Jing Ning, Fondsmanagerin des Fidelity China Focus Fund

Jing Ning, Fondsmanagerin des Fidelity China Focus Fund

A-Aktien als Turbo für den MSCI-China-Index?

„Chinas Regierung wird 2015 diverse Reformen vorantreiben“

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Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft sind im Vergleich zu den Vorjahren eher schwach. Bleibt da 2015 viel Potenzial für Kurssteigerungen?

Jing Ning: Ich denke schon. Die chinesische Regierung wird das langsamere Wachstum als neue Normalität akzeptieren und diverse Reformen vorantreiben. Davon unabhängig sollten sich die Gewinne chinesischer Unternehmen erholen – weniger aufgrund wachsender Nachfrage, sondern vor allem durch verbesserte Margen. Die niedrigen Rohstoffpreise senken die Kosten und eine potenzielle Deflation könnte diesen Trend verstärken. Viele Unternehmen haben einen starken Cashflow und erwirtschaften auf diese Weise gesunde Renditen. Der niedrige Ölpreis dürfte zudem den Konsum ankurbeln.

Wo setzen Sie im Portfolio momentan Schwerpunkte?

Ich verfolge einen Value-Ansatz, versuche also wertorientiert anzulegen. Dabei suche ich nach qualitativ hochwertigen Geschäftsmodellen, die aber aus den unterschiedlichsten Gründen gerade nicht gefragt sind. Vor diesem Hintergrund halte ich zum Beispiel Konsumtitel für interessant: Hier haben die Anti-Korruptions-Maßnahmen der Regierung dazu geführt, dass viele Investoren den gesamten Sektor negativ sehen. Das eröffnet Chancen – zum Beispiel bei Basiskonsumgütern, wo ich jüngst zugekauft habe. Auch der Versicherungssektor hat noch Potenzial, zumal er künftig politisch mehr unterstützt wird.

Können Sie Einzeltitel nennen?

Stark übergewichtet im Fonds ist zum Beispiel Gree Electric Appliances, Chinas führender Hersteller von Klimaanlagen. Durch seine Größe besitzt das Unternehmen eine enorme Preismacht, die es auch in einem Umfeld schwacher Nachfrage ausspielen kann. Die Bewertung ist trotz der guten Fundamentaldaten noch attraktiv, weil viele Anleger Gree eher als Industrie- und nicht als Konsumtitel sehen. Die als A-Aktien in Shanghai gehandelten Anteilsscheine könnten zu jenen Papieren gehören, auf die sich die Investoren stürzen, wenn der chinesische Markt durchstartet.

Für Ausländer bislang noch limitierte A-Aktien aus Shanghai haben 2014 deutlich besser performt als in Hongkong gelistete China-Aktien. Wie stark ist Ihr Fonds in diesem Segment vertreten?

Anfang des vierten Quartals 2014 lag der Anteil bei rund 12 Prozent. Nach der Jahresschluss-Rally habe ich dort Gewinne mitgenommen, halte aber derzeit wieder einen ähnlich großen Anteil im Portfolio. Mit meinen Positionen dort fühle ich mich nach wie vor wohl, denn sie sind nicht teuer. Die in weiteren Reformschritten in Aussicht gestellte Öffnung von A-Aktien aus Shenzhen für Ausländer und die mögliche Aufnahme von A-Aktien in den MSCI-China-Index sind zudem potenzielle Katalysatoren für eine weitere Rally.

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