Aktien: Die Stabilisatoren haben den Oktobertest bestanden

AB Investmentkommentar

Aktien: Die Stabilisatoren haben den Oktobertest bestanden

Bis Ende September waren Aktieninvestoren recht sorglos. Trotz schwächerer Konjunkturindikatoren und wachsender weltpolitischer Risiken ging die Volatilität immer weiter zurück. Zuletzt war sie so niedrig wie seit 2006 nicht mehr. Doch am 17. Oktober lag die implizite Volatilität amerikanischer Aktien (gemessen am VIX Index) plötzlich wieder 10 Prozent über ihrem Langfristdurchschnitt. Und in der Wahrnehmung vieler Investoren waren die Kursschwankungen noch viel heftiger, weil die Märkte in den Monaten zuvor so stabil gewesen waren.

Schadensbegrenzung

Wenn die Märkte ruhig sind, denken Investoren verständlicherweise nicht an Turbulenzen. Tatsache ist aber, dass man sich auf Volatilität rechtzeitig vorbereiten muss. Wer dies getan hat und in niedrigvolatile Aktien investierte, hat den jüngsten Schock weitgehend abgefedert. Die Performance seit Jahresbeginn war dann besser als die Marktentwicklung.

Besonders erhellend ist die zeitliche Struktur der Erträge. Von Januar bis September stieg der S&P 500 Index um 8,3 Prozent. Damit lag er 0,9 Prozentpunkte vor dem MSCI US Minimum Volatility Index, der Aktien mit einem niedrigen absoluten Risiko enthält (siehe Abbildung). Im Oktober wendete sich dann das Blatt. Vom 1. bis zum 17. Oktober gaben weniger volatile Aktien gerade einmal 1,8 Prozent nach, während der Markt 4,3 Prozent verlor. Seit Jahresbeginn liegen niedrig volatile Aktien daher deutlich vorn. >>Vergrößern



Bei internationalen Aktien war es ähnlich. Der einzige Unterschied ist, dass der MSCI Global Minimum-Volatility Index auch von Januar bis September vor dem Markt lag, da die Konjunktur außerhalb der USA schon seit dem Sommer Sorgen machte (vor allem in Europa).

Auf Qualität setzen

Was aber waren die Gründe? Aktien mit einer geringen Volatilität (also einem niedrigen Beta) haben in diesem Jahr besonders gut abgeschnitten. Aber auch Qualitätswerte, das heißt Aktien mit hohen Dividenden, hohen Cashflows und einer hohen Rentabilität verzeichneten hohe Erträge (siehe Abbildung). >>Vergrößern



Sowohl mit niedrigvolatilen Aktien als auch mit Qualitätswerten hätte man bei weniger Risiko mehr verdient. Noch höher wäre der risikoadjustierte Ertrag auf Sicht eines Marktzyklus aber gewesen, wenn man auf beide Aktiengruppen gleichzeitig gesetzt hätte. Der Grund: Zu unterschiedlichen Zeitpunkten liegen unterschiedliche Aktien vorn.

Mit Qualitätsaktien kann man von Haussen profitieren, mit niedrigvolatilen Aktien lassen sich in der Baisse Verluste begrenzen. Wer beide Arten von Aktien in einem Portfolio zusammenführt, kann das hohe Ertragspotenzial von Qualitätsaktien nutzen und die Risiken wesentlich besser begrenzen als jemand, der lediglich nach passiven Kriterien niedrigvolatile Aktien auswählt.

Mehr Gewinn durch weniger Verlust

Dieses Jahr könnte eindrucksvoll zeigen, wie man durch Verlustbegrenzung seine Erträge steigern kann. Stabilere Aktien bewahren ihre einmal erzielten Gewinne besser als volatilere Titel, da sie bei einem Ausverkauf weniger verlieren. Kapitalerhalt in der Baisse kann große Auswirkungen auf die Langfristperformance haben. Weil sich Portfolios aus niedrigvolatilen Titeln und Qualitätsaktien im Oktober besser gehalten haben, können ihre Verluste bei einer Rückkehr des Anlegervertrauens schneller wieder aufgeholt werden.

Es kann teuer sein, erst nach dem Abschwung zu reagieren, zumal Anleger ausgerechnet dann zu Verkäufen neigen, wenn die Kurse gerade niedrig sind. Mit einem vorausschauenden Engagement in Papieren, die in schwierigen Marktphasen recht stabil sind, kann man im Aufschwung ausreichend verdienen und sich in Schwächephasen vor Verlusten schützen. Ein solches Konzept kann die Wertentwicklung eines Portfolios glätten. Auf Volatilität sollte man sich vorbereiten, bevor sie entsteht.

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