Anissa Brinkhoff: Erzähl noch mal: Wie war die Situation, als du gesagt hast: "Ich fang jetzt wirklich an, selber zu investieren? 

Katharina Brunsendorf: Das war so Mitte 20, als ich angefangen habe, und ich muss sagen, ich habe es einfach mal gemacht. Im beruflichen Umfeld gab es Leute, die es erklären konnten. Ich habe relativ schnell gemerkt, dass es gar nicht so eine große Aufgabe und gar nicht so komplex ist. Also habe ich es einfach mal ausprobiert. Ich wusste, ich kann diese 25 Euro investieren, und ich habe sie auch schon für andere Dinge ausgegeben. Deshalb habe ich gesagt: "Ich probiere es jetzt aus." Es ist digital, ich habe die Kontrolle darüber und kann es verändern. 

Gleichzeitig habe ich auch angefangen, mehr Geld beiseitezulegen, da mein Partner und ich eine Immobilie kaufen wollten. Die kam dann schneller als erwartet, und deshalb musste ich das Investieren vorerst pausieren, da wir viel Geld für die Immobilie und Eigenkapital benötigten. Nachdem wir die Immobilie hatten, habe ich das Thema neu geordnet und eine Gesamtstrategie entwickelt. Ich habe überlegt, wie viel ich monatlich wirklich beiseitelegen möchte. Was ist für meine Altersvorsorge? Was legen wir gemeinsam für gemeinsame Ziele beiseite? Was lege ich für kurzfristige Bedürfnisse zurück? Das habe ich dann anders sortiert. 

Schritt 1: Offen über Finanzen sprechen! 

Anissa Brinkhoff: Da steckt ja schon einiges drin. Investieren ist keine lineare Geschichte. Es gibt Zeiten, in denen man mehr oder weniger Geld zur Verfügung hat. Erkläre uns doch noch einmal, warum gerade Frauen sich mit dem Thema Investieren und Geldanlage beschäftigen sollten. Und wieso habt ihr dazu eine eigene Initiative gegründet? 

Katharina Brunsendorf: Frauen verdienen oft weniger und arbeiten weniger, zum Beispiel in Teilzeit aufgrund von Care-Arbeit. Wir bleiben häufiger länger in Teilzeit. Das hat Auswirkungen auf unsere Rente, die dadurch niedriger ausfällt. Wir müssen dem entgegenwirken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie wir vorsorgen und handeln können, aber auch darüber sprechen, wie wir mehr Einkommen erzielen können. Vor allem ist es wichtig, in Partnerschaften einen Ausgleich zu finden. 

Als ich 2016 bei einer Bank angefangen habe, habe ich es einfach mal ausprobiert, weil ich dachte, schlimm kann es nicht werden. Schnell habe ich festgestellt, dass viele Kolleginnen und Kollegen ähnlich denken. Alle, die nicht so nah dran sind, die das nicht gelernt oder studiert haben, standen vor denselben Herausforderungen. Wir haben uns ausgetauscht und uns gefragt: "Wie hast du angefangen? Was machen wir jetzt?" Es ist gar nicht so schwer. Wenn man sich die verschiedenen Studien ansieht, wird klar, wie wichtig es gerade für uns Frauen ist, vorzusorgen und aktiv zu werden. Deshalb haben wir beschlossen, Verantwortung zu übernehmen und ein Angebot zu schaffen. 

Unser Ansatz bei Finanz-Heldinnen ist es, das Thema grundsätzlich anzugehen und Wissensangebote zu schaffen, die uns auf unserem Weg begleiten, und das auf den Plattformen, die uns interessieren. Für mich persönlich wäre es unwahrscheinlich, ein Buch über Finanzen zu lesen, selbst wenn es sehr hilfreich wäre. Ich verbringe meine Zeit lieber auf Instagram oder höre Podcasts. Deshalb haben wir verschiedene Formate entwickelt, die das Wissen auf unterschiedliche Weise präsentieren, wie beispielsweise Reels auf Instagram oder unseren Podcast. Mittlerweile haben wir auch ein Buch. Wir möchten Frauen für das Thema begeistern und ihnen Lust darauf machen. Wir wissen alle, dass man nichts anfängt, wenn man keine Lust dazu hat. Deshalb müssen wir Motivation schaffen. Wir möchten die finanzielle Situation in den Kontext des Lebens setzen und von den Bedürfnissen ausgehen. Wir sprechen über die Zukunft, über Träume, Lebensplanung und versuchen, den Zusammenhang zur Finanzierung herzustellen. 

Anissa Brinkhoff: Dieser Austausch ist ein Gamechanger, finde ich. Lass uns jetzt inhaltlich starten. Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren? 

Katharina Brunsendorf: Beim Sparen lege ich Geld beiseite und lasse es liegen. Es wird in der Regel nicht verzinst. Selbst wenn die Zinsen bei Tagesgeldkonten momentan etwas steigen, sind sie immer noch niedrig. Bei einer Investition möchte ich mein Geld vermehren oder die Möglichkeit schaffen, dass es für mich arbeitet. Es gibt verschiedene Formen der Investition, zum Beispiel Wertpapiere. Bei Wertpapieren investiere ich Geld, es arbeitet für mich, und ich habe die Chance auf eine Gewinnausschüttung. 

Schritt 2: Die beste Strategie für sich selbst finden 

Anissa Brinkhoff: Das ist interessant. Welche Möglichkeiten gibt es für Investitionen? Die Auswahl ist ja vielfältig. Du hast bereits Aktien erwähnt. Du hast auch Immobilien erwähnt, weil du mit deinem Partner eine gekauft hast. Was sind noch die gängigen Assetklassen, die man kennen sollte? 

Katharina Brunsendorf: Neben Aktien, Anleihen, ETFs und Fonds gibt es Immobilien. Theoretisch gibt es auch Kryptowährungen. Es gibt klassische Anlagemöglichkeiten wie Tagesgeld, aber auch ungewöhnlichere wie Kunst, Schmuck, Uhren, Oldtimer und NFTs. Es gibt viele Möglichkeiten. Es ist wichtig, herauszufinden, wo meine Expertise liegt und womit ich mich beschäftigen möchte. Vielleicht bin ich ein Experte für Oldtimer, habe gute Kenntnisse und kann einschätzen, welcher Preis angemessen ist und dass er in ein paar Jahren steigen wird. Dann kann es genauso gut eine Investition sein wie ein Wertpapier an der Börse. 

Anissa Brinkhoff: Das finde ich sehr wichtig. Es muss nicht für jeden dasselbe passend sein. Es ist völlig in Ordnung, am Anfang auszuprobieren, was einem liegt. Beim Einarbeiten merkt man oft, ob es einen reizt, mehr darüber zu lernen. 

Katharina Brunsendorf: Absolut. In unserem Podcast haben wir verschiedene Episoden zu diesen Themen gemacht, um einen ersten Einblick zu geben. Ich hatte spannende Gespräche mit einer Gastrednerin, die über Uhren und Diamanten sprach. Sie ist der Typ, der sehen muss, worin sie investiert. Sie hat den Blick dafür und es macht ihr auch Spaß. Das ist wichtig. 

Persönlich habe ich eine Strategie entwickelt. Ich habe mir Ziele gesetzt und überlegt, wie viel ich dafür benötige. Für meine Altersvorsorge nutze ich ETFs und lasse sie einfach laufen. Ich habe keine Lust, mich ständig damit zu beschäftigen und zu schauen, was ich tun muss. Es gibt viele interessante Themen, aber nur weil sie interessant sind, heißt das nicht, dass ich sie umsetzen muss. Wenn mir jemand den tollsten Tipp gibt, eine Einzelaktie zu kaufen, sage ich vielleicht: "Das passt vielleicht gut in deren Portfolio, aber es passt überhaupt nicht zu meiner Strategie." Es ist zu wenig diversifiziert. Vielleicht kaufe ich es aus Interesse, um es zu beobachten, aber es passt nicht in meine langfristige Strategie. Es ist wichtig, dieses Verständnis zu entwickeln und nicht immer von anderen zu kopieren. Finde deinen eigenen Weg. Es ist extrem wichtig, seinen eigenen Weg zu finden und festzulegen.

Schritt 3: Die Börse kennenlernen 

Anissa Brinkhoff: Absolut. Wir möchten heute über die Börse und wie man dort investiert sprechen. Kannst du erklären, was die Börse ist? Was passiert dort eigentlich? Was haben Banken und Aktien damit zu tun? 

Katharina Brunsendorf: Es gibt Börsen an vielen Orten. Der Ursprung liegt weit zurück, als Bauern ihr Vieh auf einer Börse gehandelt haben. Die Kuh ging von einem Bauern zum nächsten, genauso wie ein Sack Getreide. Heutzutage ist es genauso mit Wertpapieren. Früher, bis vor einigen Jahrzehnten, wurden Wertpapiere auf Papier ausgegeben und aufbewahrt. Heute ist alles digital. Die Börse ist ein Marktplatz, an dem Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Ich frage nach Wertpapieren und schaue nach dem Angebot. Banken stellen digitale Schließfächer, also Depots, bereit, in denen die digitalen Wertpapiere verwahrt werden. Ich kann mich entweder auf meinem Handy oder am Desktop einloggen und den Kurs überprüfen. Sie zeigen mir die verschiedenen Börsen, an denen ich handeln kann, mit unterschiedlichen Preisen. Das kommt alles durch Angebot und Nachfrage zustande. Im Grunde genommen ist es ein Marktplatz, an dem man etwas austauschen kann. 

Anissa Brinkhoff: Ein wichtiger Punkt, den du gerade erwähnt hast, ist das Depot. Es ist im Grunde genommen wie ein Konto, das wir für unsere täglichen Geldtransfers nutzen, nur für unsere Investitionen. Man kann ein Depot ganz einfach digital eröffnen. Wie hast du entschieden, welches Depot zu dir passt? Ist das überhaupt eine große Frage? Wie intensiv muss man sich damit auseinandersetzen, bevor man den ersten Kauf oder die erste Investition tätigt? 

Katharina Brunsendorf: Ich glaube, das Wichtigste ist, sich wirklich mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Nur weil das Depot auf dem Handy für dich richtig ist, bedeutet das nicht, dass es für mich passen muss. Zudem sollte man im Hinterkopf behalten, dass ein Depot keine lebenslange Entscheidung ist. Es gibt die Möglichkeit, das Depot zu wechseln, ähnlich wie bei einem Kontowechsel. Ich habe bei einer Filialbank angefangen und mich beraten lassen. Es hat sich zunächst besser angefühlt. Aber es hat nicht lange gedauert, bis ich ein zweites Depot bei einer digitalen Bank hatte, das ich jederzeit auf meinem Handy oder am Desktop einsehen konnte. Es hat zu mir gepasst. Das andere Depot habe ich aufgegeben und nur noch das neue genutzt. Hier sieht man, dass die Benutzerfreundlichkeit wichtig ist. Was ist mir wichtig? Handy, Desktop, persönlicher Kontakt? Benötige ich Beratung oder nicht? Möchte ich telefonisch oder im Chat mit jemandem kommunizieren können? Oder benötige ich das vielleicht gar nicht? Kosten sind auch ein Faktor. In einer Filialbank sind die Kosten deutlich höher und es werden möglicherweise andere Produkte angeboten als bei selbstständigem Handeln. Diese Punkte sollten beachtet werden, um eine Entscheidung zu treffen. 

Wichtiger Tipp: Keine Angst vor Verlusten! 

Anissa Brinkhoff: Wie bei allen anderen Themen im Leben ist es normal, dass man Fehler macht und ständig dazulernt. Man kann sich immer wieder Unterstützung holen. Lass uns zu den Produkten kommen, die man in einem Depot kaufen kann. Was ist eine Aktie? Kannst du das einfach erklären? 

Katharina Brunsendorf: Mit einer Aktie werde ich Miteigentümerin eines Unternehmens. Das bedeutet, dass ich für meinen Anteil Geld investiere und somit Anteile des Unternehmens besitze. Ich werde möglicherweise zur Aktionärsversammlung eingeladen und habe die Chance, Dividenden zu erhalten, also am Gewinn des Unternehmens teilzuhaben. Es kann jedoch auch andersherum funktionieren: Wenn es dem Unternehmen nicht gut geht, sinkt in der Regel die Nachfrage nach der Aktie. Das bedeutet, dass der Börsenkurs fällt.  

Das heißt jedoch nicht automatisch, dass ich Verluste gemacht habe. Wenn der Aktienwert sinkt und ich dann verkaufe, realisiere ich Verluste. Das sollte einem bewusst sein. Oft sprechen wir davon, dass man Miteigentümer wird und Dividenden erhält, und alles geht nur nach oben. Aber der Wert einer Aktie kann auch fallen. Es ist wichtig, eine Strategie zu haben und an diese zu glauben. Was sagen die Unternehmen bei Aktionärsversammlungen? Was sind ihre Zukunftspläne? Wie verständlich sind diese Pläne für mich? Durch den Kauf einer Aktie bin ich in diese Prozesse involviert. 

Dies war ein Auszug aus dem Interview mit Katharina Brunsendorf. Das Interview in voller Länge gibt es [hier] zu hören.

 

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