Trader in New York: US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen Tweets immer wieder für Beunruhigung. | © Getty Images

500 Milliarden Miese an einem Tag

Wie Trump die Börse manipuliert

Eine halbe Billion US-Dollar an Börsenwert kann sich schnell in Luft auflösen. Wie schnell, das zeigt der 23. August 2019. US-Präsident Donald Trump schickte ein paar Tweets zum Notenbanktreffen in Jackson Hole und zum Handelskonflikt mit China in die Welt – und binnen 15 Minuten war der Dow Jones bereits um 400 Punkte gefallen. Bis zum Börsenschluss hatten die Aktienmärkte insgesamt 500 Milliarden US-Dollar an Wert eingebüßt.

Seema Shah ist Chefstrategin bei Principal Global Investors. Foto: PGI

Schon richtig: Das sind kurzfristige Ausschläge, die einen langfristig orientierten Investor nicht kümmern sollten. Und tatsächlich legen auch traditionelle Volatilitätsindizes wie etwa der Vix nahe, dass sich die Volatilität auf einem historisch niedrigen Niveau bewegt. Doch es ist die Geschwindigkeit, mit der sich Risiken plötzlich auf die Portfolien der Anleger durchschlagen können, die Sorgen macht.

Fiel der S&P 500 bei der Ansage des „Tapering“ durch den damaligen Fed-Präsidenten Bernanke im Juni 2013 noch um 0,21 Punkte pro Minute, waren es bereits 0,8 Punkte pro Minute, um die der Index stieg, als der amtierende Fed-Präsident Powell im Januar dieses Jahres seinen Schwenk in der Geldpolitik verkündete.  Diese Vervielfachung der „Risikogeschwindigkeit“ hat Auswirkungen darauf, wie globale Investoren über die Asset Allokation nachdenken, Renditechancen identifizieren und Entscheidungen über das Risikomanagement treffen. Zurückzuführen ist das Phänomen auf  das Zusammenspiel von fünf Entwicklungen.

Aktienkurse entkoppeln sich von Fundamentaldaten

Erstens sehen wir eine zunehmende Diskrepanz zwischen dem Preis von Vermögenswerten und der fundamental zu erwartenden Wirtschaftsentwicklung. Wir haben dies in jüngster Zeit bei der US-Aktienrally gesehen,  die inmitten einer weltweiten Konjunkturabschwächung stattgefunden hat. Der Aktienmarkt hat sich damit deutlich von den mittelfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten abgekoppelt.

Das heißt auch: Die derzeitigen Aktienkurse beruhen auf Gewinnerwartungen, die – vorsichtig gesprochen – sehr optimistisch sind. So wäre unter Beibehaltung des derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 19,5 im S&P 500 ein Anstieg der Unternehmensgewinne von 7 Prozent erforderlich, um innerhalb des nächsten Jahres auch nur ein bescheidenes Kursplus zu erreichen.

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