4 Faktoren Warum Value-Investoren wieder Rückenwind erhalten

Goran Vasiljevic ist Investmentchef und Sprecher der Geschäftsführung bei Lingohr & Partner Asset Management. | © Lingohr & Partner AM

Goran Vasiljevic ist Investmentchef und Sprecher der Geschäftsführung bei Lingohr & Partner Asset Management. Foto: Lingohr & Partner AM

Für Value-Investoren wie uns war das makroökonomische Umfeld zuletzt nicht besonders günstig. Es stellt sich die Frage: Wird das so bleiben oder spricht etwas für eine Trendumkehr? Value-Zyklen werden vor allem durch vier Haupttreiber angefeuert: Bewertung, Wachstum, Anlegersentiment und das aktuelle Zinsumfeld. Aktuell weisen alle vier darauf hin, dass aus dem Gegenwind der Vergangenheit ein Rückenwind für die Zukunft wird. Wir sind der Meinung, dass ein großes Value-Comeback bevorsteht.

1. Bewertung: Das aktuelle Bewertungsniveau ist positiv für Value-Strategien

Trends und Zyklen kommen und gehen ‐ aber letztlich entscheidend ist der bezahlte Preis für eine Investition. Die Bewertung ist die auf allen verfügbaren Informationen basierende Beurteilung, wie viel ein Unternehmen wert ist. Kurzfristig werden Preise von den veränderten Markterwartungen beeinflusst. Aber langfristig bestimmen fundamentale Bewertungen die Aktienrenditen, da sich Marktpreise früher oder später an der harten Realität der Cashflows orientieren müssen.

Im Kern geht es bei Value-Ansätzen darum, dass Aktien, die verglichen zu ihren Fundamentaldaten billig sind, höhere Renditen bringen sollten. Neben dem absoluten Bewertungsniveau erhöht auch ein hoher relativer Bewertungsvorteil gegenüber der Benchmark die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Überrendite. Da der Markt in den letzten Jahren immer weniger bereit war, für Value-Aktien zu zahlen, ist auch die Bewertungsdispersion gestiegen. Derart extreme Bewertungsabschläge gab es nur vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 und nach der Finanzkrise 2007/ 2008. Auf beide Perioden folgte eine starke Wertsteigerung. Das aktuelle Bewertungsniveau deutet also auf eine vielversprechende Value-Zukunft hin.

2. Wachstum: Wer wenig erwartet, kann positiv überrascht werden

Gewinnwachstum ist eine häufig verwendete Kennzahl und Indikator für die Unternehmensentwicklung. Der Markt geht von einem höheren Gewinnwachstumspotenzial bei teuren Aktien aus, ist aber tendenziell zu optimistisch, was deren zukünftige Entwicklung angeht. Infolgedessen leistet der Markt mehrfach schlechte Arbeit: Er zahlt einen zu hohen Preis für das Wachstumspotenzial von Growth-Werten und einen zu niedrigen für Value-Aktien.

Langfristig entwickeln sich Value-Aktien dadurch allerdings besser, da der Markt einerseits deren Gewinnwachstum unterschätzt. Auf der anderen Seite investiert der Markt in neue, attraktivere Aktien mit höherer Ertragskraft sobald er die vorherige Unterbewertung korrigiert. Außerdem neigen die Anleger dazu, für hohe Erwartungen bei Wachstumswerten zu viel zu bezahlen. Halten Anleger jedoch an Value-Aktien mit geringeren Wachstumserwartungen fest, werden sie irgendwann überdurchschnittlich belohnt, da sich die Unternehmen im Schnitt gut entwickeln oder zumindest nicht so schlecht, wie erwartet. Der Markt scheint manchmal zu unterschätzen, dass auch Wachstumsraten zum Durchschnitt zurückkehren.