Sieben von zehn Selbstständigen und kleinen Unternehmen in Deutschland weisen erhebliche Versicherungslücken auf. Das zeigt eine internationale Umfrage des Spezialversicherers Hiscox. Für den „Global Protection Gap Report“ hat das Marktforschungsinstitut Wakefield Research erstmals 6.250 Unternehmenseigentümer mit bis zu 50 Mitarbeitern in sechs Ländern befragt – darunter 1.000 in Deutschland.
Die Gründe für die Unterversicherung sind vielfältig: Häufig fehlen notwendige Versicherungen komplett oder zentrale Risiken sind nicht durch geeignete Policen abgesichert – etwa fehlender Cyberschutz bei Unternehmen mit Onlinehandel.
Lücken bei Cyber- und Haftpflichtversicherungen
Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit einer Versicherungslücke von 70 Prozent etwas besser da als der globale Durchschnitt von 74 Prozent. Gleichauf liegt Portugal, während Großbritannien, Frankreich und Spanien jeweils 74 Prozent und die USA 77 Prozent aufweisen.
Bei der Berufshaftpflicht gaben 27 Prozent der deutschen Befragten an, keine Police abgeschlossen zu haben, obwohl sie diese aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit benötigen würden. International liegt diese Lücke bei 25 Prozent. Bei der Betriebshaftpflicht beträgt die Versicherungslücke in Deutschland 29 Prozent – etwas höher als im internationalen Mittel von 27 Prozent.
„Der Global Protection Gap Report zeigt, dass erschreckend wenige Selbstständige und kleine Unternehmen gegen Personen- und Sachschäden mittels einer Betriebshaftpflicht abgesichert sind“, sagt Tobias Wenhart, Leiter Marketing, Produkte und Digitale Kanäle bei Hiscox. Gerade dieser Schutz sollte zur Basisabsicherung zählen, da hohe Schadensummen auflaufen können, die schnell existenzgefährdend werden.
Ohne Cyberversicherung trotz Bedarfs sind laut Studie 30 Prozent der deutschen Unternehmen. International liegt diese Lücke bei 27 Prozent.
Mangelndes Wissen über Versicherungsschutz
Ein zentrales Problem ist fehlendes Wissen über die Abdeckung der Versicherungen. Nur 16 Prozent der Befragten in Deutschland wissen genau, welche Risiken ihre Berufshaftpflicht abdeckt. Bei der Betriebshaftpflicht liegt dieser Wert bei 36 Prozent. Auch bei der Cyberversicherung herrscht Unsicherheit: Nur etwa ein Fünftel kennt den genauen Leistungsumfang.
Die Umfrage zeigt zudem: Viele Befragte sind unsicher, ab wann sie überhaupt Versicherungsschutz benötigen. Während 55 Prozent der kleinen deutschen Unternehmen angeben, bereits vor dem ersten Produktverkauf eine Absicherung abzuschließen, sehen 27 Prozent den richtigen Zeitpunkt erst ab einem Gewinn von über 100.000 Euro.
Cyberangriffe bereiten größte Sorgen
44 Prozent der deutschen Befragten nennen Cyberangriffe oder Datenschutzverletzungen als größte Bedrohung – im globalen Vergleich sind dies nur 33 Prozent. Auch Inflation und steigende Kosten sowie wirtschaftlicher Abschwung werden als relevante Risiken wahrgenommen.
Die Gründe für Lücken bei der Cyberversicherung sind vielfältig: Ein Drittel glaubt, das eigene Unternehmen sei zu klein für Cyberkriminelle, 39 Prozent halten ihre Systeme für ausreichend sicher und 22 Prozent empfinden entsprechende Versicherungen als zu teuer.
Versicherungssummen werden nicht angepasst
Trotz gestiegener Umsätze – 72 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten in den letzten zwei Jahren ein Plus – passen viele ihre Versicherungssummen nicht an. Je nach Versicherung haben zwischen 10 und 13 Prozent der Unternehmen ihre Policen seit Abschluss nie überprüft oder aktualisiert. Bei 23 bis 26 Prozent der kleinen Unternehmen ist die Anpassung mehr als drei Jahre her.
Das könnte im Schadenfall zu einem „schmerzhaften Erwachen“ führen, warnt Wenhart. Er rät mindestens einmal im Jahr zu einem Policen-Check.

