Goldbarren Foto: Philoro

Edelmetall Gold

2020 als Startschuss in die goldenen Zwanziger?

Rafael Scherer
Foto: Philoro Edelmetalle 

Wer das Corona-Jahr 2020 als Goldjahr sieht, hat dafür ein gutes Argument auf seiner Seite: Den Allzeit-Höchststand von 2.063,01 US-Dollar, der als Schlusskurs am 20. August 2020 auf den Anzeigentafeln stand. Auch Anbieter von Gold-ETFs können eindeutig als Gewinner des Jahres 2020 ausgerufen werden. Von Jahresstart bis Oktober wurden bereits 60 Milliarden US-Dollar in ETFs investiert.

Treiber dieser Entwicklung waren überwiegend Privatanleger, die aufgrund der Krise nach einer einfachen, aber sicheren Anlageform suchten. Und auch Bullion-Ware – also Münzen und Barren – erfreute sich reger Nachfrage; diese verzeichnete im Jahresvergleich ein Plus gegenüber 2019 von 49 Prozent! Diesen Trend können wir von Philoro ebenfalls aus unseren Ladengeschäften bestätigen, in denen immer wieder Tages-Höchstumsätze erreicht wurden.

Hohe Nachfrage von Privatanlegern versus Verkäufe der Zentralbanken

Dennoch, und das mag eventuell nach diesen positiven Impulsen überraschen, gibt es auch gute Gründe, die gegen ein Goldjahr 2020 sprechen. So war im Gesamten gesehen die Nachfrage nach Gold doch leicht verhalten, was insbesondere an der Politik der Zentralbanken liegt. Diese haben auf Jahressicht mehr Gold verkauft als erworben. Zur Veranschaulichung: Im ersten Halbjahr kauften die Zentralbanken rund 233 Tonnen Gold – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 39 Prozent. Zu den größten Verkäufern zählten Kolumbien, das rund 9,7 Tonnen Gold auf den Markt brachte und damit satte zwei Drittel des Gesamtbestandes, sowie die Türkei und Usbekistan, aber auch die Mongolei und Russland.

Für diese Entscheidungen, so individuell motiviert sie auch ausfallen, gibt es immer auch übergreifende Gründe. Zum einen sind Zentralbanken zuallererst bestrebt, fiskalischen Verwerfungen entgegenzuwirken. Sie agieren daher nicht wie typische Anleger, sondern versuchen über maßvolle, langfristige Schritte auf Stabilität hinzuwirken. Zum zweiten, das war in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten, sind Zentralbanken gerade dann bereit, in Gold zu investieren, wenn sich die Preise auf einem günstigen Niveau bewegen. Also naturgemäß nicht unbedingt in Zeiten, in denen ein Allzeithoch das nächste jagt.

Zu guter Letzt spielt noch die außergewöhnliche Krisensituation eine Rolle, in der sich auch Zentralbanken zunächst orientieren mussten und danach mit dem Management der Situation beschäftigt waren. Der Kauf von Edelmetall rückte dabei ganz offensichtlich in den Hintergrund.

Auch aus Perspektive der Schmuckproduzenten war das Jahr 2020 sehr verhalten. Indien und China, die beiden größten Schmuckproduzenten, meldeten im Vergleich zum Vorjahr beinahe halbierte Nachfragezahlen. Schließlich die industrielle Nachfrage, die ebenfalls um sechs Prozent im Vorjahresvergleich zurückging. Auch hier dürften sich die Lockdown-Szenarien in den unterschiedlichen Regionen rund um den Globus widerspiegeln.

Unterm Strich bewegt sich die Goldnachfrage zum Jahreswechsel weltweit im Bereich von 2.972 Tonnen, was einem Minus von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2019 entspricht. Schließlich wäre noch der Rückgang auf der Angebotsseite zu nennen, wenn man das Jahr 2020 aus Gold-Perspektive beschreibt. Hier bewegen sich die Rückgänge im Bereich von etwa drei Prozent, und die Produktionskapazitäten sind in einigen Ländern wie Südafrika nach den Lockdown-Einschränkungen noch nicht wieder auf Vor-Krisen-Niveau.

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