DAS INVESTMENT: Hohe Renditechancen von Mittelstandsaktien kombiniert mit der Stabilität globaler Qualitätsaktien und der Sicherheit von Gold und Staatsanleihen: Geben Sie uns einen Einblick in Ihr Anlagekonzept?

Jörg Rahn: Um Alpha gegenüber dem Markt zu erzielen, setzen wir gezielt auf Mittelstandsaktien, vorrangig aus dem deutschsprachigen Raum. Sie sind ein wichtiger Renditetreiber im Portfolio. Für stets ausreichend Liquidität im Portfolio und für eine stabile Wertentwicklung investieren wir zudem in globale Qualitätsaktien.

Gleichzeitig ist Flexibilität für uns entscheidend: Wir halten Mittelstandsaktien nicht dauerhaft, sondern passen ihre Gewichtung an das Marktumfeld an und vermeiden auf diese Weise ungünstige Einstiegsphasen. Entsprechend variiert der Anteil von Mittelstandsaktien in unserem Portfolio je nach Marktlage zwischen 15 und 70 Prozent.

Was beeinflusst die Bandbreiten der Gewichtungen?

Rahn: Die konkreten Gewichtungen ergeben sich aus unserer gesamtwirtschaftlichen Einschätzung und unserem aktuellen Blick auf die Märkte. Wir analysieren die Kapitalmärkte zunächst aus der übergeordneten Top-down-Perspektive. Als Volkswirt und CIO behalte ich dabei die Asset-Allokation im Auge. Marc ergänzt diesen Ansatz durch eine Bottom-up-Analyse: Er prüft die Bewertungen einzelner Titel und schätzt daraus die Aussichten für die kommenden Monate ein.

Marc Niemann: Dazu stehe ich im engen, direkten Austausch mit den Vorständen von Small- und Mid-Cap-Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen – ebenso mit Investoren. Ergänzend führe ich Gespräche mit Produktionsleitern und Produktverantwortlichen vor Ort. Auf diese Weise entsteht ein sehr konkreter Eindruck von der Stimmung innerhalb der Unternehmen.

„Neben dem Austausch mit den Vorständen von Small- und Mid-Cap-Unternehmen führe ich Gespräche mit Produktionsleitern und Produktverantwortlichen vor Ort.“
Marc Niemann
Mitgründer und -geschäftsführer von 3D Invest

Dieser Ansatz hat durchaus eine Nähe zur Behavioral Finance, also der Analyse von Anlegerverhalten und psychologischen Faktoren an den Kapitalmärkten: Wie viel Optimismus oder Pessimismus ist bereits in den Kursen eingepreist? Wie stark sind Anleger über ETFs in einzelnen Segmenten positioniert? Und spiegeln die aktuellen Aktienkurse die tatsächliche operative Entwicklung der Unternehmen wider?

Derzeit dominiert an den Märkten ein ausgeprägter Pessimismus – sowohl bei Unternehmen als auch bei Investoren. Viele Investitionen wurden in den vergangenen Jahren hinausgeschoben. Impulse wie das deutsche Infrastrukturpaket könnten nun den Anstoß geben, dass sich die Investitionstätigkeit und damit auch die Märkte schrittweise erholen. Das kann unter Umständen aber auch ganz schnell gehen – lassen wir uns überraschen.

Wo sehen Sie aktuell Chancen bei Small- und Mid-Caps?

Niemann: Bei Unternehmen im IT-Servicebereich, etwa bei Bechtle und Allgeier. Beide IT-Dienstleister unterstützen ihre Kunden, darunter viele Behörden, im In- und Ausland mit umfassenden Software- und IT-Services bei den Herausforderungen des digitalen Wandels sowie der Digitalisierung und Transformation geschäftskritischer Prozesse – hier sehen wir deutliches Potenzial.

Weitere Unternehmen aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich verstärken das Portfolio, um die stetige Handelbarkeit sicherzustellen. Denn wir wollen vermeiden, in Situationen zu geraten, in denen Positionen nur schwer oder nicht schnell genug veräußert werden können. Wir achten daher sehr genau auf die Gewichtung einzelner Titel. Je kleiner die Marktkapitalisierung eines Unternehmens, desto höher müssen unsere Überzeugung und das Kurspotenzial sein, damit das Chance‑Risiko‑Profil attraktiv bleibt.

Wo liegen Chancen bei globalen Qualitätsaktien?

Rahn: Wir setzen auf Unternehmen mit einer sehr starken Marktposition oder einer Monopolstellung. Dazu gehören Softwareunternehmen wie Alphabet, Paychex und Salesforce, die sich durch wiederkehrende Umsätze und Erträge hervorheben. Auch Duopole wie Mastercard und Visa sind für uns interessant. Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz wird deren Geschäftsmodelle voraussichtlich nur wenig gefährden – im Gegenteil, sie könnten dadurch sogar profitieren.