34f-Vermittler

Wie Maklerpools Finanzberatern bei der jährlichen Wirtschaftsprüfung helfen

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Eine der wesentlichen Neuerungen bei der Neuregulierung der Finanzanlagenvermittlung über die Finanzanlagenvermittlerverordnung (FinVermV) ist die Wirtschaftsprüfung. Zu Jahresende 2014 mussten alle Vermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung erstmals ihre Prüfberichte für das Geschäftsjahr 2013 bei der zuständigen Behörde – je nach Bundesland einer IHK oder einer staatlichen Behörde – einreichen.

Dazu mussten sie zwingend einen Wirtschaftsprüfer oder einen Steuerberater mit ausreichenden Kenntnissen der Materie beauftragen. Die Vorgaben für diese Prüfung standen allerdings erst sehr spät fest – sowohl die FinVermV als auch der später formulierte IDW-Standard wurden erst nach Beginn des ersten Prüfjahres 2013 abgefasst. Daher war mit vielfältigen Problemen gerechnet worden. Unabhängige Experten bezweifelten, dass die rund 40.000 Vermittler in der Lage sein würden, rechtzeitig und ausreichend ihrer Pflicht nachzukommen.

Prüfthema wurde unterschätzt

„Anfänglich wurde das Thema Wirtschaftsprüfung im Rahmen der Vorschriften des Paragraf 34f sicherlich unterschätzt. Mittlerweile registrieren wir allerdings eine immer höhere Nachfrage unserer Poolpartner nach unserem Rahmenprogramm mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Auch deshalb, weil sich die Poolpartner damit die mühsame und zeitaufwändige Suche nach einem geeigneten Wirtschaftsprüfer sparen“, betont Sebastian Grabmaier, Vorstandschef der Jung, DMS & Cie.
 
Die Maklerpools hatten vorgesorgt und sich mit Expertise versorgt. „Wir haben rechtzeitig Vereinbarungen mit der BDO für Netfonds-Vermittler und der GPC Tax für Argentos-Vermittler geschlossen, um eine kostengünstige Prüfung zu ermöglichen. Außerdem haben wir unsere Poolsoftware angepasst, um eine medienbruchfreie Verarbeitung der Dokumente zu gewährleisten“, teilt Martin Steinmeyer, Vorstand der Netfonds, mit.

Mit BDO kooperieren auf diesem Feld auch noch andere Pools wie die Fonds Finanz. BCA hingegen entschied sich für die Wirtschaftsprüfer von Dohm Schmidt Janka. „BCA-Partner können sich auf einen nachvollziehbaren und klar strukturierten Prüfungsprozess stützen. Besonders effizient gestaltet sich der Prüfungsprozess für Makler, die für die Abwicklung ausschließlich die Investmentsoftware der BCA nutzen“, sagt Mirko Faust, Marketingleiter der BCA.

IT-Tools senken Prüfkosten

Die Pools setzen aus Kosten- und Effizienzgründen auf einen möglichst vollständig elektronisch gestützten Prüfungsprozesses mit automatisierten Prüfungsprogrammen, Checklisten und Dokumentationsstandards. „Neben der Nutzung eines vollelektronischen Tools können unsere Vermittler die Unterlagen auch via USB-Stick, DVD- oder CD-ROM einreichen. Wir halten unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten bereit und unterstützen unsere Makler bei der Abwicklung“, so Tim Bröning, Mitglied der Geschäftsleitung bei Fonds Finanz. Die Münchner planen mit ihrer neuen Investment-Plattform künftig eine automatische Archivierung sämtlicher Vermittlungsunterlagen.

Ursprüngliche Befürchtungen, die Angebote der Pools seien womöglich zu oberflächlich konzipiert und haftungstechnisch problematisch, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Die zuständigen Prüfbehörden haben zwar durchaus eingeschränkte Prüfvermerke und fehlerhafte Prüfberichte registriert. Dies scheint sich aber im Rahmen zu halten und der erstmaligen Durchführung der 34f-Prüfung geschuldet zu sein. Von einem systemimmanenten Problem kann offensichtlich keine Rede sein.

Kosten deutlich unter 1.000 Euro

Ursprünglich hatte das Bundeswirtschaftsministerium mit jährlichen Kosten für die 34f-Vermittler von rund 1.200 Euro für die Prüfung gerechnet. Die Angebote der Pools – aber auch von freien großen Steuerberaterkanzleien – liegen deutlich darunter.

„Abhängig vom Umsatz bewegt sich unser Angebot zwischen 350 und 590 Euro. Rund 500 unserer Partner haben es angenommen“, sagt Netfonds-Vorstand Steinmeyer. Bei Jung, DMS & Cie. gibt es Preisstaffelungen zwischen 350 und 750 Euro plus Umsatzsteuer. „Die Kosten für die Prüfung im Standardverfahren richten sich grundsätzlich nach dem Prüfungsaufwand und beginnen bei unter 450 Euro zuzüglich Umsatzsteuer“, heißt es hierzu von der BCA.

Doch nicht alle einem Pool angeschlossenen Makler haben im ersten Anlauf ein Pool-Angebot genutzt. Viele vertrauten auch ihrem bisherigen Steuerberater. „Sie haben meist ihnen persönlich bekannte Steuerberater und Wirtschaftsprüfer beauftragt und in diversen Fällen Probleme bekommen. Die Prüfer waren mit den Prüfprozessen unserer Plattform nicht vertraut und mussten sich oft erst in den IDW-Prüfungsstandard und die FinVermV einarbeiten“, weiß Netfonds-Chef Steinmeyer aus der Praxis zu berichten. Das Ergebnis: mehr Aufwand und höhere Kosten. „Manche Prüfer waren schlichtweg überfordert, so Steinmeyer.

Die Branche kann der einst als lästig empfundenen Pflicht aber auch etwas Positives abgewinnen. „Wir beobachten, dass mit den Prüf-Anforderungen im Kopf der Beratungsprozess deutlich strukturierter und professioneller umgesetzt wird als zuvor. Die detaillierte Profilierung der Kunden erlaubt den Maklern zielgenauere Lösungen und neue Vertriebsansätze“, so der Netfonds-Vorstand.

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