20 Prozent Rendite

Wo Venezuela seine Ramschanleihen los wird

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Petroleos de Venezuela SA (PDVSA), der staatliche Ölförderer, muss für seine Dollar-Anleihen derzeit zum Teil mehr als 20 Prozent Rendite bieten. PDVSA hat die in Moskau ansässige Gazprombank JSC beauftragt, die Platzierung von einer Yuan-Anleihe im Wert von bis zu 1,6 Milliarden Dollar zu begleiten.

Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen aus Lateinamerika, dessen Bonds auf Ramschniveau gestuft sind, sich am Anleihemarkt Geld in chinesischer Währung beschaffen will.

Venezuela wettet darauf, dass das Land günstigere Finanzierungskonditionen erhält, indem es Investoren aus Ländern hofiert, mit denen es auf politischer Ebene die Kontakte im vergangenen Jahrzehnt intensiviert hat.

Die Devisenreserven des Landes sind auf ein Zwölf-Jahres- Tief geschmolzen und lagen zuletzt bei 16,3 Milliarden Dollar. Hintergrund ist der Ölpreisrückgang. „Venezuela ist verzweifelt. Die Zeit für kreative Lösungen ist gekommen. Aber reine marktbasierte Deals scheinen unmöglich“, sagt Siobhan Morden, Leiter Strategie Festverzinsliche bei Jefferies Group LLC in New York. „Es müsste irgendeine Art von Sponsor geben, möglicherweise von Entitäten, die unter Einfluss der chinesischen Regierung stehen.“

Vertreter des Informationsministeriums in Caracas und Verantwortliche bei PDVSA antworteten nicht umgehend auf E-Mails von Bloomberg mit der Bitte um Kommentare zu dem Finanzierungsgeschäft. Gazprombank ist zu 36 Prozent im Besitz von Gazprom, dem größten russischen Konzern und ist Nummer drei unter Russlands Kreditgebern, gemessen an der Bilanzsumme.

„PDVSA ist unser Kunde. Auf sein Ersuchen erörtern wir mehrere Finanzierungsmöglichkeiten, darunter auch ein besonderes Instrument, besondere Anleihen, die in Renminbi emittiert wären und in Hongkong zusammen mit unseren chinesischen Partnern platziert werden würden“, sagte Boris Iwanow, First Vice President bei Gazprombank, gegenüber Bloomberg am 19. Juni.

Venezuela hängt bereits von chinesischer Finanzierung ab. China verfügt mit 3,7 Billionen Dollar über die größten Devisenreserven weltweit und hat dem Land im vergangenen Jahrzehnt 45 Milliarden Dollar geliehen.
„China war in den vergangenen fünf oder sechs Jahren der größte Gläubiger Venezuelas“, sagt Patrick Duddy, ehemaliger US-Botschafter in Venezuela und nun Professor an der Duke University Fuqua School of Business in Durham, im US-Bundesstaat North Carolina, bei einer Veranstaltung am vergangenen Dienstag.

PDVSA und Venezuela haben im laufenden Jahr Fälligkeiten von insgesamt 6,6 Milliarden Dollar zu bedienen. Händler stufen die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Venezuela im kommenden Jahr zu einem Zahlungsausfall kommt, mit 52 Prozent ein. Das ist höher als für jedes andere Land, zeigen Bloomberg-Daten.

Venezuela und PDVSA werden voraussichtlich ihre Verbindlichkeiten bis zum ersten Quartal 2016 bedienen können, schrieben die Barclays-Volkswirte Alejandro Arreaza und Alejandro Grisanti in einer Kundennotiz am Montag. „Weitere Zahlungen werden vom Ölpreis abhängen und von Chinas Fähigkeit, das offene Risiko gegenüber Venezuela zu halten oder zu erhöhen.“

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