22 Fragen an Wais Samadzada „Star-Wars-Filme anschauen ist Recherche“

Liebt Basketball und schaut auf die Erfolgskonzepte von Außenseitern: Covesto-Chef Wais Samadzada. | © Covesto AM

Liebt Basketball und schaut auf die Erfolgskonzepte von Außenseitern: Covesto-Chef Wais Samadzada. Foto: Covesto AM

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Als ich als Jugendlicher meinen ersten eigenen Lohn ausgezahlt bekam. Ich habe seit meiner Kindheit immer Basketball gespielt und da meine Eltern mir damals kein sündhaft teures Original-Trikot von Michael Jordan kaufen wollten, habe ich angefangen, Zeitungen auszutragen. Nach sechs Wochen in den Sommerferien hatte ich 200 D-Mark zusammen und kaufte mir im Anschluss nicht nur das lang ersehnte Trikot, sondern ebenfalls noch eine Levis-Jeans. Es hat also im Grunde schlappe sechs Minuten gedauert, den Lohn aus sechs Wochen harter Arbeit auszugeben. Rückblickend hat sich dadurch erstmals mein Gefühl für den Wert von Arbeit und die Höhe von Ausgaben verändert

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

Ich bin über den Berufseinstieg als Aktienanalyst zum Fondsmanager geworden. Vor dem Wechsel ins Fondsmanagement habe ich ein eigenes Research-Haus in Hamburg für Small- und Mid-Caps gegründet. Hätte ich mich nicht sehr schnell in die Selbständigkeit begeben und eine Karriere am Kapitalmarkt verfolgt, wäre ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in die Unternehmensberatung gegangen

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Im Fondsmanagement weniger, aber etwas weiter gegriffen finde ich den beruflichen Werdegang von Lebron James wirklich imposant. Er hat bereits als 19-Jähriger in der amerikanischen Basketball-Profiliga unglaubliche Leistungen abgerufen und das Vakuum gefüllt, das Jordan nach seinem Rücktritt hinterlassen hatte. Vielen jungen Menschen wäre so eine Entwicklung sicherlich zu Kopf gestiegen, doch James hat sich stets als toller Teamplayer herausgestellt und versucht, die Mitspieler um ihn herum ebenfalls besser und erfolgreicher zu machen. Heute engagiert er sich in der Philanthropie und unterstützt junge Amerikaner mit Universitäts-Stipendien – meiner Meinung nach ein tolles Vorbild

  1. Welche andere Persönlichkeit imponiert Ihnen oder fasziniert Sie?

Der Gründer von Alibaba, Jack Ma, und vor allem seine Beharrlichkeit darin, sich von Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen. Mas Aufstieg zum reichsten Mann Chinas ist übersät mit persönlichen Niederlagen. Zum Beispiel bestand er drei Mal nicht die Aufnahmeprüfung an der Universität in seiner Heimatstadt Hangzhou, zehn Mal hintereinander wurde er von Harvard abgelehnt und zwischenzeitlich bekam er nicht mal einen Restaurant-Job bei Kentucky Fried Chicken. Obgleich schmerzhaft, haben all diese Erfahrungen Ma exzellent auf seine spätere Karriere als Unternehmer vorbereitet und ihm die Furcht vor dem Scheitern genommen

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Angenehm zu lesen und dennoch lehrreich ist „The Outsiders“ von William Thorndike. Das Buch portraitiert acht recht unkonventionelle CEOs, die es allesamt durch kluge und durchdachte Kapital-Allokations-Entscheidungen zu großem Erfolg gebracht haben. Nach meinem Empfinden haben uns die Amerikaner beim Thema Kapital-Allokation häufig einiges voraus. Das Buch schärft den Blick dafür, welcher Unternehmensleiter nicht nur operativ hervorragend ist, sondern ebenfalls einen klaren Blick darauf hat, wie die Gewinne des Unternehmens am besten reinvestiert werden sollten

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Die Frage impliziert, dass ein kurzfristiges Zurückbleiben hinter der Konkurrenz demotivierend sei. Das empfinde ich überhaupt nicht so. Ich möchte langfristig am Kapitalmarkt erfolgreich sein und Volatilität auf dem Weg dahin gehört einfach dazu. Solange sich meine Investments operativ besser entwickeln als die Konkurrenz, beunruhigt mich ein kurzfristiges Zurückbleiben nicht weiter

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Internes Lob für die gute Analysearbeit sowie gemeinsame Team-Events

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Als ich 2016 angefangen habe, meinen ersten Fonds mit einem Volumen im einstelligen Millionenbereich zu managen, hatte ich eigentlich bereits den Wunsch, zwei weitere befreundete Investoren mit ins Team zu holen. Für den befreundeten Senior fehlte zu diesem Zeitpunkt allerdings das Geld und der Junior wollte noch anderweitige Berufserfahrung sammeln. 2017 sind dann doch noch beide nahezu zeitgleich an Bord gekommen, was mich überaus gefreut hat

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

Ich habe erst vergleichsweise spät angefangen, in Alphabet zu investieren und halte die Position bis heute. Insofern trauere ich hier nicht wirklich etwas nach, aber ich hätte mit meinen Hausaufgaben zu dem Unternehmen deutlich früher beginnen sollen

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Über nichts so richtig, 2018 hat mich bisher vor größeren Unannehmlichkeiten verschont. Von mir aus kann es gerne so bleiben

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Wenn ich etwas nicht ändern kann, dann vergeude ich auch keine Energie in das Thema. Ansonsten packe ich die Sache selbst an und versuche es meinen Vorstellungen entsprechend anzupassen