22 Fragen an Jochen Knoesel „Ich bin sehr froh, nie in einer Bank gearbeitet zu haben“

Eigener Kopf und eigene Meinung: Jochen Knoesel, geschäftsführender Gesellschafter von Knoesel & Ronge in Würzburg | © Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung

Eigener Kopf und eigene Meinung: Jochen Knoesel, geschäftsführender Gesellschafter von Knoesel & Ronge in Würzburg Foto: Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Im Alter von 7 Jahren erklärte mir mein Vater, dass man sein Geld zur sicheren Aufbewahrung auf die Bank bringen könnte und dafür von der Bank sogar noch eine Belohnung in Form von Zinsen erhält (ja damals gab es das noch…)

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

… in anderer Weise unternehmerisch tätig. Ich habe bereits früh in meinem Leben gemerkt, dass ich nicht für die Arbeit in einem Konzern geschaffen bin

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Nein, ich finde, man sollte immer seinen eigenen Kopf und seine eigene Meinung haben. Deshalb bin ich auch sehr froh, nie in einer Bank gearbeitet zu haben, weil diese Art zu denken dort nach meiner Wahrnehmung nicht kultiviert wird. Allerdings gibt es natürlich eine Reihe von Persönlichkeiten in unserer Branche, deren Arbeit und Lebensleistung ich schätze

  1. Welche andere Persönlichkeit fasziniert Sie?

Der Dalai Lama. Unabhängig von persönlichen religiösen Einstellungen eine sehr inspirierende Persönlichkeit

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Eine Lektüre, die einen aus den Details des Tagesgeschäfts holt und den Blick mal wieder auf die ganz großen Zusammenhänge lenkt

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Das ist zum Glück sehr selten der Fall, aber Spaß beiseite: Wir arbeiten täglich hart, um unsere Strategie bestmöglich umzusetzen. Es ist normal, dass es Zeiten gibt, in denen andere Konzepte besser funktionieren. Das sollte nicht dazu führen, dass man seine Linie verlässt

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

In solchen Zeiten ist es wichtig, sich immer vor Augen zu halten, dass auch wieder andere Phasen kommen können und kommen werden. Also nicht euphorisch werden und seriös weiter arbeiten

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Als unser Fonds Anfang 2016 die Marke von 100 Millionen Euro Fondsvermögen geknackt hat, haben wir uns schon sehr gefreut, dass das Produkt so gut angenommen wird

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

Keinem. Um ein verpasstes Investment zu bereuen, müsste ich ja heute der Meinung sein, dass die Entscheidung damals falsch war. Bei dieser Frage kommt es aber nicht nur auf die erzielte oder nicht erzielte Rendite an, sondern auf das damalige Verhältnis aus Chancen und Risiken bei gegebenem Marktpreis. Bei den nicht getätigten Investments, die für unsere Strategien überhaupt in Frage gekommen wären, hatten wir in der Entscheidungssituation immer gute Gründe, die dagegen gesprochen haben

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Über die Art und Weise, wie die Einführung von Mifid II abgelaufen ist. Obwohl der Einführungstermin um ein Jahr nach hinten verschoben wurde, musste man bis wenige Wochen vor Inkrafttreten auf finale Regelungen warten, die man dann aber bitteschön pünktlich zum 1. Januar 2019 umgesetzt haben sollte

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Den Politikern, die durch ihre Politik über Jahre völlig unrealistische Schadstoff- und Verbrauchsmessung bei PKWs geduldet und gefördert haben und nun die große Empörung über „Dieselgate“ zur Schau tragen