Wolfgang Juds, Geschäftsführer der Credo Vermögensmanagement

Wolfgang Juds, Geschäftsführer der Credo Vermögensmanagement

2014: „Viele Unternehmen sind zurückhaltend“

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Die Berichtssaison für das vierte Quartal 2013 ist in vollem Gange. Den Anfang hat traditionell der Aluminiumhersteller Alcoa gemacht und gleich mit einer großen Enttäuschung begonnen. Nach Angaben des Unternehmens entstand im abgelaufenen Quartal ein Verlust in Höhe 2,3 Milliarden US-Dollar.

Der Ausblick für 2014 ist zurückhaltend. Auch die Zahlen von dem Chiphersteller Intel waren nicht berauschend. Zwar lief bei Intel das Geschäft mit Chips für Rechenzentren besser, aber im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen nur mit einem stagnierenden Umsatz. Die Erlöse könnten im ersten Quartal sogar sinken.

Bei SAP hat ebenfalls der vorsichtige Ausblick für 2014 enttäuscht. Der Umsatzzuwachs könnte nur noch zwischen sechs und acht Prozent liegen. Der von SAP avisierte operative Gewinn liegt leicht unter den Markterwartungen. SAP will nach eigenen Angaben seinen Marktanteil im Cloud-Geschäft ausweiten und nimmt dafür niedrigere Margen in Kauf.

Auch der Siemens-Konkurrent Alstom hat seine Anleger enttäuscht und musste seine Ziele senken. Sowohl für das laufende Geschäftsjahr als auch für 2014/2015 zeigt sich das Unternehmen vorsichtig. Der Aktienkurs verlor um mehr als 12 Prozent.

Milliardenverlust bei der Deutschen Bank

Ebenfalls enttäuscht hat die Deutsche Bank. Sie gab für das vierte Quartal 2013 einen Milliardenverlust bekannt. Die Probleme sind größtenteils hausgemacht und resultieren teilweise aus Prozessrückstellungen für juristische Auseinandersetzungen. Auch sind die Erträge aus dem Investmentbanking um 27 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr konnte die Deutsche Bank nur noch 2,07 Milliarden Euro vor Steuern verdienen.

Es gibt allerdings auch positive Überraschungen wie den Nahrungsmittelkonzern Unilever, der in 2013 um etwa vier Prozent gewachsen ist und einen Umsatz von 11,8 Milliarden Euro erzielen konnte. Unilever hat ein kräftiges Wachstum in Asien und Südamerika erreicht, ist aber in Europa und in den USA geschrumpft. Insgesamt war das Ergebnis besser als die allgemeine Markterwartung der Analysten.

Auch andere Unternehmenszahlen wie von American Express oder die der Investmentbank Morgan Stanley konnten die Erwartungen der Analysten übertreffen und wurden am Markt gut aufgenommen.

Die bisherigen Quartalszahlen zeigen, dass die Gleichung „Konjunkturaufschwung ist gleich Gewinnaufschwung“, nach welcher viele Anleger handeln, so nicht funktioniert. Es gibt keinen direkten Zusammenhang, der die Gleichung auf die einzelnen Unternehmen überträgt.

Und bei den konjunktursensiblen Branchen, bei denen dieser Zusammenhang am ehesten zutrifft, wie bei den Automobilherstellern und den Chemieunternehmen, ist bereits viel Fantasie in den Kursen enthalten.

Drastische Korrekturen

Wenn die Erwartungen der Analysten verfehlt werden, kommt es teils zu drastischen Korrekturen, wie bei Alstom oder bei der Deutschen Bank. Allerdings ist die Marktstimmung weiterhin intakt. Die Zahlen der laufenden Berichtssaison können wir bislang als durchwachsen bewerten.

Vor allem ist bemerkenswert, dass viele Unternehmen für 2014 eher zurückhaltend sind. Das passt nicht in das aktuelle Weltbild, dass viele Börsianer und Analysten derzeit vertreten. Auch die niedrigen Zinsen sprechen dafür, dass die Krise noch nicht völlig vorüber ist.

Sogar die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Legarde warnt vor Deflationsgefahren. Nach ihrer Ansicht ist die Richtung insgesamt positiv, aber das globale Wachstum zu gering, zu zerbrechlich und zu ungleichmäßig. Der Ausblick ist immer noch mit großen Risiken behaftet.

Legardes Einstellung mahnt zur Vorsicht. Grundsätzlich lässt sich mit Aktien Geld verdienen, aber es kommt auch auf den richtigen Einstieg an. Viele Aktien sind inzwischen ambitioniert bewertet. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Was hindert uns als Anleger, zu warten bis die Kurse wieder günstiger werden und ein Einstieg sich lohnt?

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