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Robert Halver über lockere Geldpolitik „2022 ist der Gipfel überschritten“

EZB-Chefin Christine Lagarde
EZB-Chefin Christine Lagarde: In der Eurozone steigen die Leitzinsen vorerst nicht. | Foto: Imago Images / Zuma Wire

Seit 2009 war billiges und viel Geld der entscheidende Motor der Aktien-rally. Doch befürchten viele Anleger angesichts des hohen Inflationsdrucks die Rückkehr zur geldpolitischen Stabilität. Droht den Börsen 2022 also die Heimsuchung durch eine große Zinswende beziehungsweise massive Liquiditätsverknappung? Bei näherer Betrachtung wird aus dem vermeintlichen Horror- aber schnell eher ein Dokumentarfilm.

Die Inflation zeigt derzeit eine besonders hässliche Fratze

Ohne Zweifel, die Preise sprießen derzeit wie Unkraut im Frühjahr. Mittlerweile reagieren immer mehr Notenbanker selbst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Inflations-verstimmt. Als Hüter der Preisstabilitätsmoral kann ja kein Geldpolitiker Liederlichkeit an den Tag legen.

Und dennoch sollte man zwischen ehrenwerten Stabilitätsworten und tatsächlichem Handeln sauber trennen: Wie viel Herzblut darf man den Damen und Herren aus den Notenbanken bei der Inflationsbekämpfung wirklich bescheinigen?

Tatsächlich, trotz aktuellem Inflations-Buckel, sprechen die Notenbanken immer noch von wiederkehrender Preisstabilität. Sie setzen darauf, dass Preissteigerung ein relativer Wert ist, der sich mutmaßlich im nächsten Jahr lindert. Wenn Rohstoffpreise und Frachtraten auf ihren aktuell hohen Niveaus verharrten, würden sich 2022 im Vorjahresvergleich deutliche Preisberuhigungen zeigen. Dabei kehren Fed, EZB & Co. die Crux dieser Inflationsmessung allerdings unter den Teppich. Der absolute Preisschmerz bleibt dennoch stark.

Doch geht es den Notenbanken vor allem um die Richtung. Wie beim Abnehmen ist der Weg das Ziel: Sinkt die Inflation von ihren aktuellen Höchstständen, halten sie ihre These „Am Ende wird alles gut“ für bestätigt. Die laxe Inflationsbekämpfung von Fed & Co. wird insofern nachträglich geheiligt.

Heutzutage sind Notenbanken Alleskönner

Das gibt den Notenbanken viel Beinfreiheit, um das Thema Preisstabilität auf der To-do-Liste nach unten zu setzen und andere Aufgaben zu priorisieren.

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