AB-Vertriebsdirektoren im Interview „Die propagierte Sicherheit von offenen Immobilienfonds ist nicht vorhanden“

Martin Dilg, Gunnar Knierim und Alexander Hoffmann, Vertriebsdirektoren von AB

Martin Dilg, Gunnar Knierim und Alexander Hoffmann, Vertriebsdirektoren von AB

// //

Im ersten Halbjahr gab es einige Ereignisse, die Sie als Vertriebsdirektoren nicht gefreut haben dürften: Die Gewinne des Börsenjahres 2015 waren nach nur elf Handelstagen dahin. Syrien, Flüchtlingskrise und weitere geopolitischen Brandherde. Vor kurzem dann das Brexit-Referendum. Aktuell sind die Banken - vor allem die italienischen - in den Schlagzeilen. Wie ist Ihr Fazit aus Vertriebssicht für das erste Halbjahr 2016? Und was wünschen Sie sich für die zweite Jahreshälfte?

Martin Dilg: Wir haben gesehen, dass die Abflüsse aus Aktienfonds branchenweit anhalten, ungeachtet der zumeist positiven Entwicklung an den Börsen seit Mitte Februar. Die Investoren sind ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrt und treffen nur wenige Allokationsentscheidungen. Unsicherheit bestimmt das Geschehen.

Auf der positiven Seite haben wir festgestellt, dass im Bereich Emerging Markets erstmals seit längerer Zeit wieder Anlegerinteresse aufkommt. Die Frage vieler Investoren ist jedoch, wie sie sich engagieren sollen: Aktien, Anleihen oder doch besser Mischfonds?

Gunnar Knierim: Es wäre erfreulich, wenn die Kapitalmärkte wieder mehr von wirtschaftlichen Fundamentaldaten und weniger von politischen Ereignissen beziehungsweise Stimmungen dominiert würden. Investoren möchten wir gerne dazu ermutigen, weniger auf politische Schlagzeilen zu achten und langfristiger zu denken, sowie sich von restriktivem Benchmark-Denken zu lösen. Rücksetzer sollten als Kaufgelegenheit genutzt werden.

Der Niedrigzins ist das alles dominierende Thema in der Finanzbranche. Ein paar vereinfachte direkte Folgen daraus: Rentenfonds werden zunehmend unattraktiv. Das Sparbuch ist keine Alternative mehr. Die Deutschen stürzen sich auf Immobilien. Gold wird wiederentdeckt. Multi-Asset-Fonds sind in aller Munde. Aktienfonds schlagen sich mittelmäßig, volatile Börsen und Regulatorik verhindern größere Mittelzuflüsse. Stimmen Sie zu und möchten Sie etwas ergänzen?     

Alexander Hoffmann: Die anhaltende Treue der Deutschen zu offenen Immobilienfonds ist für uns nicht nachvollziehbar. Denn die propagierte Sicherheit dieser Vehikel ist oft schlicht nicht vorhanden – was wiederholte Krisen aufgezeigt haben.

Würden Sie Ihr Haus als Nettoprofiteur der Niedrigzins-Phase betrachten?

Alexander Hoffmann: Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehen wir im Anleihenbereich durchaus noch interessante Sektoren und Themen. Auch bei Hochzinsanleihen gibt es trotz des massenhaften Zustroms weiterhin ausreichend attraktive Chancen, die sowohl eine willkommene Streuung des Risikos als auch interessante Ausschüttungsquoten bieten. Staatsanleihen aus Schwellenländern in Lokalwährung zum Beispiel: Obwohl diese Währungen bereits einigen Boden gutgemacht haben, sehen wir hier weiterhin erhebliches Aufwertungspotenzial.

Im aktuellen Markt ist es jedoch wichtiger denn je, die richtige Auswahl zu treffen, um überteuerte Anleihen zu meiden und vor allem flexibel genug auf Liquiditätsengpässe reagieren zu können.