Christoph Groß

Christoph Groß

22 Fragen an Christoph Groß

„Mich interessiert nur, ob meine Kunden zufrieden sind oder nicht“

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1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Die hatte ich als Kind mit meinem ersten Bundesschatzbrief Typ A mit unglaublichen 8,5 Prozent Zinsen und der daraus resultierenden Faszination des Zinseszinseffektes

2. Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Ich hatte das Glück, dass die LBBW die Studiengebühren für das berufsbegleitende Studium an der privaten Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt im Rahmen eines Förderprogramms vorab übernommen hat. Aufgrund der Abschlussnote musste ich dann nur einen Teil davon zurückbezahlen. Meine Eltern waren sehr froh, dass dieser Kelch an ihnen vorüberging

3. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Dem Nachnamen nach könnte es Bill Gross sein – stimmt aber nicht. Eine konkrete Person habe ich nicht als Vorbild. Mich faszinieren grundsätzlich Menschen, die es neben ihrer fachlichen Expertise schaffen, über den Tellerrand hinauszublicken. Die beispielsweise eine Begeisterung für Musik, Kultur, Reisen oder Sport mitbringen und das ganze Leben nicht nur in ihrem Berufsbild gefangen bleiben

4. Die unsinnigste Börsen-Theorie, die Ihnen je untergekommen ist?

„Gold ist sicher“. Zum einen schwanken die Kurse für Gold teilweise stärker als Aktien, zum anderen wäre es nicht leicht, in einer wirklichen Krise mit schweren Goldbarren wegzurennen

5. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Club der Diebe von James B. Stewart, verbunden mit der klaren Botschaft, dass man am Ende des Tages nur dann langfristig erfolgreich sein kann, wenn man zu jeder Zeit respektvoll mit den Kunden und verantwortungsvoll mit dem anvertrauten Vermögen umgeht

6. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Ich vergleiche mich nicht mit der Konkurrenz. Mich interessiert nur, ob meine Kunden zufrieden sind oder nicht. Aufgrund der Tatsache, dass wir im Hause der LBBW Asset Management  als Fondsmanager einen hohen Grad an Freiheiten in der Umsetzung der Strategien genießen, besteht eine hohe Eigenmotivation, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen

7. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Wenn der Kunde mit der geleisteten Arbeit zufrieden ist, dann darf man sich nach Feierabend auch mal ein Glas Rotwein gönnen

8. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Dass sehr viele Anleger mir auch im Jahr nach der Finanzkrise – als es endlich wieder nach oben ging – weiter ihr Vertrauen geschenkt haben

9. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Darüber, dass viele Politiker nicht mehr in der Lage sind, in freier Rede und ohne Manuskript im Parlament zu reden, sondern nur noch ihre vorgefertigten Floskeln runterbeten

10. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?


Einigen Fußball-Kommentatoren – weil sie einfach keine Ahnung haben, was sie da teilweise von sich geben

11. Was sammeln Sie?

Trikots des FC Bayern München - seit Mitte der 80er Jahre besitze ich nahezu jedes neue Motiv

12. Wann schalten Sie Ihr Handy aus?

Freitagabend bis Sonntagabend und jederzeit im Familienurlaub

13. Wem folgen Sie auf Twitter?

Niemanden. Ich besitze auch keinen Account. Wenn ich selber etwas zu sagen habe, sind das mehr als 140 Zeichen, und dann nehme ich lieber mal den Hörer in die Hand und gehe bei der entsprechenden Person vorbei. Das ist persönlicher und am Ende wertvoller

14. Ihre liebste TV-Serie?

Sky Champions League – aber auch die zweistündigen Talkshows am Freitagabend mit meist sehr interessanten Gästen und Persönlichkeiten mit vielfältigen Lebensgeschichten und Erlebnissen

15. Und wo schalten Sie sofort ab?

Bei diesen ganzen Nachmittagssendungen auf den Privaten – grauenhaft, ganz schlimm. Aber auch diverse Abwandlungen solcher Formate am Abend (Dschungelcamp & Co.) sind nicht so meins

16. Was weckt eher Ihre Leidenschaft – Fußball oder Rockmusik?

Ganz klar beides!!! Meine absolute Leidenschaft seit Kindheit ist und bleibt der FC Bayern München. Am meisten Spaß machen mir dabei die Champions-League-Auswärtsspiele, wenn man als "Bayer" im Ausland unterwegs ist. Und als begeisterter Musikliebhaber bin ich für jedes gute Konzert zu haben, von Fanta 4 über Grönemeyer zu Linkin Park, aber auch gerne mal klassische Konzerte bis hin zu Jazz

17. Welches Spiel haben Sie jüngst besucht, und welches Konzert?

Die Fantastischen Vier zum 25-jährigen Jubiläum in der Stuttgarter Schleyerhalle und das Champions-League-Spiel Bayern München gegen AS Rom

18. Auf welchen Luxusartikel würden Sie nur ungern verzichten?

Teurer, purer Luxus ist nichts für mich – aber auf eine schicke Uhr verzichtet ein Mann nicht gerne…

19. Und wofür würden Sie notfalls sogar Ihr Konto überziehen?

Für eine spontane Urlaubsreise

20. Wein oder Bier zum Essen?

Ich bin für beides zu haben. Ein spritziger, deutscher Weißwein - bevorzugt ein Silvaner oder Weißburgunder aus dem fränkischen Weindorf Sommerach am Main - oder ein trockener Rotwein aus Spanien, zum Beispiel aus dem Priorat oder aus dem Norden Italiens sind meine Favoriten. Und ein bayerisches Bier wie ein Tegernseer Brauhaus Spezial oder ein Augustiner Edelstoff passt ja praktisch zu jedem Essen

21. Welches Hilfsprojekt haben Sie jüngst finanziell unterstützt?

Wir unterstützen jedes Jahr das Projekt Mitwelt-Netzwerk unserer damaligen Hebamme Inge Sterk aus Radolfzell am Bodensee. Sie arbeitet in der Frauenklinik in Stuttgart und lebt einige Wochen im Jahr von ihren Überstunden in Thailand. Dort versucht sie, in der Mae Tao Clinic in Mae Sot eine Hebammenschwestern-Schule aufzubauen, mit den Spenden nicht vorhandene Medikamente oder Ausstattungen zu kaufen und ihr Wissen dort einzubringen

22. Wo wollen Sie leben, wenn Sie einmal nicht mehr Fondsmanager sind?

Da, wo es dann meiner Familie am besten gefällt


Christoph Groß

Der 1978 in Babenhausen geborene Schwabe absolviert von 1998 bis 2000 eine Ausbildung zum Finanzassistenten bei der Landesgirokasse Stuttgart und studiert anschließend vier Jahre lang an der privaten Hochschule für Bankwirtschaft (heute: Frankfurt School). Im Rahmen des Studiums absolviert Groß unter anderem Auslandsaufenthalte an der Esade Business School in Barcelona und bei Heiko Thieme Associates in New York. Seit März 2005 arbeitet er im Rentenfonds-Management des LBBW-Konzerns, wobei er zunächst bei der Süd-Kapitalanlagegesellschaft in Frankfurt Staatsanleihen und Pfandbriefe managt und 2006 in die Stuttgarter Zentrale wechselt. Dort betreut er aktuell den LBBW Nachhaltigkeit Renten (seit September 2009) und den LBBW Multi Global (November 2013).

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