Abkopplungsversuche

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Als die US-Wirtschaft angesichts der heimischen Hypothekenkrise in die Knie ging, schlug die Stunde der Wahrheit für die Anhänger der sogenannten Abkopplungstheorie. Ihre These: Eine Rezession in den USA würde vor allem in Ostasien weitgehend folgenlos bleiben, weil steigende Exporte in andere Länder und die hohe Nachfrage der heimischen Bevölkerung die negativen Effekte ausgleichen. Umso größer war der Schock, als die Aktienmärkte ausgerechnet in dieser Region im Januar weltweit am stärksten einbrachen. "Rein wirtschaftlich haben sich die Volkswirtschaften Asiens zwar durchaus von den USA losgelöst, die Finanzströme hingegen überhaupt nicht", kommentiert Henry Chan die unterschiedliche Entwicklung. So seien die Aktienmärkte nicht wegen schlechter wirtschaftlicher Rahmendaten abgestraft worden, sondern weil den Anlegern die Lust auf risikoreichere Investments vergangen sei, ergänzt der Aktienchef für Asien bei der britischen Fondsgesellschaft Baring Asset Management. So dramatisch, wie die Kurse im Winter in die Tiefe rauschten, stellt sich die Wirtschaftslage Asiens denn auch nicht dar. Bereits im April erholten sich einige Märkte deutlich, der MSCI India-Index etwa legte um 11,1 Prozent zu. Zwar korrigierte die Asian Development Bank die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in der Region Asien ex Japan für dieses Jahr von 8,2 auf 7,6 Prozent. "Im weltweiten Vergleich ist die Wachstumsdynamik jedoch nach wie vor herausragend", erläutert John Greenwood, Chefvolkswirt der Investmentgesellschaft Invesco. Er sieht Asiens Unternehmen generell gut gerüstet für die negativen Impulse aus den USA: "Die Firmen haben aus der Asienkrise Ende der 90er Jahre gelernt und meiden seitdem eine übermäßige Fremdkapitalfinanzierung." Auch sonst hat die Region noch einige Trümpfe für ein weitgehend solides Wachstum aufzubieten: So verfügen die Länder etwa dank beständiger Leistungsbilanzüberschüsse über steigende Devisenreserven. Bereits beschlossene Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel der Ausbau des Straßennetzes können sie daher unabhängig von der globalen Großwetterlage durchführen. Ein enormer Wachstumsfaktor ist zudem die vorwiegend junge Bevölkerung der Region, die mit zunehmendem Wohlstand immer mehr konsumiert. Dementsprechend hält Barings-Mann Chan die Bereiche Infrastruktur und Konsum für besonders attraktiv. Als Negativ-Faktor gelten allerdings die hohen Preissteigerungsraten. Die Inflation stieg etwa in China im Februar angesichts der hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise auf 8,7 Prozent und kletterte damit auf den höchsten Stand seit elf Jahren. Unterm Strich bleibt Greendwood dennoch zuversichtlich: "Wir gehen davon aus, dass Asien weltweit die Erholung der Aktienmärkte anführen könnte, wenn die US-Hypothekenkrise überstanden ist." Bis dahin dürften die starken Kursausschläge Anleger noch eine Weile in Atem halten, meint unter anderem der Schwellenländer-Experte Mark Mobius. Diese starken Schwankungen sollten Investoren zum günstigen Einstieg in die Region nutzen - sofern sie genug Geduld haben, Schwächephasen auszusitzen.