Sabine Groth (Freie Autorin)Lesedauer: 2 Minuten

Prognose von Atradius 2022 deutlich mehr Firmenpleiten zu erwarten

Thomas Langen, Atradius
Thomas Langen, Atradius: Der Kreditversicherungsexperte erwartet im nächsten Jahr mehr Insolvenzen, aber nicht in allen Ländern. | Foto: Atradius

Während in diesem Jahr die weltweiten Unternehmenspleiten voraussichtlich um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen, ist für 2022 ein starker Anstieg von 33 Prozent zu erwarten. So die Prognose des Kreditversicherers Atradius. Bis Ende 2022 erwartet das Unternehmen, dass die Insolvenzen in den meisten beobachteten Märkten im Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau höher sein werden.

Insbesondere drei Faktoren seien Treiber für den Anstieg: Erstens gebe es eine verzögerte Wirkung von Insolvenzen, die unter normalen Umständen – ohne Fiskalpaket und Insolvenzmoratorien – schon 2020 eingetreten wären. Zweitens verursache das Auslaufen der fiskalischen Unterstützungen nach und nach einen Anstieg der Insolvenzen. Drittens nehme die Zahl der Insolvenzen zu, wenn sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Deutschland mit stabilem Insolvenzniveau

Auf regionaler Ebene erwartet Atradius in Europa schon in diesem Jahr steigende Insolvenzzahlen. In Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum hingegen wirkten die starke fiskalischen und die robuste Wirtschaftserholung. „2022 werden die Insolvenzen in allen drei Regionen zunehmen, wobei der höchste Anstieg im asiatisch-pazifischen Raum erwartet wird“, so Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa bei Atradius.

Im Vergleich zum Vor-Pandemie Niveau werde 2022 die Zahl der Insolvenzen vor allem in Italien (plus 34 Prozent), im Vereinigten Königreich (plus 33 Prozent) und in Australien (plus 33 Prozent) höher liegen. Für die USA erwartet Atradius für 2022 ein um 6 Prozent höheres Insolvenzniveau als 2019. 

In Deutschland (plus 2 Prozent), Schweden (plus 3 Prozent) und Japan (plus 4 Prozent) hingegen soll das Niveau eher stabil bleiben. Und Brasilien (minus 35 Prozent), Südkorea (minus 15 Prozent) und Irland (minus 10 Prozent) dürften die einzigen Märkte mit deutlich geringeren Insolvenzen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2019 sein. Als Gründe nennt Atradius: Geringere Basiseffekte, die Ausweitung der fiskalischen Unterstützung sowie die ausreichend starke wirtschaftliche Erholung. 

Für die Zeit nach 2022 erwartet Atradius, dass die weltweiten Insolvenzen zurückgehen oder konstant bleiben.

 

Tipps der Redaktion
Robert Halver zu EZB-MaßnahmenWenn die europäische Krisenrettung Krisen hervorruft
ANZEIGE
Unternehmensschulden in der CoronakriseSchulden sind per se nichts Schlechtes
Globale StudieEuler Hermes erwartet für 2022 wieder mehr Insolvenzen
Mehr zum Thema