Investiert gern gegen den Trend: Adam Choragwicki, Leiter des Rentenfonds-Managements bei Starcapital. | © Starcapital Foto: Starcapital

22 Fragen an Adam Choragwicki

„Ich habe viel zu spät angefangen“

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Taschengeld gab es bei uns zu Hause nicht und ich habe mir mit Jobs wie Zeitungen austragen Geld verdient. Die coolen Schuhe oder Jeans waren für meine Familie verhältnismäßig teuer. Daher musste ich bei Markensachen immer die Hälfte dazu legen. Ich erinnere mich an meine erste Levi’s-Jeans für 140 Mark, für die ich fast zwei Monatsgehälter geopfert habe

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

… Schreiner. Ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen und habe teilweise meine Spielzeugpistolen oder Schwerter selbst gezimmert. Mit der Banklehre war das Thema des Handwerkens erst einmal vorbei, doch mittlerweile habe ich angefangen, Möbel für unser Haus zu entwerfen. Die Fertigung überlasse ich jedoch einer kleinen Schreinerei

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Ich glaube nicht an den einen Star-Manager als Vorbild für unsere Berufsgruppe, den alle kopieren – sonst wären alle erfolgreich oder keiner. Ich habe mir daher viele verschiedene Anlagestile angeschaut und daraus einen eigenen, für mich passenden Stil verinnerlicht

  1. Welche andere Persönlichkeit imponiert Ihnen oder fasziniert Sie?

André Kostolany, wobei ich seine Börsenweisheiten erst richtig interpretiert habe, als ich meine ersten Erfahrungen an der Börse machte. Sein Spruch „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten“ imponiert mir am meisten

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Es gibt wohl viele Bücher zum aktiven Investmentansatz, aber kein grundsätzliches Rezeptbuch für unseren Beruf. Daher denke ich, dass jeder seine Erfahrung machen muss, aber auch aus den eigenen Fehlern lernen sollte

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Kurzfristig kommt das schon mal vor, und auch das ist ärgerlich. Es gibt jedoch kaum den einen Manager, der sowohl im Bullen- als auch im Bärenmarkt eine Outperformance erzielen kann. Aus meiner Sicht kommt es auf die mittel-bis langfristige Betrachtung an. Sollte ich hier dauerhaft hinterherhinken, würde ich eine berufliche Umorientierung anstreben

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Neue Kunden

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Recht zu haben – insbesondere, wenn es um Anti-Konsensus-Trades geht

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

Nicht unbedingt einem bestimmten Investment. Sondern dem Fakt, dass ich mit der langfristigen Kapitalanlage viel zu spät angefangen habe

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Aus aktuellem Anlass über diejenigen, die sich nicht an ihre Quarantäne-Vorgaben halten und damit andere Menschen gefährden

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Den Politikern in Berlin und Brüssel! Es ärgert mich mit anzusehen, wie unsere Politiker langfristige Trends verschlafen und dadurch den vorhandenen wirtschaftlichen Erfolg aufs Spiel setzen

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