Hartwig Kos

Hartwig Kos

22 Fragen an Hartwig Kos

„Ein Vorbild zu werden ist viel wichtiger als eines zu haben“

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1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Ich erinnere mich gut an meine erste Spardose in der Form eines roten Elefanten und daran, wie ich eines Nachmittags vergebens versucht habe, dort ein paar Münzen wieder herauszubekommen, um Schokolade kaufen zu gehen. Etwas Ähnliches probieren die Griechen momentan mit Deutschland

2. Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Diesbezüglich hatte ich viel Glück, meine Familie war sehr großzügig. Aber zu meiner Verteidigung möchte ich sagen, dass ich meinen Magister in der Mindeststudienzeit abgelegt habe

3. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Nein. Ein Vorbild zu werden ist viel wichtiger als eines zu haben

4. Die unsinnigste Börsen-Theorie, die Ihnen je untergekommen ist?

Da gibt es so viele, von „Sell in May and go a way“ bis zur sprichwörtlichen Jahresschluss-Rally. Das Schlimmste daran ist jedoch die Tatsache, dass alle diese Theorien funktionieren. So viel zum Thema Markteffizienz, deren Existenz wahrscheinlich die unsinnigste aller Finanzmarkttheorien ist.

5. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

The Moneymaker von Janet Gleeson und When Money Dies von Adam Fergusson. Das erste Buch behandelt die Lebensgeschichte von John Law, dem Architekten der Mississippi-Bubble, das zweite die Auswirkungen der Hyperinflation in Deutschland und im speziellen, wie die Bevölkerung diese Zeit erlebt hat

6. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?


Ich bin da wie ein Stehaufmännchen und halte es mit Peter Rosegger: „Tüchtiges schaffen, das hält auf die Dauer kein Gegner aus.“

7. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Ich verlasse das Büro etwas früher, um mehr Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn zu verbringen

8. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Vielleicht nicht das das schönste, aber das beeindruckendste: Das war im Oktober 2008, als die Märkte schon mit minus 10 Prozent eröffnet haben. Die Stimmung im Team war natürlich am Tiefpunkt, keiner konnte richtig arbeiten. Gegen Mittag hat unser Boss gesagt: „Jungs, auf geht‘s, wir gehen in den Pub, das hat keinen Sinn, hier im Büro zu sitzen.“ Dieser Nachmittag war für mich der Inbegriff der Teambildung und hat mir beigebracht, auf was es in meinen Job ankommt: Ruhig bleiben und Nerven bewahren

9. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Über mich selber und die Euro-Schwäche. Wirtschaftlich ist ein schwacher Euro ja gut, aber ich hab meine große US-Dollar-Position zu früh verkauft

10. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?


Da gibt es schon ein paar Politiker, aber ich möchte dazu weiter nichts sagen. Sonst würde ich Gefahr laufen, auf die Abhörliste einiger internationaler Geheimdienste zu kommen

11. Was sammeln Sie?

Oje, fast peinlich: Kühlschrankmagneten. Meine Frau hat damit angefangen, und dann habe ich aus Scherz auf jeder Reise die kitschigsten Magneten gekauft, die ich finden konnte. Mittlerweile mache ich das in vollem Ernst: Der neueste kommt von einer Geschäftsreise nach Dubai und zeigt ein Kamel und einen Hubschrauber

12. Wann schalten Sie Ihr Handy aus?


Im Flugzeug

13. Wem folgen Sie auf Twitter?

Viele Leute lieben Twitter, ich bin kein Fan. Ich habe zwar einen Account, aber verwende ihn gar nicht

14. Ihre liebste TV-Serie?


Das müsste ich mich jetzt entscheiden – zwischen House of Cards und Game of Thrones

15. Und wo schalten Sie sofort ab?

Bei Tennis

16. Was weckt eher Ihre Leidenschaft – Fußball oder Rockmusik?

Rockmusik

17. Welches Konzert haben Sie jüngst besucht?


Bruce Springsteen im Hydepark im Sommer 2012, als die Veranstalter ihm den Strom abgedreht haben

18. Auf welchen Luxusartikel würden Sie nur ungern verzichten?


Lustenauer Senf. Ich bin Vorarlberger, wir sind alle süchtig danach

19. Und wofür würden Sie notfalls sogar Ihr Konto überziehen?

Außer für eine Hypothek auf ein Haus für gar nichts. Was ich mir nicht leisten kann, kaufe ich nicht

20. Wein oder Bier zum Essen?


Bier in Deutschland und Österreich und Wein in England, weil das Bier auf der Insel nicht so überzeugend ist

21. Welches Hilfsprojekt haben Sie jüngst finanziell unterstützt?


Jedes Jahr wählen wir Mitarbeiter von Barings eine Charity, die wir gemeinsam unterstützen. Dieses Jahr ist es Action for A-T – eine Organisation, die sich um Kinder mit dem Louis-Bar-Syndrom kümmert

22. Wo wollen Sie leben, wenn Sie einmal nicht mehr Fondsmanager sind?


Im Winter in den Bergen und im Sommer am Strand

Hartwig Kos

Der 1978 in Bregenz geborene Österreicher studiert nach dem Abitur Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel, wo er unter anderem eine Reihe von Vorlesungen beim Derivate-Spezialisten Heinz Zimmermann belegt und sich in seiner Dissertation mit Prognose-Modellen für die europäischen Aktienmärkte beschäftigt. Nachdem er sein Studium 2003 abgeschlossen hat, besucht Kos die Cass Business School in London und erwirbt dort einen Master in Investment Management. Seine berufliche Karriere beginnt er im September 2005 als Analyst in der Global Multi Asset Group von Baring Asset Management. Im August 2008 wechselt er ins Fondsmanagement und betreut zunächst Multi-Asset-Portfolios. Seit der Auflage im Juni 2011 verantwortet er den Baring Dynamic Emerging Market Fund, seit September 2014 auch den Baring Euro Dynamic Asset Allocation.

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