3 Stimmen zum Klimagipfel in Madrid „Das wird unserem Planeten nur wenig bringen“

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Für Menschen und Verbraucher zeigen Studentenstreiks und Klimaproteste zusammen mit dem Rückgang des Fleischkonsums ein Umdenken, das nicht ignoriert werden darf. Der Wandel, der sich in der Weltwirtschaft vollzieht, erfordert massive Investitionen, von denen diejenigen Unternehmen profitieren werden, die daran arbeiten, sich den ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Von dem außergewöhnlichen Wachstumspotenzial dieser Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten zu profitieren, ist genau das, worum es bei Investitionen geht: die Auswahl von Vermögenswerten, die einen positiven und messbaren Einfluss auf die Gesellschaft haben, während sie gleichzeitig den Investoren einen attraktiven Ausblick bieten.

Es stellt sich auch die Frage, ob ein Unternehmen in der Lage ist, eine führende Position in seinem Bereich einzunehmen oder nicht. Unternehmen mit positiver Wirkung tragen dazu bei, die Grundlagen für nachhaltiges Wachstum und eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen, im Gegensatz zur Wegwerfkultur, die natürliche Ressourcen verbraucht. Der Weg zur Verbreitung dieser Praktiken ist jedoch lang. Heute entsprechen nur 9,1 Prozent der Weltwirtschaft den Kriterien der Kreislaufwirtschaft. Hier spielt die Impact-Investition eine wichtige Rolle, sowohl für den Erhalt des Planeten als auch für die Aufrechterhaltung der Anlageperformance.

Christian Wessels, Gründer und Geschäftsführer des Solarenergieunternehmens Daystar Power in Lagos, Nigeria

Klimaschutz darf um Afrika keinen Bogen machen

Die Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad wird im Fokus der Weltklimakonferenz stehen. Eine mögliche Lösung, die in Madrid diskutiert werden wird, ist die weltweite Etablierung des Handels mit Verschmutzungsrechten. Der Emissionshandel ist prinzipiell eine sinnvolle Möglichkeit, den CO2-Ausstoß auf globaler Ebene zu senken. In der Praxis stößt dieses Prinzip jedoch immer wieder auf Probleme wie z.B. die zeitweilig zu niedrigen Preise der Zertifikate, die nicht immer ausreichen, um notwendige klimaschonende Investitionen bei den Verursachern anzustoßen.

Dabei steht man in Afrika vor einem zweifachen Problem: Erstens gibt es kein flächendeckendes Energieversorgungsnetz, in das Erzeuger einspeisen könnten. Der Strom wird stattdessen – zweitens – dezentral durch Dieselgeneratoren erzeugt. Diese Praxis ist nicht nur ökonomisch unsinnig, sie ist auch ökologisch äußerst fragwürdig. Und diese Problematik wird durch einen wie auch immer gearteten Emissionshandel kaum berührt.

Hinzu kommt: Etwa 40 Prozent der Bevölkerung Afrikas haben überhaupt keinen Zugang zu Strom – und somit auch keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und zu ausreichender Beteiligung am sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben. Dies verdeutlicht die außerordentliche Dimension der afrikanischen Energiefrage, denn in Afrika geht es um weit mehr, als „nur“ um die Eingrenzung der Erderwärmung. Die afrikanische Energiefrage lässt sich nicht allein durch eine Verbesserung des Emissionshandels lösen: Aufgrund der großen Entwicklungsunterschiede benötigt Afrika dezentrale und speziell auf den Kontinent zugeschnittene Lösungen.

Gleichzeitig stellt beispielsweise die moderne Solartechnologie eine Chance für Afrika dar, sich wirtschaftlich eigenständig zu entwickeln. Flüchtlinge, die seit Jahren über das Mittelmeer nach Europa strömen, sind nicht nur Kriegs- und Krisenflüchtlinge; es sind auch Bildungsdefizits-, Chancenarmuts- und letzten Endes Klimaflüchtlinge. Die intelligente Nutzung von Solarenergie, einem in Afrika unbegrenzt verfügbaren Rohstoff, dient in Afrika als Schlüsseltechnologie, die die Grundlage für weitere Investitionen in Industrie, Gesundheit und Bildung liefern wird. Um diese Technologie weiter ausbauen zu können, benötigt es verbindliche finanzielle Zusagen von Kapitalgebern aus der Privatwirtschaft, von NGO und auch von den europäischen Regierungen. Die Sensibilisierung der Finanzwirtschaft für diese Problematik, die gleichsam auch eine Chance vor dem Hintergrund der weltweiten Niedrigzinspolitik darstellt, sollte ebenfalls in Madrid – und in späteren Klimagipfeln thematisiert werden.

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