Einen Blick abseits des Mainstreams zu werfen, lohnt sich meist, gerade wenn es um Aktien geht. Denn kleinere Unternehmen werden von Analysten seltener begutachtet als ihre großen Pendants, in ihren Reihen finden sich mitunter unerkannte Perlen. Manche haben noch eine fantastische Wachstumsgeschichte vor sich. Das gilt auch für den deutschen Aktienmarkt. 

Andererseits sind Small Caps auch kein Garant für Anlageerfolg. Gerade in den vergangenen Jahren lag das Segment über weite Strecken deutlich hinter den Blue-Chip-Aktien zurück. Das Rennen machten vor allem die großen Technologiewerte. 

Im laufenden Jahr sind Nebenwerte dagegen erneut in den Anlegerfokus geraten. Die Rechnung zu Jahresbeginn lautete: Im Zuge der anstehenden Zinssenkungen könnten kleine Unternehmen aufholen. Denn ihre Finanzierungsbedingungen dürften sich dann wieder verbessern. Nun halten sich die großen Notenbanken mit beherzten Zinssenkungen zwar noch zurück. Dass es hier eine Trendwende gibt, ist jedoch schon spürbar. 

 

Bei der französischen Fondsgesellschaft Comgest hat Fondsmanagerin Eva Fornadi das Segment der europäischen Small-Cap-Aktien im Blick. Dabei scannt sie auch den deutschen Markt. Sie glaubt: „Mittlerweile liegen die Wachstumserwartungen für kleine und mittlere Unternehmen über den Erwartungen für Large Caps.“ Anleger seien bei Käufen zwar noch zögerlich. Fornadi hält das für „eine Folge der enttäuschten Gewinnerwartungen der letzten 18 bis 24 Monate“. Aus dem Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis der Aktien liest die Fondsmanagerin jedoch heraus: Der Preis für erwartetes Wachstum ist bei den Kleinwerten günstiger ist als bei den Großen. Gute Wachstumsmöglichkeiten misst sie dem Bereich auf jeden Fall zu.

Ebenso sieht man es beim Investmentmanager Walter Scott. „Am deutschen Aktienmarkt bieten gerade auch Unternehmen abseits der nationalen Champions im Automobil- und Industriesektor interessante Anlagechancen“, findet Roy Leckie, dortiger Co-Vorsitzender des Investment-Management-Komitees. Gemeinsam mit Kollegen und Client Investment Manager George Dent nimmt er seinerseits das hiesige Small-Cap-Universum unter die Lupe.  

Hier stellen wir vor, von welchen deutschen Nebenwertetiteln sich die Anlagespezialisten aktuell besonders viel versprechen.

Geschäftsmodell: Anbieter von Medizintechnik

ISIN: DE0005313704 

Marktkapitalisierung: 5,76 Milliarden Euro

Wertentwicklung 1 Jahr: -39,4 Prozent

Aktueller Kurs*:  62,500
*Kaufkurs per 17. Juli Wikifolio/Lang & Schwarz 

George Dent, Roy Leckie
George Dent, Roy Leckie © Walter Scott

Roy Leckie und George Dent: „Das Medizintechnikunternehmen Carl Zeiss ist in den Bereichen Ophthalmologie und Mikrochirurgie ein echter Marktführer. Bei ophthalmologischen Geräten steht es mit einem Anteil von 11 Prozent weltweit an zweiter Stelle. Auch in der refraktiven Chirurgie, der ophthalmologischen Diagnostik und bei hochwertigen Intraokularlinsen hat das Unternehmen eine dominierende Stellung. Zusätzlich gestärkt wird die Marktpositionen durch die weltweit alternden Bevölkerung. Der demographische Wandel und die zunehmende Bildschirmzeit der Menschen haben zu einem deutlichen Anstieg von Augenerkrankungen und damit auch entsprechender chirurgischer Behandlungen geführt.

Mit circa 60 Prozent Marktanteil hat das Unternehmen unserer Ansicht nach zudem eine beeindruckende Stellung bei Mikroskopen und Visualisierungssystemen. Ein weiterer spannender Aspekt ist die Eigentümerstruktur des Unternehmens. Die Kontrolle liegt bei der Carl-Zeiss-Stiftung, die an dem Innovationsgedanken ihres verstorbenen Gründers festhält und entsprechend strategische Weitsicht und langfristiges Engagement für Forschung und Entwicklung in der gesamten Zeiss-Gruppe fördert.“