5 Fondsmanager über den Euro „Ich feiere auch nicht mehr Kaisers Geburtstag“

„Trojanisches Pferd der Staatsfinanzierung“

„Trojanisches Pferd der Staatsfinanzierung“

Christoph Bruns, Loys


Wo waren Sie damals beruflich, als der Euro startete?

Christoph Bruns: Seinerzeit war ich Chef des Aktienfondsmanagements der Union Investment und stand ganz früh auf, um zu schauen, was die Asiaten mit der neuen Währung machen würden. Die Märkte waren seinerzeit sehr nervös.

Welcher ist für Sie der dunkelste Moment in 20 Jahren Euro?

Bruns: Eigentlich war der dunkelste Punkt für den Euro die Entscheidung, Griechenland und Italien aufzunehmen, obwohl jedermann klar war, dass diese Länder sich nicht qualifizieren würden. Leider ging es wie bei der Umstellung der Ost-Mark in D-Mark rein politisch zu. Das ist auch der Hauptgrund, warum der Euro keine zweite D-Mark geworden ist.

Was müsste man tun, um den Euro zu erhalten? Muss man das überhaupt?

Bruns: Der Euro bleibt erhalten, ein Zurück ist jetzt nicht mehr sinnvoll durchführbar. Sofern aber gewünscht wird, dass der Euro eine starke Währung wird, müssten sich alle Länder an die getroffenen Vereinbarungen halten und Fehlverhalten durch Rauswurf sanktioniert werden.

Wer ist in 20 Jahren neu dabei? Wer ist raus?

Bruns: Alle bisherigen Teilnehmer werden dabei sein sowie die meisten osteuropäischen Länder.

Über den Euro bin ich froh, wenn ...

Bruns: ... er gegenüber der Weltleitwährung Dollar deutlich aufwerten würde.

Den Euro verfluche ich, wenn ...

Bruns: ... er als trojanisches Pferd der Staatsfinanzierung dauerhaft fungiert.

Rechnen Sie noch in Mark um?

Bruns: Nein, und ich feiere auch nicht mehr Kaisers Geburtstag. Tempi passati!

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