht das einen Unterschied in der Wertentwicklung von über 100 Prozentpunkten.

Warum hat es bei vielen Konkurrenten nicht annähernd so gut funktioniert?

Sauren: Wenn Sie einen Dachfonds erfolgreich managen wollen, müssen Sie zwingend unabhängig agieren. Das haben gerade Banken zu Beginn nicht konsequent gemacht. Darüber hinaus benötigen Sie ein professionelles Portfoliomanagement, das viele persönliche Gespräche vor Ort führt. Unser vierköpfiges Team arbeitet seit 1999 erfolgreich zusammen, und mit Michael Viehmann als fünftem Teammitglied haben wir es jüngst sogar noch einmal verstärkt. Bei vielen Dachfonds unserer Wettbewerber arbeiten dagegen ein bis zwei Manager überwiegend quantitativ. Die Auswahl der Zielfonds erfolgt also in erster Linie anhand vergangenheitsbezogener Daten. In gewissen Zeiträumen funktioniert das ganz gut, aber langfristig zahlen sich eine qualitative Herangehensweise und ein tiefgreifendes Verständnis für die Fondsmanager aus.

Hat das von den Medien oft hämisch begleitete Straucheln der anderen Ihnen rückblickend geholfen oder hat es ganz im Gegenteil eher das Image der Dachfonds-Idee beschädigt?

Sauren: Wir haben immer versucht, unseren eigenen Weg zu gehen und mit einer langfristig erfolgreichen Investmentphilosophie die Dachfonds-Idee zu unterstützen. Wir wünschen uns aber durchaus mehr erfolgreiche Wettbewerber. Denn dann würden auch dem Gesamtmarkt die strukturellen Vorteile klar, die ein Dachfonds gegenüber einer Fondsvermögensverwaltung hat.

Die da lauten?

Sauren: Die Handelsgebühren bei einem Fondswechsel sind bei einem Dachfonds extrem günstig und auch die sonstigen Gebühren sind wesentlich günstiger.