Der US-Asset Manager Blackrock kaufte 2015 das Finanzplanungs-Unternehmen Future Advisor. Foto: Getty Images

Der US-Asset Manager Blackrock kaufte 2015 das Finanzplanungs-Unternehmen Future Advisor. Foto: Getty Images

4 Beispiele

So werden klassische Fondsgesellschaften zum Robo-Advisor

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Das Wirtschaftsberatungs-Unternehmen Deloitte hat in zwei Analysen die Möglichkeiten von algorithmusbasierter Anlageberatung, sogenanntes Robo-Advice, untersucht und ihr ein gewaltiges zukünftiges Potenzial bescheinigt. Wollen sie nicht vom Zeitgeist abgehängt werden, sollten auch die am Markt etablierten  Fondsgesellschaften sich auf diesem Gebiet positionieren, lautet der Rat von Deloitte.

Doch welche Möglichkeiten haben die Gesellschaften, wenn sie digital aufrüsten wollen? Und welcher Weg ist der effizienteste? Deloitte hat vier Möglichkeiten identifiziert und benennt für jeden Fall Beispiele:

Mit einem Robo-Advisor zusammenarbeiten: Beispiel Fidelity/Betterment

Fondsanbieter könnten mit einem bestehenden Robo-Advisor zusammenarbeiten, schlägt Deloitte vor. Der Vorteil für die Gesellschaft: Die Kooperation verursache ihr einen überschaubaren organisatorischen Aufwand und vergleichsweises geringe Kosten. Auch das Risiko, mit dem das Vordringen in einen neuen Geschäftszweig behaftet ist, halte sich in Grenzen.

Als Beispiel nennt Deloitte den US-Online-Anlageberater Betterment. Dieser ging im Oktober 2014 eine Partnerschaft mit der institutionellen Vermögensverwaltungssparte von Fidelity ein. Man wollte unabhängigen Vermögensberatern einen Zugang zu den Online-Tools von Betterment verschaffen. Die Berater sollten mit dieser Unterstützung Anlageziele für Kunden definieren und ETF-basierte Portfolios einrichten.

Allerdings trennten sich Fidelity und Betterment wieder: Ende 2015 kündigte Fidelity an, dass es eine eigene Robo-Advisor-Plattform für Berater einrichten wolle. Damit treten Fidelity und Betterment nun als Konkurrenten am Markt auf.

Einen Robo-Advisor hinzukaufen: Beispiel Northwestern Mutual/Learn Vest

Das Unternehmen kann ein bestehendes Robo-Advice-Unternehmen hinzukaufen. Das zu erwerbende Zielunternehmen sollte idealerweise gute Wachstumsaussichten mitbringen, rät Deloitte. Obwohl ein guter Weg, um schnell in den Markt vorzudringen, sei dieses Modell risikobehaftet: Das erworbene Unternehmen müsse gut zum Stammunternehmen passen. Es könne sonst das Stammunternehmen in seiner Flexibilität einschränken. Auch eine mögliche Abhängigkeit vom neu hinzugekommenen Dienstleister könne für Konflikte sorgen.

Deloitte nennt das Beispiel des Investmentriesen Blackrock, der im August 2015 den Online-Finanzplaner Future Advisor erwarb. Und auch Invesco kaufte sich Know-how hinzu: Zu Jahresbeginn 2016 erwarb das Unternehmen Jemstep. Das Unternehmen, merkt Deloitte an, habe durch den Verkauf allerdings eine Degradierung erfahren: Als eigenständiger B2C-Robo-Advisor gestartet, sei Jemstep im Verbund mit Invesco zu einem bloßen Robo-Tool für Berater mutiert.

Eigenen Robo-Advisor entwickeln: Beispiel Vanguard

Der Asset Manager kann auch eine eigene Robo-Advice-Lösung entwickeln. Auf diese Weise erhalten der bestehende Kundenstamm und gleichzeitig auch interessierte Neukunden eine digitale Plattform für kostengünstige Investment-Alternativen. Diese Variante sei vergleichsweise kostenintensiv, geben die Studienautoren von Deloitte zu bedenken. Es gelte abzuwägen, ob der finanzielle Aufwand den Ertrag rechtfertige.

Als Beispiel nennt Deloitte den US-Großinvestor Vanguard. Dieser führte im Mai 2014 einen eigenen hybriden Robo-Advisor-Service ein: Neben automatisierter Asset Allokation und Portfolio-Nachjustierung hält Vanguard im Rahmen seines neuen Services auch menschliche Berater vor, mit denen Kunden per Telefon oder Videokonferenz in Kontakt treten können. Die selbst eingerichtete Robo-Sparte mit angeschlossenem persönlichem Service, die ihren Kunden bei einer Mindestanlagesumme von 50.000 Dollar 0,3 Prozent Gebühren abverlangt, hatte nach 10 Monaten bereits 7 Milliarden US-Dollar neue Kundengelder angezogen. Vanguards traditionellen Finanzplanung startet dagegen bei einer Mindestanlage von 500.000 Dollar und verlang 0,7 Prozent Gebühren pro Jahr.

Eigene Produkte über eine Fondsplattform anbieten

Der laut Deloitte einfachste Weg, auf den Zug der automatisierten Anlageberatung aufzuspringen, sei, mit einer bestehenden Fondsplattform zu kooperieren: Nach Erwerb einer Lizenz kann die traditionelle Fondsgesellschaft auf die technischen Möglichkeiten der Plattform zurückgreifen, ohne sich auf Gedeih und Verderb an den Partner binden zu müssen. Neben dem digitalen Fondsangebot können erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten via Plattform genutzt werden. Die Fondsplattform kann die traditionelle Gesellschaft auch beim automatisierten Rebalancieren des Fondsportfolios unterstützen.

Deloitte erwähnt die Robo-Berater-Plattform ASI Digital Advisor, die seit Februar dieses Jahres am Markt ist. Ebenso wie die 2014 gestartete britische White-Label-Plattform Wealthobjects bietet sie Asset Managern die Möglichkeit, Produkte, die sich an eine neue Zielgruppe richten, unter einem anderen Namen zu vermarkten.

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