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31 Prozent Verlust

Schlechteste Bonds der Welt kommen aus Venezuela

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Dollar-Papiere aus Venezuela bescherten Investoren im Jahr 2014 einen durchschnittlichen Verlust von 31 Prozent. Das ist ein größeres Minus als bei jedem anderen Land, das von Bloomberg beobachtet wird. In der Ukraine, dem zweitschlechtesten Bondmarkt, fiel der Verlust nur etwa halb so hoch aus.

Die übrigen Schwellenländerbonds brachten im Schnitt einen Gewinn für die Investoren ein. Industrieländeranleihen als Ganzes kamen 2014 im Durchschnitt auf etwa 0,3 Prozent Verlust.

Venezuela, wo es einen Mangel an allem, von Milch bis Medikamenten, sowie die welthöchste Inflation gibt, erlitt dieses Jahr nicht zuletzt auf Grund des Einbruchs bei den Öl- Preisen sowie schrumpfender Devisenreserven eine Vertrauenskrise bei den Anleiheinvestoren. Die implizierte Wahrscheinlichkeit, dass es bei dem Land in den kommenden fünf Jahren zu einem Zahlungsausfall kommen wird, kletterte auf 90 Prozent. Auch dies ist der höchste Wert in der gesamten Welt.

“Russland ist in die Ukraine einmarschiert, Argentinien hatte einen Zahlungsausfall - und trotzdem geht es ihnen noch besser”, sagte Ray Zucaro, Vermögensverwalter bei SW Asset Management, gegenüber Bloomberg News. “Für schlechte Zeiten gespart haben sie nicht” in Venezuela, fügte er an.

Der Preis für Öl aus Venezuela ist im Vergleich zum diesjährigen Hoch im Juni um mehr als die Hälfte auf zuletzt 48 Dollar je Barrel eingebrochen, wie Präsident Nicolas Maduro vor kurzem erklärte. Öl steht immerhin hinter mehr als 95 Prozent der Exporte des Landes.

Mit einem Ölpreis unter 50 Dollar je Barrel wird der Auslandsfinanzierungsbedarf des Landes im Jahr 2015 auf 35,4 Milliarden Dollar ansteigen. Das geht aus Prognosen von Bank of America hervor.

Die Devisenreserven lagen zuletzt bei 22,5 Milliarden Dollar. Die Summe reicht aus, um Auslandsschulden der Regierung und des staatlichen Ölkonzerns Petroleos de Venezuela (PDVSA) für etwa zwei Jahre zu bedienen. Die Zentralbank hatte unlängst erklärt, sie werde die Definition der Reserven auf Diamanten, andere Edelsteine und konvertible Währungen ausweiten.

Auch die Konten außerhalb des Haushalts, die keinerlei Aufsicht des Parlaments unterliegen, sind im zurückliegenden Jahr um rund 64 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Das erklärte die Analysegesellschaft Eurasia Group unter Berufung auf Daten des Marktforschers Ecoanalitica in Caracas.

“Es gibt keine regelmäßigen Rechenschaftsberichte darüber, wie viel und welche Art von Vermögenswerten in diesen Konten enthalten sind”, sagte Hernan Yellati, der Chef für Analysen bei Banctrust & Co. “Im Zusammenspiel mit den stark eingebrochenen Ölpreisen fragen sich Investoren, ob Venezuela wirklich das Geld hat, um den Schuldendienst zu leisten. Einen solch explosiven Cocktail hat es in 15 Jahren Chavismo nicht gegeben”, fügte er mit Bezug auf Hugo Chavez, den früheren Präsidenten, hinzu.

Theoretisch sollte Venezuela in der Lage sein, den Schuldendienst für den Staat und PDVSA im Jahr 2015 mit Hilfe einiger Anpassungen bewältigen zu können, sagte Lucila Broide, Leiterin Anleihe-Analyse bei Oppenheimer & Co. Solche Anpassungen könnten ihrer Meinung eine Anhebung der inländischen Benzinpreise, eine Verringerung der Ölsubventionen für befreundete Karibikländer sowie eine verstärkte Kreditaufnahme in China umfassen.

Kollegin Risa Grais-Targow von Eurasia hält derartige Anpassungen für unwahrscheinlich. Sie verwies auf die sinkende Beliebtheit von Maduro angesichts einer Inflation von 63 Prozent und dem Mangel an vielen Grundbedarfsgütern.

“Es sieht schrecklich aus. Aber ist vorstellbar, dass es ein weiteres Jahr gibt, in dem sie sich durchwurschteln und die Dinge schlimmer werden”, sagte Paulo Vieira da Cunha, Chef-Volkswirt beim Hedgefonds Ice Canyon.

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