Abenteuer Afrika

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Keine Krise am Kap: Die afrikanischen Börsen zeigen sich erstaunlich robust. Afrika-Zertifikate laden zur Börsen-Safari ein.

Es ist derzeit schwer, auf der Börsenglobus Aktienmärkte zu finden, die seit Beginn des Jahres im Plus liegen: Der breite MSCI Weltindex liegt auf Eurobasis nach nur acht Handelswochen 10 Prozent im Minus. Dax, Dow Jones, chinesische und japanische Werte: Überall dominieren tiefrote Vorzeichen. Nur in Afrika ließ sich die vergangenen Wochen Geld verdienen. Angeführt wird der Kontinent von der Börse in Casablanca. Um 16,6 Prozent legten marrokanische Werte seit Jahresbeginn im Schnitt zu, es folgen Ägypten, Tunesien und Namibia mit Zuwächsen bis zu 4,6 Prozent. Auch der etablierteste Handelsplatz Afrikas, die Börse in Johannesburg, notiert derzeit mit 3 Prozent im Plus. Nur Kenia konnte sich einem weltweiten Trend nicht entziehen, allerdings sind die Probleme hausgemacht: Um fast 10 Prozent gaben die Aktienkurse in dem krisengeschüttelten Land nach.

Afrikanische Unternehmen trotzen der Krise

Für viele Investoren ist Afrika der letzte unentdeckte Aktienmarkt. Das mag sich angesichts steigender Kurse und viel verheißender volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen künftig ändern. Spätestens am 11. Juni 2011 zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft blickt die ganze Welt nach Afrika. Für Zertifikategesellschaften war schon im Laufe des vergangenen Jahres Anpfiff zur Börsen-Safari mit mehr oder wenig breit gefächerten Aktienkörben; mal mit südafrikanischen Werten, mal ohne, und manchmal auch jenseits von Afrika. Nach Standardprodukten werden jetzt auch Exoten verbrieft: Am Montag legte ABN Amro das erste Indexzertifikat auf nigerianische Unternehmen auf (AA0 VRW). Über 50 Prozent des Index setzt sich aus fünf Banken des Landes zusammen. Auch sonst sind reine Länderzertifikate vorbehaltlos nur wirklichen Liebhabern der Region zu empfehlen. Zumal es attraktive Alternativen gibt.

Afrika: Aktives Management ist wichtig

Besonders die Afrika-Zertifikate von Merrill Lynch und DWS Go sind empfehlenswert. Sie werden aktiv gemanagt – das ist ein großer Pluspunkt für Schwellenländerprodukte –, und sie investieren breit gestreut in mindestens 30 Unternehmen. Auch das ist, zumindest unter den Afrika-Zertifikaten, keine Selbstverständlichkeit. Das Africa Lions Zertifikat (ML0 C15) ist ein Partizipationszertifikat auf einen breit diversifizierten Index. Dieser besteht anfänglich aus 35 Titeln, maximal 50 sind möglich. Größte Sektoren sind Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe mit 34 Prozent, Öl und Gas mit 23 Prozent und Finanzdienstleister mit 12 Prozent. Unternehmen aus 16 afrikanischen Ländern befinden sich im Index. Hoch gewichtet sind besonders ägyptische und südafrikanische Unternehmen mit 19 und 10 Prozent. Allerdings investiert Merrill Lynch auch jenseits von Afrika, und das aus zwei Gründen. Einerseits sind Unternehmen aus kleineren afrikanischen Volkswirtschaften, wie Angola, Mauretanien oder Gabun, auch an ausländischen Börsen gelistet. Dort ist der Handel einfacher und liquider. Andererseits investiert das Zertifikat auch in Unternehmen, die ihren Sitz nicht in Afrika haben, mindestens zwei Drittel ihres Umsatzes allerdings auf dem Kontinent machen. Das sind Unternehmen wie der kuwaitische Mobilfunkanbieter Mobile Telecommunications oder der norwegische Öl- und Gasdienstleister Acergy.

DWS Go: Jenseits von Südafrika

Basiswert des DWS Go 3rd Wave Emerging Africa (DWS 0H9) ist ein aktiv gemanagter Luxemburger Spezialfonds, der am 30. Oktober 2007 eigens für das Zertifikat aufgelegt wird. Jens Schleuninger, der schon den breiten 3rd-Wave-Fonds managt, setzt zunächst auf Aktien aus Ägypten, Marokko, Nigeria und Tunesien. In Kürze sollen auch Titel aus Ghana, Kenia, Sambia und dem Senegal dazukommen. Mit Südafrika bleibt indes die größte Börse des Kontinents außen vor. Ein einzelnes Wertpapier darf im DWS-Go-Zertifikat mit maximal 10 Prozent gewichtet werden, rund 40 sollen ins Portfolio. Derzeit sind es 30 Werte. Anleger müssen aber beim 3rd Wave Africa wie bei jedem aktiv verwalteten Produkt ohnehin auf die Fähigkeit des Managers vertrauen. Seit der Auflage Ende Oktober 2007 stieg das Zertifikat um 10,3 Prozent. Ihren Schwerpunkt in Südafrika setzen indes die Landesbanker aus Berlin: Auch die LBB vertraut auf ein aktives Management und lässt ihr Afrika Opportunity Zertifikat (LBB 1Y0) von der Fondsgesellschaft Charlemagne zusammensetzten. Grundlage ist der Magna Africa Fonds der Briten. 20 bis 25 Unternehmen sind im Portfolio. Auch die Charlemagne-Manager können außerhalb Afrikas Aktien kaufen, wenn die jeweiligen Unternehmen ein signifikantes Afrika-Geschäft haben.
Deutlich konzentrierter sind Produkte von ABN Amro, UBS und der Commerzbank. Das Zentral-Afrika-Zertifikat (AA0 F70) setzt nur auf Rohstoffunternehmen. Südafrikanische Gesellschaften werden ausgespart, stattdessen sind Öl- und Minenwerte aus neun afrikanischen Ländern vertreten – Angola, Kongo, Sambia, Tansania, Ghana, Burkina Faso, Mali, Senegal und Kamerun; das allerdings hoch konzentriert: Vier Unternehmen machen nahezu 75 Prozent des Portfolios aus. 20 Prozent legte das Papier allein in den vergangenen drei Monaten zu. Gleiche Konzentration, aber anderer Branchen- und Länder-Fokus bei der UBS: Das African Index Zertifikat (UB1 AFK) ist vornehmlich in südafrikanische Werte investiert. Hier sind fünf Werte, Banken und Telekommunikationsunternehmen, für immerhin 50 Prozent des 15-Werte-Index verantwortlich.
Ein wirkliches afrikanisches Destillat kommt von der Commerzbank. Das Index Top 10 (CB5 DSM) konzentriert sich auf die zehn größten Unternehmen, die an der Johannesburger Börse gehandelt werden. Neben Rohstoffwerten werden auch Telekommunikationsunternehmen, Banken und Medien abgedeckt. Fazit: Das Angebot an Afrika-Zertifikaten ist überschaubar und vielfältig zugleich. Auch wenn die konzentrierten Körbe reizvoll sind, sollten Investoren die breiten und aktiv verwalteten Zertifikate vorziehen.