Außerdem gibt die DFV eine Vertriebskooperation mit der Haspa bekannt. Planen Sie, die Vertriebskooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) auf weitere Produkte oder weitere Finanzinstitute auszuweiten?

Knoll: Die Hamburger Sparkasse ist die größte ihrer Art in Deutschland und somit ein spannender Kooperationspartner für uns. Die Kooperation konzentriert sich auf den Vertrieb von Tierkrankenversicherungen. Hierbei handelt es sich um ein Trendprodukt. Und in der Tat halte ich es für möglich, dass andere Banken durch diese Kooperation auf uns aufmerksam werden und verspreche mir in den kommenden Jahren einen Ausbau des Vertriebs von Tierkrankenversicherungen über weitere Partner.

Das Jahr 2020 schloss der DFV-Konzern mit einem Minus von knapp 5,2 Millionen Euro ab.

Knoll: Der Verlust im letzten Jahr war geplant und Teil der Wachstumsfinanzierung seit dem Börsengang. Das Unternehmen hatte bereits in den Jahren 2012, 2013, 2015, 2016 und 2017 positive Ergebnisse erzielt. Wir kennen also das Gefühl der Profitabilität, einen Zustand, den alle Insurtechs weltweit noch vor sich haben.

Was lief denn 2020 schief?

Knoll: Der Grund, warum wir seit 2018, dem Jahr unseres Börsenganges, Verluste schreiben, liegt in der damals versprochenen und im Jahr 2019 erstmalig umgesetzten Verdoppelung der Vertriebsausgaben. Wuchsen wir in 2018 noch um etwa 16 Millionen Euro im Beitrag, haben wir dies seit dem Jahr 2019 auf 30 Millionen Euro jährlich nahezu verdoppelt. Bei 75 Millionen Euro Bestandseinnahmen zu Beginn des Jahres 2019 bedeutet das ein Verhältnis zu den Vertriebsausgaben von 2:1. Letztes Jahr haben wir wieder 30 Millionen Euro für Vertrieb ausgegeben, wobei wir mit 91 Millionen Euro gebuchten Beiträgen in das Jahr gestartet sind. Bei einem Verhältnis von 3:1 zwischen Einnahmen und Vertriebsinvestitionen können Sie als Versicherungsunternehmen ebenso wenig Gewinn machen wie bei einem Verhältnis von 4:1, das bei Fortschreibung der Vertriebsausgaben von 30 Millionen Euro in diesem Jahr erreicht wird.

Und wie geht es weiter?

Knoll: Wir planen für 2021 einen Verlust von 4 Millionen Euro. Dieses Ziel werden wir nicht überschreiten. 2022 werden wir dann erstmals wieder seit 2017 profitabel sein, denn dann ist das Verhältnis von Beitragseinnahmen und Vertriebsausgaben 5:1.

Wenn man trotz einer angespannten finanziellen Situation expandiert und investiert, liegt es nahe, sich von anderen, weniger gewinnbringenden Geschäftsbereichen zu trennen. Planen Sie einen solchen Schritt?

Knoll: Wir sind in den letzten Jahren auf einem soliden Fundament gewachsen. Nun gilt es aber, dieses Fundament zu verbreitern. Unser Ziel muss es sein, alle Versicherungsprodukte, die ein Privatkunde typischerweise nachfragt, auch anbieten zu können. Deswegen werden wir die Risikoträgereigenschaft zwischen Sach und Kranken trennen und ein Lebensversicherungsunternehmen gründen. Unser eigentliches Alleinstellungsmerkmal war für uns die Digitalisierung, die wir mit dem Börsengang gekrönt haben. Jetzt wird es darum gehen, neben der Zahnzusatzversicherung, der Pflegezusatzversicherung und der Tierkrankenversicherung eine Produktpalette zu etablieren, wo alle Produktlinien quantitativ und qualitativ gleichwertig nebeneinanderstehen.

Am 1. Juli startete die private Pflegeversicherung „Careflex Chemie“. Am Jahresanfang schied DFV aus dem Konsortium aus, blieb dem Projekt aber als Rückversicherer verbunden. Was waren die Gründe dafür?

Knoll: Ich möchte ich mich dazu nicht mehr äußern [Anm. d. Red.: In einem Interview mit Wallstreet-online am Jahresanfang sprach Knoll vom Zinsrisiko für zusätzliche Kapitalanlagen in Höhe von 50 Millionen Euro jährlich, die für DFV als Erstersicherer ein zu großes Risiko wären]. Fest steht aber, dass es eine geniale Idee war, dass wir der Urheber waren und dass wir technisch und auch wirtschaftlich in der Lage gewesen wären, ein Projekt dieser Art abzuwickeln und stemmen zu können. Und was den Rückversicherungsvertrag mit der Barmenia anbelangt, so sind die Verhandlungen abgeschlossen, wir sind uns einig und warten jetzt auf die Zustimmung der Bafin, die der Inkraftsetzung noch vorsteht.