Michael Simmeth

Michael Simmeth, LGT

„2009: Lackmustest für aktive Manager“

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DAS INVESTMENT.com: Dachfonds und Multi Manager Fonds: Was unterscheidet diese beiden recht ähnlichen Anlageformen? Michael Simmeth: Im Gegensatz zu klassischen Dachfonds investieren Multi Manager Produkte zumeist nicht in Publikumsfonds. Vergeben werden vielmehr individuelle Mandate, bei denen der Investor mehr Einfluss auf die Anlageziele und die Richtlinien hat. DAS INVESTMENT.com: Und was haben die Anleger davon? Simmeth: Bei Multi Manager Fonds haben Sie ein sehr direktes und ausschließliches Verhältnis zum Fondsmanager – gewissermaßen eine Eins-zu-Eins-Beziehung zu Ihrem Geld. Darüber hinaus sind Multi Manager Fonds kostengünstiger. Dachfonds hingegen sind liquider, da die dort hinterlegten Zielfonds in der Regel täglich zurückgegeben werden können. DAS INVESTMENT.com:  Wie steuern Sie Ihr Multi Manager Portfolio? Simmeth: Auf Ebene des Gesamtportfolios geht es zum einen um die Festlegung und Überwachung der Asset-Allokation. Eine zweite zentrale Aufgabe ist die Auswahl der Manager. Gegenwärtig haben wir über alle Asset Klassen hinweg rund 300 aktive Manager mandatiert. Die meisten davon finden sich im Bereich der alternativen Investments. In unserer Asset-Allokation machen solche Anlagen gut 40 Prozent aus.  DAS INVESTMENT.com: Stichwort Finanzkrise: Gerade aktiv gemanagte Produkte sind von den Verwerfungen der Finanzkrise besonders stark betroffen. Wird es nicht langsam Zeit, an den Ansätzen des aktiven Managements zu zweifeln? Simmeth: Ich glaube, dass sowohl aktive wie auch passive Strategien ihre Berechtigung  haben. Natürlich ist es für aktive Manager nicht möglich, jedes Jahr durchgängig den Index zu schlagen. 2008 zum Beispiel konnten aktive Manager nur reagieren. Das Einzige, was sie angesichts des Verkaufsdrucks tun konnten, war zu entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die Titel verkaufen wollten. In einer solchen Situation hat der aktive Manager wenig Spielräume. DAS INVESTMENT.com: Wird sich das 2009 ändern? Simmeth: Natürlich könnte man die gegenwärtige Finanzmarktstimmung auch als den Anfang des Weltuntergangs werten, aber das tun wir nicht. Ich bin überzeugt davon, dass die Stimmung an den Märkten sich in diesem Jahr aufhellen wird. Dann werden auch die durchaus vorhandenen Chancen vom Anleger wieder gesehen. Diejenigen, die Geld, gute Nerven und einen längeren Anlagehorizont haben, können dann durchaus Schnäppchen machen. Denn Aktien sind derzeit sehr tief bewertet. Angesichts dieser Verhältnisse wird das Jahr 2009 zum Lackmustest für aktive Manager – da wird sich die Spreu vom Weizen trennen. DAS INVESTMENT.com: Aber dann kann man doch gleich den Index kaufen? Simmeth: Auch wir investieren passiv, um den Markt in unser Portfolio zu holen. Der Schwerpunkt unserer Anlagestrategie liegt aber auf der aktiven Seite. Denn nur ein aktiver Manager, der nicht am Index klebt und nur solche Aktien kauft, von denen er überzeugt ist, kann das nötige Alpha erzielen. DAS INVESTMENT.com: Woran erkennt man denn einen guten aktiven Manager? Simmeth: Er hält an seinen Ideen und Überzeugungen fest und dreht sein Fähnlein nicht ständig nach dem Wind. Er ist reflektiert, hat eine erfolgversprechende Strategie. Und er kann zu jeder Aktie in seinem Portfolio eine Geschichte erzählen. DAS INVESTMENT.com: Und die Outperformance? Simmeth: Das ist die Grundvoraussetzung. Jedes Jahr eine Outperformance zu erreichen ist zwar unmöglich. Aber ein Fondsmanager, der auf seine Visitenkarte „aktiver Manager“ schreibt und innerhalb eines Zyklus von fünf bis sieben Jahren den Vergleichsindex nicht schlagen kann, hat meiner Meinung nach seinen Beruf verfehlt. DAS INVESTMENT.com: Stichwort "Beruf verfehlt": Wann würden Sie einem aktiven Fondsmanager kündigen? Simmeth: Auch wenn es ganz banal klingt, aber das kommt ganz auf den Einzelfall an. Beim Auswahlprozess fragen wir uns: Was zeichnet die Person und das hinter ihr stehende Konzept aus? Im Gegensatz zu einigen Kollegen haben wir auch keine Angst vor Guru-Managern, solange ihre Strategie einleuchtet und Erfolge sichtbar sind. Verändert sich etwas auf der personellen Seite, in der Organisation oder bei der Performance, versuchen wir, diesen Veränderungen auf den Grund zu gehen. Das bedeutet zwar nicht, dass wir jemandem kündigen, der einmal eine Underperformance erzielt hat. Aber die Gründe dafür müssen dargelegt und nachvollziehbar sein. Und natürlich darf bei uns niemand denselben Fehler zweimal machen.

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