Ivan Rudolph-Shabinsky

Ivan Rudolph-Shabinsky

AB Marktkommentar

Abverkauf von Hochzinsanleihen kann nicht am Szenario rütteln

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Unseres Erachtens waren die Rückgänge bei Hochzinsanleihen größtenteils auf technische Faktoren zurückzuführen: Abflüsse aus Hochzinsanleihefonds für Privatanleger im Verbund mit einem rekordträchtigen Emissionsvolumen sorgten für schwächere Märkte. Dazu gesellten sich einige unternehmensspezifische Probleme und der Hochzinsmarkt verlor im September mehr als 2 Prozent. Natürlich ist es möglich, dass sich die Privatanleger auch weiterhin aus Hochzinsanleihen zurückziehen, sodass die Renditen unter Druck geraten. Aus unserer Sicht stammte ein Großteil der Verkäufe jedoch von Broker-Händlern und Hedgefonds, bei denen es sich nicht um langfristige Anleger handelt. Kein Argument für Allokationsverlagerungen Sobald längerfristig orientierte Anleger damit beginnen, ihre Bestände zu verkaufen, könnte es zu einer bedeutenderen Korrektur kommen. Dafür verlangsamt sich aber das Emissionsgeschehen: Noch stehen einige potenzielle umfangreiche Emissionen an, aber die breite Welle, die im September zu verzeichnen war, ist zu Ende. Auf der Nachfrageseite erachten Privatanleger und institutionelle Investoren Renditen von mindestens 6 Prozent als taktische Chance, um Allokationen aufzustocken und geringfügige Positionen zu eröffnen, sehen sie aber nicht unbedingt als Anlass für eine groß angelegte Umschichtung auf den Hochzinsbereich. Basierend auf diesem vorteilhafteren Gleichgewicht hinsichtlich Angebot/Nachfrage und den recht starken zugrunde liegenden Fundamentaldaten, sind wir der Meinung, dass diese Schwäche nicht von Dauer sein wird. Während es sich hier um eine taktische Investmentchance für einige Anleger handeln könnte, erachten wir dies jedoch nicht als Grund für überschwänglichen Enthusiasmus und eine großangelegte Rotation zugunsten von Hochzinsanleihen. Insgesamt sind die Renditen und Spreads (d.h. der Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen) sicherlich höher als noch Anfang September. Allerdings liegen sie weiterhin unter den langfristigen Durchschnittswerten (siehe Grafik). Und während die Fundamentaldaten nach wie vor relativ stark sind, befinden wir uns doch im Endstadium des Kreditzyklus und können eine gewisse Verschlechterung erkennen. Es bestehen keine großen Chancen und keine massiven Verzerrungen, von denen man profitieren könnte. Daher sind wir der Meinung, dass ein konservativer, diversifizierter Ansatz in Bezug auf Hochzinsanleihen am sinnvollsten ist. >>Vergrößern Renditejagd kann riskant sein Unsere größte Sorge: die am niedrigsten eingestuften Kreditpapiere. Anleihen mit CCC-Rating erzielen seit Kurzem eine Underperformance. Hierbei handelt es sich um die anfälligsten Unternehmen mit der höchsten Verschuldung. Diese Unternehmen sind schnell zum Scheitern verurteilt; denn oft kommen sie schon unter die Räder, bevor der breitere Markt die ersten Anzeichen einer echten Verschlechterung erkennt. Anlagen in Kreditpapiere niedrigerer Bonität erfordern ein umfassendes Research und eine hohe Hürde in Bezug auf die erwarteten Renditen, um sie rentabel zu gestalten. Da die Renditespreads von Anleihen mit CCC-Rating Anlegern für die durchschnittlichen historischen Kreditverluste keine angemessene Entschädigung bieten, müssten die Ausfälle in den nächsten fünf Jahren deutlich unter dem Durchschnitt bleiben, um derlei Anlagen rentabel zu machen. Zwar dürften unmittelbar keine Ausfälle anstehen, aber eine diesbezügliche Prognose für die nächsten 18 Monate ist problematisch. Sich auf ein ganz anderes Szenario als das historische festzulegen, scheint nicht klug. Ferner werden die Erträge auf Anleihen mit CCC-Rating lange vor etwaigen Ausfällen zurückgehen. Während also die für 2015 erwarteten niedrigeren Kreditausfälle einen guten Grund für Käufe von Anleihen mit CCC-Rating im Jahr 2013 darstellten, lässt sich daraus hinsichtlich der Ertragserwartungen für die nächsten 12 Monate viel weniger Zuversicht gewinnen. Ein ausgewogener, diversifizierter Ansatz Insgesamt ändert sich die langfristige These für Hochzinsanleihen aufgrund der Ereignisse des Monats September unseres Erachtens nicht. Die gute Nachricht ist, dass die Anleger wieder am Ruder sitzen. Sie haben nun die Oberhand, wenn es darum geht, die Renditen und Bedingungen von Neuemissionen mit den Emittenten auszuhandeln. In vielerlei Hinsicht waren die Marktturbulenzen vielleicht sogar positiv für die Anleger: Sie verlängern den Kreditzyklus, lassen Unternehmen vorsichtiger werden und umsichtiger mit ihren Ressourcen umgehen und erhöhen zugleich die Ertragserwartungen. Unserer Meinung nach sollten die Anleger bei Hochzinsanleihen weiterhin einen globalen Multi-Sektor-Ansatz verfolgen, aber in den kommenden Monaten vorsichtig bleiben.

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