22 Fragen an Frank Lübberstedt „Ich bin ein Kind der 80er“

Zwei Bücher als Initialzündung: Frank Lübberstedt, Berater des Acatis Aktien Deutschland ELM. | © Ehrke & Lübberstedt

Zwei Bücher als Initialzündung: Frank Lübberstedt, Berater des Acatis Aktien Deutschland ELM. Foto: Ehrke & Lübberstedt

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Zu einer Zeit, in der ich gerade einmal über einen Tisch gucken konnte, kam mein Vater zu mir und sagte, dass er „finanzielle Probleme“ hätte und ob ich ihm Geld leihen könnte. Mein Vater wusste, dass es mir extrem schwer fiel, mich von meinem Geld im Sparschwein zu trennen. Aber bei Problemen hilft man ja seinem Vater. Also kramte ich 9 DM in Münzen aus dem Sparschwein und gab ihm das Geld. Nun traktierte ich ihn täglich und fragte, ob er mir das Geld denn schon zurückgeben könnte. Nach einer Woche war es endlich so weit. Ich bekam aber keine 9 DM in Münzen, sondern einen 10-DM-Schein mit der Begründung, dass ich ja auch Zinsen dafür bekomme, dass ich ihm Geld geliehen hätte. Danach bin ich dann regelmäßig mit der Frage auf ihn zugekommen, ob er wieder meine finanzielle Hilfe bräuchte

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

Chemie war bis zum Abitur Leistungsfach und der Berufswunsch ging in diese Richtung. Dann kam ein Ferienjob im Laborbereich eines Hamburger Konzerns. Danach war das Interesse erkaltet

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Peter Lynch. Sein Track Record ist überragend. Unter seine Ägide hat der Magellan Fund zwischen 1977 und 1990 eine Wertentwicklung von 29 Prozent pro Jahr erzielt. Zum Vergleich: Der S&P 500 kommt für diesen Zeitraum auf 10 Prozent Zuwachs pro Jahr. Eine solche Outperformance ist überragend. Weiter machte Lynch aus einem Fonds mit gerade einmal 18 Millionen US-Dollar das Fidelity-Aushängeschild mit einem Fondsvolumen von 14 Milliarden US-Dollar. Seine praktische Herangehensweise hat mich fasziniert

  1. Welche andere Persönlichkeit imponiert Ihnen oder fasziniert Sie?

Helmut Schmidt. Weil er genau die Eigenschaften verkörpert hat, die einen Politiker und Menschen auszeichnen. Ehrlichkeit, Bodenständigkeit, Intelligenz, Unbestechlichkeit, Weitblick und den Mut, seine Meinung klar und deutlich auch gegen die vorherrschende Sichtweise zu äußern

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Da komme ich gerne auf Frage 3 zurück. Peter Lynchs Bücher waren in den 90ern die Initialzündung für mich

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Damit kann ich recht gut umgehen. Einfach beständig weiterarbeiten und seinen Investmentprozess kontinuierlich weiterverfolgen, da man ja weiß, dass dieser funktioniert

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Andere abzuhängen ist gar nicht mein Streben, sondern die eigenen Ziele zu erreichen

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Die gesamten 17 Jahre haben unglaublich viel Spaß gemacht, da ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Dass wir im April 2010 mit unserem Deutschland-Fonds schon wieder das Kursniveau von Ende 2007 erreicht haben, war außergewöhnlich. Der Dax hat dies erst drei Jahre später geschafft

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

So etwas mache ich grundsätzlich nicht. Es hilft ja auch nicht weiter

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Darüber, dass die Politik in diesem Land seit Jahrzehnten die Bürokratie abbauen will und jedes Jahr das Gegenteil geschieht. Kreativität und Unternehmertum werden dadurch mehr und mehr erstickt. Weiter, dass wir immer erst warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist und dann alle rufen: Wie konnte es dazu kommen. Wir sehen doch die nächsten großen Probleme auf uns zukommen. Aber niemand in der Politik geht diese an

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Diejenigen, denen ich gerne etwas sagen würde (Trump, Orban, Erdogan etc.), würden sowieso nicht zuhören