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345 Millionen Euro Schaden: Helmut Kiener vor Gericht

Mehr als drei Stunden brauchte die Staatsanwaltschaft des Würzburger Landgerichts, allein um die Vorwürfe in einem der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland vorzutragen. Sie legt dem Aschaffener Diplom-Psychologen und zweifachen Vater Betrug in 35 Fällen, Urkundenfälschung in 86 Fällen und Steuerhinterziehung in 5 Fällen vor.

Kiener sitzt seit Ende Oktober wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue  in Untersuchungshaft. Er soll die Großbanken Barclays und BNP Paribas um mehr als 200 Millionen Euro betrogen haben. Auch knapp 5.000 Privatsparer haben über Zertifikate und Genussscheine ihr Geld in die K1-Fonds gesteckt. Insgesamt beträgt der durch Kiener verursachte Schaden nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 345 Millionen Euro.

Ein bis zwei Drittel des bilanzierten Anlagevermögens der beiden Fonds seien „Luftnummern“ gewesen, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ die Staatsanwältin Katja Weisensel-Kuhn. Um potenzielle Investoren zu blenden, soll Kiener Depot- und Kontoauszüge gefälscht und Märchen über die Anlagestrategie seiner Finanzprodukte erzählt haben. Mit dem Geld der gutgläubigen Investoren soll der 51-Jährige hauptsächlich seinen luxuriösen Lebensstil finanziert haben. So besaß der von den Medien auch als „Mini-Madoff“ bezeichnete mutmaßliche Finanzbetrüger zwei Privatflugzeuge, einen Helikopter sowie eine Millionenvilla im US-Bundesstaat Florida.

Auch ein mutmaßlicher Komplize Kieners muss sich wegen Beihilfe zum Betrug verantworten. Ein zweiter Geschäftspartner, der ebenfalls unter Verdacht stand, hat sich im Juli vergangenen Jahres erschossen, als die Polizei ihn in seiner Villa auf Mallorca festnehmen wollte.

Laut Medienberichten wurden bis Ende Juni 18 weitere Verhandlungstage festgesetzt. Legt Kiener kein Geständnis ab, könnte sich der Prozess bis ins nächste Jahr hinziehen. Viel Geld werden die Anleger wohl nicht wieder zurück bekommen: Die beiden Fonds sind nahezu wertlos
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