DAS INVESTMENT: Herr Rahn, zum Einstieg: Wie sieht Ihr Anlagekonzept aus?

Jörg Rahn: Unsere Anlagestrategie basiert auf drei Säulen: Größter Baustein sind die Small- und Mid-Caps aus dem deutschsprachigen Raum, weil wir hier eine ausgeprägte Expertise haben. Mein Kollege Marc Niemann betreut dieses Segment seit 20 Jahren und kennt die Aktien wie seine Westentasche. Wenn man sich hier gut auskennt, lässt sich ein Mehrwert, das gesuchte Alpha, erzielen. Den Allokationsbaustein von Small und Mid Caps setzen wir bei uns sehr variabel ein. Die jeweiligen Aktien werden flexibel mal stärker gewichtet, mal geringer.

Im Gegensatz halten wir die Gewichtung globaler Qualitätsaktien im Portfolio relativ konstant. Wir setzen hier auf Unternehmen mit einer starken Marktposition, die wenig angreifbar ist und langfristig hohe Wachstumsraten aufweist. Dieser Baustein ist sehr USA-lastig, aber auch Aktien von europäischen Unternehmen sind vertreten, die ich seit vielen Jahren kenne und auf ihrem Entwicklungsweg begleitet habe.

Als dritte Säule in unserem Mischfonds 3D Invest Top Select halten wir alternative Anlagen im Portfolio. Wir investieren in erster Linie in Anleihen, und bauen bei günstiger Gelegenheit auch z.B. mal eine Position im chinesischen Aktienmarkt auf. Wenn sich Opportunitäten bei Werten auftun, die in den ersten beiden Säulen nicht abgedeckt sind, greifen wir zu. Beispielsweise haben wir vor nicht allzu langer Zeit eine deutlich über zehnprozentige Gewichtung von Edelmetallen im Portfolio gehabt, die wir inzwischen wieder in den neutralen Bereich von 5 Prozent zurückgefahren haben. Denn Gold dient aktuell nicht als der große Diversifikator und Inflationsschutz: Es bestehen Zinsrisiken, weil Gold und andere Edelmetalle unter steigenden Zinsen leiden, welche die Opportunitätskosten von Gold erhöhen. 

Was spricht jetzt für Mittelstandsaktien?

Rahn: Ziel unserer Arbeit ist es, Aktien mit ungerechtfertigten Bewertungsabschlägen zu finden. Der Markt ist derzeit sehr attraktiv: Wir sehen historisch günstige Bewertungen mit einem sehr starken Abschlag gegenüber globalen Large Caps und den gehypten KI-Titeln. Wir sehen Perlen, die bislang noch weit unterschätzt sind. Die Werte leiden derzeit unter der aktuell schlechten politischen Stimmung in Deutschland. In der Wirtschaft hingegen sieht es anders aus: Eine ganze Reihe von Konjunkturindikatoren zeigt seit Jahresanfang wieder nach oben – Teile der Wirtschaft entwickeln sich überraschend gut.

Könnten Sie einige Mittelstandsaktien-Titel als Beispiele nennen?

Rahn: Wir sind positiv für einzelne Nischenplayer aufgestellt, die nicht zuletzt von der KI-Entwicklung profitieren können. Zum Beispiel Basler. Das Unternehmen aus Ahrensburg nordöstlich von Hamburg entwickelt und produziert Industriekameras und Bildverarbeitungslösungen, die unter anderem zur automatisierten Inspektion und Qualitätskontrolle in der Halbleiterproduktion eingesetzt werden. Die Firma ist sehr gut positioniert, hat volle Auftragsbücher und wächst sehr stark.

Was wir ebenfalls spannend finden und außerhalb des KI-Booms läuft, ist die derzeit sehr günstig bewertete Aktie JOST Werke. Das Unternehmen mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main entwickelt sicherheitsrelevante Systeme und Komponenten für Nutzfahrzeuge, von Sattelkupplungen bis zu Achs-, Lenk- und Hydrauliksystemen – und hat hier eine sehr starke Marktposition.

Was bedeuten die höheren und voraussichtlich weiter steigenden Zinsen für Mittelstandsaktien? Auch die EZB dreht an der Zinsschraube.

Rahn: Bei globalen Qualitätsaktien machen sich höhere Zinsen stärker bemerkbar. Auf Mittelstandsaktien wirken sich steigende Zinsen jedoch unterdurchschnittlich aus. Anders als viele gehypte Growth-Titel sind deutsche Mittelstandsaktien nicht hoch verschuldet und können sich problemlos refinanzieren.

Welche Chancen sehen Sie bei globalen Qualitätsaktien?

Rahn: Das Verhältnis von US-Aktien zu europäischen Aktien im 3D Invest Top Select ist fast ausgeglichen, mit leicht höherer Gewichtung der USA. Spannend finden wir den wenig bekannten US-Titel Arista Networks, ein Unternehmen, das Netzwerk-Technologie für Rechenzentren, Cloud- und KI-Infrastrukturen entwickelt. Sehr interessant ist für uns auch die derzeit aus unserer Sicht deutlich unterbewertete Accenture-Aktie, die von den jüngsten KI-Sorgen der Anleger abgestraft worden ist. Dieser weltweit tätige Dienstleister für Unternehmensberatung und Technologie unterstützt Firmen bei Digitalisierung, Cloud, KI, Cybersecurity und der Optimierung von Geschäftsprozessen.

In welchen Segmenten könnte zukünftig neues Wachstum entstehen? Wie sieht es beispielsweise mit dem derzeit schwächelnden Gesundheitsmarkt aus?

Rahn: Viele Gesundheitstitel sind unter der Trump-Administration sehr schlecht gelaufen; der Markt ist in vielen Portfolios aktuell unterrepräsentiert. Mit der Chance, dass die Demokraten die Midterm-Wahlen gewinnen, erhält der Gesundheitssektor wieder etwas Auftrieb. Die günstigen Bewertungen im Markt werden jetzt genutzt, um Positionen zu erhöhen oder aufzubauen. Ein für uns spannendes US-Unternehmen mit wachsendem Umsatz und Gewinnen ist Zoetis. Das weltweit führende Unternehmen für Tiergesundheit entwickelt Medikamente, Impfstoffe, Diagnostik und digitale Lösungen für Haustiere und Nutztiere.

Sie und Ihr Kollege Marc Niemann verfolgen unterschiedliche analytische und strategische Herangehensweisen. Wie entsteht daraus ein Mehrwert für das Portfolio?

Rahn: Wir ergänzen uns einfach gut. Ich komme aus der Vermögensverwaltung, Marc aus dem Small- und Mid-Cap-Investmentbanking. Wir beide verfügen über ein sich ergänzendes Netzwerk, woraus sich viel Potenzial schöpfen lässt. Gleichzeitig gibt es bei uns eine klare Aufgabentrennung. Marc ist auf das Stockpicking bei Small- und Mid-Caps spezialisiert, während ich das Gesamtportfolio steuere und die Gewichtungen im Kontext der makroökonomischen Lage festlege. Jeder von uns hat seinen Fokus – das Zusammenspiel macht unser Vorgehen besonders effektiv.

Für unsere Anleger ist wichtig zu wissen, dass bei uns die Aktienquote sehr stark „lebt“. Sie ist nicht starr wie bei vielen anderen Mischfonds, sondern kann in der Spitze auch mal 90 Prozent erreichen. Aktuell stehen wir bei 60 Prozent Aktienquote. Letztes Jahr lagen wir sogar darunter. Mit einem Wort: Wir passen die Aktienquote aktiv an die jeweilige Marktlage an und steuern damit auch das Risiko.

Zum Interviewten

Dr. Jörg Rahn hat seit 2008 als Leiter der Vermögensverwaltung und als Chief Investment Officer in Banken und Family Offices die Vermögen für Kunden mit Anlagevolumina von einigen Hunderttausend bis hin zu mehreren Milliarden Euro erfolgreich durch verschiedene Krisen geführt. Dabei behält er stets den globalen wirtschaftlichen Überblick und analysiert Entwicklungen weltweit.

Zur Geschäftsführung von 3D Invest gehört ebenfalls Marc Niemann. Er ist einer der erfolgreichsten Experten  für deutsche Mittelstandsaktien. Seit dem Jahr 2000 interessiert sich Marc für dieses Marktsegment und verfügt über fundiertes Wissen von über 200 deutschsprachigen Unternehmen. Zudem zeichnet er sich durch ein ausgeprägtes Gespür für Kapitalmärkte aus.

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