BASF-Service-Center in Berlin Foto: imago images / Kai Bienert

Vermögensverwalter meint

2021 bringt Aktienanlegern neuen Rückenwind

Stefan Wallrich, Foto: Wallrich AM

Das zurückliegende Jahr wird zweifellos als eines der bemerkenswertesten in die Börsenannalen eingehen. Am Aktienmarkt folgte dem wuchtigsten Crash aller Zeiten die schnellste Erholung der Geschichte. Der Goldpreis hat unter hohen Schwankungen historische Höchststände erreicht, und selbst bei konservativen Rentenpapieren kam es zu starken Kursausschlägen.

Nach einem erwarteten Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,2 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten prognostiziert etwa die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) für 2021 ein globales Wachstum von 4,2 Prozent und für 2022 von 3,7 Prozent. Absolut gesehen dürfte allein auf China (plus 8 Prozent) im gerade begonnenen Jahr mehr als ein Drittel des gesamten Anstiegs entfallen. Der Wachstumsbeitrag der USA und des Euroraums werden mit 3,2 beziehungsweise 3,6 Prozent geringer als ihr Anteil an der Weltwirtschaft ausfallen. Den deutschen BIP-Anstieg prognostizieren die Wirtschaftsexperten der OECD lediglich mit 2,8 Prozent, während die aktuelle Ifo-Konjunkturprognose hier von 4,2 Prozent ausgeht. Dabei wurde unterstellt, dass die im November eingeführten Infektionsschutzmaßnahmen unverändert bis März 2021 in Kraft bleiben werden. Die jüngsten Verschärfungen (harter Lockdown) sind in den Ifo-Schätzungen noch nicht enthalten.

 

Nach der scharfen Rezession 2020 sowie dem sprunghaften Anstieg der globalen Staatsverschuldung, die mit der Corona-Pandemie einhergeht, ist der Handlungsspielraum der Europäischen Zentralbank und anderer wichtiger Notenbanken auf ein Minimum zusammengeschmolzen. Während die Mehrzahl der Marktteilnehmer noch Anfang 2020 davon ausgegangen war, zumindest auf mittlere Sicht auch mal wieder positive Euro-Zinssätze zu sehen, haben sich diese Erwartungen inzwischen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. So wird gemäß der Euribor-Forward-Curve erst für Anfang 2029 wieder mit positiven Ein-Monats-Euro-Zinssätzen unter Banken gerechnet. Kurz- bis mittelfristig sind weitere Zinssenkungen durch die Notenbanker rund um Christine Lagarde wahrscheinlicher als eine Anhebung.

Old Economy mit Nachholbedarf

Wurden die großen Indizes in den zurückliegenden Monaten in hohem Maße von den Aktien der Digitalisierungsgewinner getrieben, dürften die Hauptprofiteure der allgemeinen Wirtschaftserholung 2021 in der Old Economy zu finden sein. Hier billigen wir insbesondere zyklischen Unternehmen aus dem Industrie- und Chemiesektor (zum Beispiel Volkswagen, BASF oder Bayer) erhebliches Aufholpotenzial zu. Mit Entspannung der Pandemielage (wärmere Temperaturen und voranschreitende Impfquote) werden zudem die Corona-Verlierer immer stärker in den Vordergrund rücken. Der Hunger nach Freizeit- und Reiseaktivitäten wird groß sein, hierfür benötigte Gelder sind in der Mittel- und Oberschicht mehr als zur Genüge vorhanden. Gleichzeitig fallen die geglätteten adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs), allerdings nicht die aktuellen, vieler Touristikunternehmen, Fluggesellschaften, Hotelketten und Vergnügungsparks relativ niedrig aus. Nicht alle von ihnen werden die aktuelle Krise jedoch überleben.

Gleichzeitig bleiben aber auch die großen Tech-Konzerne wichtige Bestandteile ausgewogener Aktienportfolios. So haben Unternehmen wie Amazon, Apple, Alphabet oder Microsoft ihre enormen finanziellen Ressourcen geschickt zum weiteren Ausbau ihrer Macht und Marktstellung genutzt. Der durch die Corona-Pandemie beschleunigte Digitalisierungsprozess wird sich fortsetzen, auch wenn der Druck der europäischen Kartellwächter auf die Marktgiganten zunimmt und diesbezüglich auch von einer Biden-Regierung stärkere Restriktionen als unter Trump zu erwarten sind. Dabei muss eine Zerschlagung für Aktionäre übrigens keineswegs die schlechteste Lösung sein – führt die Aufspaltung von Konglomeraten doch häufig zu einer Höherbewertung der einzelnen Teile.

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